Zugvögel wie der Hausrotschwanz sind ein wichtiger Bestandteil der Wiener Umwelt. © Ferdinand Schmeller/MA 22

 

Die Vogelschar ist wieder da

Wenn die Zugvögel von ihrem Winterurlaub nach Wien zurückkehren, kommt Leben in die Parks und Gärten. CLUB WIEN hat mit Experten der MA 22 - Umweltschutz über Lebensweise der Zugvögel und Schutzmaßnahmen in Wien gesprochen.

Was wäre ein Abstecher auf die Donauinsel oder in den Park Ihrer Wahl ohne das Gezwitscher der Vögel? Die gefiederten Freunde sind eine Bereicherung für unsere Stadt. Darum macht sich die MA 22 - Umweltschutz auch dafür stark, dass die Vögel einen geeigneten Lebensraum vorfinden. Harald Gross und Manfred Pendl sind Vogelexperten bei der MA 22 und mit der Lebensweise der Zugvögel bestens vertraut. Sie wissen, wie wichtig es ist, sie zu unterstützen.

„Alle Vogelarten, mit wenigen Ausnahmen, stehen in Wien unter Naturschutz“, sagt Gross. Artenschutz bezieht sich vor allem auf den Lebensraumschutz. Gerade der Schutz der Brutplätze ist besonders wichtig. „Bitte keinen Heckenschnitt machen, bei dem Nester vernichtet oder freigelegt werden.“ Besonderen Schutz brauchen übrigens Gebäudebrüter wie der Mauersegler und die Mehlschwalbe. Alle Infos dazu finden Sie auf der Homepage der Stadt Wien. Besonders freut sich die MA 22 über Ihre Mithilfe durch Meldungen zu Brutplätzen der Mauersegler. Diese können so noch besser geschützt werden. Alle Infos sowie ein Meldeformular finden Sie ebenfalls auf der Homepage der Stadt Wien.

 

Die Stadt Wien - Umweltschutz ist mit einem ihrer Bereiche auch im Naturschutz tätig. Dieser Bereich mit dem Namen NAGE (Naturschutz & Geoinformation) hat viele Agenden. Dazu zählen unter anderem Naturschutzplanung, Landschaftspflege, Management von Lebensraumschutzprogrammen, Forschungsprojekte, Öffentlichkeitsarbeit und vieles mehr.

Der Kuckuck hat Fernweh

Zugvögel teilt man grob in drei Arten ein. „Unter den Zugvögeln gibt es Lang-, Mittel- und Kurzstreckenzieher. Je nach zurückgelegter Strecke haben sie einen kürzeren oder längeren Weg, um in ihre Brutgebiete in Mitteleuropa zurückzukehren. Die Überwinterungsgebiete der Langstreckenzieher liegen größtenteils südlich des Äquators, wobei Mittel- und Kurzstreckenzieher bis nach Afrika fliegen beziehungsweise das winterwarme Westeuropa oder das Mittelmeer aufsuchen“, sagt Pendl. Der Kuckuck zum Beispiel liebt die Langstrecken und legt bis zu 12.000 Kilometer zurück.

Weitere Langstreckenzieher sind der Pirol, die Nachtigall, die Mehlschwalbe, der Weißstorch und der Mauersegler. Kurz- bis Mittelstreckenzieher sind der Buchfink, das Rotkehlchen, der Star und der Kormoran oder auch Feldlerche und Graugans. Zugvögel gibt es unter fast allen Vogelgruppen, darunter auch diverse Greifvögel wie der Wespenbussard. „Es gibt aber auch das exakte Gegenteil, also Vögel, die nur zum Überwintern zu uns kommen. Zwei Beispiele dafür wären die Schellente und der Gänsesäger“, sagt Gross.

Die ewige Suche nach Nahrung

Doch warum migrieren Vögel eigentlich? „Es gibt dafür zwei Gründe. Erstens das jahreszeitlich extrem unterschiedliche Nahrungsangebot in den Brutgebieten. Für viele Arten ist nicht die Winterkälte das Problem, das würden sie leicht aushalten, sie brauchen geeignete Nahrung. Dies trifft vor allem für Insektenfresser zu, die würden im Winter zu wenig Nahrung bei uns finden. Arten, die bei uns überwintern, wie zum Beispiel viele Enten, weichen dem extremeren Winter in Norden aus, dort frieren die Gewässer zu“, sagt Pendl. Der zweite Grund ist die Genetik. Ob ein Vogel zieht, wohin er zieht, und wann bei ihm die Zugunruhe einsetzt, ist genetisch festgelegt. Sowohl die Flugrichtung als auch die Flugdauer sind angeboren.

Falls Sie auch schon immer wissen wollten, ob Vögel in einem durchfliegen: „Ob sie durchfliegen oder nicht hängt von der Vogelart ab. Manche ziehen wirklich in einem durch, andere müssen immer wieder Pausen machen. Wichtig für Zugvögel ist, dass sie sich Fettreserven für den Zug anfressen können. Durch die milderen Winter gibt es immer mehr Arten, die ‚zugfauler‘ werden. Diese finden auch im Winter Nahrung bei uns und ziehen gar nicht mehr weg, zum Beispiel das Teichhuhn oder die Bachstelze“, sagt Gross.

Der Mensch als Störfaktor

Leider haben die Zugvögel mit vielen Problemen zu kämpfen, die meisten davon menschgemacht. Illegale Verfolgung auf den Zugrouten, klimatische Veränderungen wie Gewässeraustrocknung und das immer kleiner werdende Angebot an Insekten in unserer stets weiter verarmenden Kulturlandschaft setzen den Vögeln zu. „Monokulturen entlang der Zugrouten werden geschaffen, um die große Nachfrage an landwirtschaftlichen Gütern zu decken. Vor allem nach dem anstrengenden Flug über das Mittelmeer gibt es dann keine geeigneten Flächen mehr für die Zugvögel, um wieder Energie in Form von Insekten auftanken zu können“, sagt Pendl. Auch beleuchtete Gebäude sind ein Problem, denn bei schlechter Sicht können Zugvögel in großer Zahl mit diesen kollidieren. Selbiges gilt für Windräder.

Auch Sie können helfen

Doch die gute Nachricht ist, auch Sie als Privatperson können ein bisschen dazu beitragen, den Zugvögeln das Leben zu erleichtern. Gestalten Sie doch den Garten oder den Balkon etwas insektenfreundlicher. Das heißt kein Ausbringen von chemischen und synthetischen Pflanzenschutzmitteln, echte Wiesen statt künstlicher Rasen, Einkauf von Lebensmitteln aus strukturreicher und biologischer Herkunft, mehr Vogelschutzhecken und bitte nur heimische Pflanzen verwenden. Wenn mehr Menschen darauf achten, ist schon viel getan.

Aktuell erfreuen wir uns alle an den Vögeln. Doch bald kommt auch wieder der Abschied. „Nach erfolgter Brut ist der Mauersegler eine der ersten Brutvogelarten, die nicht mehr zu ihrem Brutplatz zurückkehren. Das passiert bereits im Juli. Die Langstreckenzieher machen sich dann im August allmählich auf den Weg, die Kurzstreckenzieher werden erst mit der ersten Kältewelle zum Zug animiert“, sagen die Experten. Bis dahin freuen wir uns aber auf einen Sommer voller Vogelgezwitscher.