Die Sommerzeit ist vorbei, es gilt, die Zeiger der Uhr wieder um eine Stunde zurückzustellen. © Getty Images

 

Wer hat an der Uhr gedreht?

Am letzten Sonntag im Oktober ist die Sommerzeit vorbei, die Uhren werden auf Normalzeit umgestellt. Warum wir das machen, wie das bei öffentlichen Uhren funktioniert und in welche Richtung die Zeiger überhaupt gedreht werden müssen: CLUB WIEN weiß mehr.

Wer zwischen 1948 und 1980 geboren ist, kann sich vielleicht noch daran erinnern, dass die Zeiger der Uhren nicht zwei Mal im Jahr vor- oder zurückgedreht werden mussten. Zeitumstellung gab es damals nämlich keine. Davor, von 1916 bis 1948, und danach, seit 1980, galt und gilt in Österreich die Sommerzeit. Sie tritt am letzten Sonntag im März in Kraft. Wie seit 1996 hierzulande üblich und an die EU-Partnerländer angepasst, geht diese am letzten Sonntag im Oktober zu Ende. Also zwischen Herbstbeginn und Allerheiligen/Allerseelen sowie Halloween beziehungsweise rund um den Nationalfeiertag.

Vor oder zurück? Auch wenn das bei Computer, Smartphone und Co automatisch vorgenommen wird: Bei nicht wenigen sorgt die Frage, in welche Richtung die Zeiger der Uhr wann gedreht werden müssen, für Verwirrung. Eine einfache Eselsbrücke schafft dabei Klarheit: Im Sommer werden die Gartenmöbel vor das Haus gestellt, im Herbst wieder zurück, etwa in den Keller. Soll heißen: Für die Sommerzeit stellen wir die Zeiger der Uhr von 2 Uhr auf 3 Uhr vor, im Herbst werden sie um eine Stunde von 3 Uhr auf 2 Uhr zurückgestellt. Wer um diese Uhrzeit lieber schläft, nimmt die Umstellung am besten vorm Zubettgehen vor. So wundert man sich am nächsten Morgen nicht über vermeintlich falsch gehende Uhren.

Sommerzeit wegen Ölkrise

Erste Überlegungen zu einer staatlich verordneten Sommerzeit gab es bereits Ende des 19. Jahrhunderts. Schon damals ging es um das Einsparen von Energie in Form von künstlichem Licht. Als sie während des Ersten Weltkriegs das erste Mal tatsächlich eingeführt wurde, ging es darum, das Tageslicht an langen Sommerabenden möglichst effizient zu nutzen. Auch nach dem Zerfall der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie wurde die Zeitumstellung mit Unterbrechungen bis 1948 beibehalten. Erst während der 1970er-Jahre ging es in Österreich wieder ans Sparen: Auslöser für die Einführung der Sommerzeit waren damals Energiesparmaßnahmen nach der Ölkrise im Jahr 1973. Eingeführt wurde sie dann am Sonntag, dem 6. April 1980, und gilt seit damals.

Allerdings wird seit Anfang 2018 eine rege Debatte über die Abschaffung der Sommerzeit auf EU-Ebene geführt. Damals sprachen sich in einer Umfrage 84 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer für das Ende der Zeitumstellung aus. Bis es so weit ist, könnten aber noch einige Jahre ins Land ziehen.

 

Im trauten Heim gilt es also, Wecker, Wand- und Armbanduhren per Hand umzustellen, so sie das nicht dank Funksignalen bereits selbst tun. Im öffentlichen Raum freilich sieht das anders aus. Zum Beispiel bei den allseits bekannten und beliebten Würfeluhren. Sie prägen seit 1907 das Stadtbild. Mechanische Werke sind aber längst Geschichte. Nach einer ersten Modernisierung vor knapp zehn Jahren wurden die Uhren zuletzt mit digitalen Uhrwerken nachgerüstet und die Beleuchtung wurde auf stromsparende LED-Technologie umgestellt. Die neuen schauen wohl weniger spektakulär aus als ihre mechanischen Vorgänger. Neben den 73 Würfeluhren ist dabei die MA 33 - Wien leuchtet für insgesamt 196 öffentliche Uhren an Gebäuden und Kirchen zuständig.

Umstellung per Hand ist Geschichte

Zu Beginn der Zeitumstellung wurden noch alle Uhren einzeln und händisch umgestellt. Ein unvorstellbarer Arbeitsaufwand. Im Laufe der letzten 40 Jahre wurden eine zentrale Funkfernsteuerung und die Steuerung über GPS-Signalisierung eingesetzt. Das bedeutet, dass alle Uhren automatisch umgestellt werden. Dabei werden die Uhren um 2.59 Uhr eine Stunde lang angehalten. Danach stellen sie sich selbstständig auf 3 Uhr. Um sicher zu gehen, dass alles funktioniert und um mögliche Fehler zu beheben, sind zwei Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter der MA 33 - Wien leuchtet unterwegs. Stichprobenartig wird alles gleich nach der Umstellung kontrolliert, in der darauffolgenden Woche werden dann sämtliche Uhren in Augenschein genommen.

Durch die Zeitumstellung auf Normalzeit gewinnen wir übrigens eine Stunde Schlaf. Das sollte dafür entschädigen, dass es früher dunkel wird. Und die Umstellung auf die nächste Sommerzeit kommt bestimmt - allen Debatten über ihre Abschaffung zum Trotz.