Der Kenyon-Pavillon im ehemaligen Sophienspital ist denkmalgeschützt und soll bald geförderten Wohnraum bieten. © wohnfonds_wien

 

Wohnen im Sophienspital

Auf dem Areal des ehemaligen Sophienspitals in Wien-Neubau soll wieder Leben einkehren. Auf rund 13.300 Quadratmetern ist geförderter Wohnraum geplant. Historische Gebäude werden umgewidmet, der Park soll öffentlich zugänglich gemacht werden.

Seit 1881 befindet es sich, benannt nach der Mutter von Kaiser Franz Joseph I., im siebenten Wiener Gemeindebezirk: das Sophienspital. Herzstück des Krankenhauses in Neubau war damals schon ein seinen Namen von Stifterin Eugenie Kenyon beziehender Pavillon. Heute steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Als letzter Trakt wurde mit dem Europa-Pavillon 1999 ein sozialmedizinisches Zentrum entlang des Gürtels fertiggestellt.

2017 wurde der Betrieb auf dem gesamten Gelände, das die letzten 30 Jahre als Pflegeheim, physikalische Therapiestation und Tageszentrum diente, schließlich eingestellt. Zwar konnte es zwischenzeitlich als Wärmestube und Notquartier für Obdachlose genutzt werden, diente der Vienna Design Week als Festivalzentrale und als Kulisse für Filmdrehs. Dennoch war die langfristige Zukunft des Sophienspitals seit seiner Schließung ungewiss.

Geförderter Wohnraum und öffentlicher Park

Diese ist nun besiegelt: Auf dem Areal soll leistbarer, lebenswerter und geförderter Wohnraum inklusive eines Gemeindebaus Neu errichtet werden. Das gesamte Gebiet liegt dabei zwischen Neubaugürtel, Stollgasse, Apollogasse sowie Kaiserstraße und umfasst rund 13.300 Quadratmeter. Der Park darin mit über 60 Bäumen soll für die Bevölkerung geöffnet werden. Zum Teil war das schon von Ende August bis Anfang Oktober der Fall: Da stand das Gelände allen Wienerinnen und Wienern drei Mal die Woche von 16 bis 19 Uhr offen.

 

Drei Punkte lassen das Projekt herausstechen: Es ist ein bisher einmaliges Gesamtpaket aus Neubau, Altbausanierung und Freiraumgestaltung. Es stellt das derzeit einzige innerstädtische Stadtentwicklungsprojekt innerhalb des Gürtels dar. Und es befindet sich im öffentlichen Eigentum. Erst im Sommer 2019 hat die Stadt Wien dem wohnfonds_wien das Areal zur weiteren Gestaltung übertragen. Der Startschuss zum Bauträgerwettbewerb ist bereits gefallen. Für frühestens 2021, spätestens 2022 ist der Baubeginn vorgesehen. Gesucht werden noch Ideen für eine einjährige Zwischennutzung bis zum endgültigen Start der Gebietsentwicklung.

Historische Gebäude, Kindergarten und Start-ups

Konkret sollen die bestehenden historischen Gebäude umgewidmet und saniert werden. Das sind neben dem denkmalgeschützten Kenyon-Pavillon der zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtete Karl-Ludwig-Pavillon und das Gebäude der ehemaligen Verwaltung. Auch kleinere Nebengebäude wie das ehemalige Möbellager und die spitalseigene Tischlerei sollen erhalten bleiben. Neubauten sind entlang des Gürtels angedacht. Dafür soll der Europa-Pavillon abgerissen werden. Fix ist, dass zwei Drittel der Nutzfläche für geförderten Wohnraum verwendet werden sollen. Die Hälfte davon soll auf SMART-Wohnungen entfallen, bei denen das Raumangebot optimal genutzt wird.

Platz finden soll ersten Plänen zufolge im ehemaligen Verwaltungstrakt auch ein gemischtes Projekt. Dieses soll einen Gemeindebau Neu und die Außenstelle einer Schule mit acht Klassen beinhalten. Vorgesehen sind außerdem ein siebengruppiger Kindergarten sowie Geschäfte und Start-ups. Eine Tiefgarage soll unter dem Neubau am Gürtel ebenfalls gebaut werden. Mitten im Siebenten soll so in den nächsten Jahren ein frisches, offenes Grätzl entstehen. Der beste Beweis, dass sich auch in den Innenbezirken neuer, leistbarer und lebenswerter Wohnraum schaffen lässt.