Der Natternkopf sieht nicht nur gut aus, er wird auch vor allem von Hummeln geliebt. © iStockphoto

 

Wildblumen auf dem Balkon

Das Pflanzen von heimischen Blumen liegt voll im Trend. Wildblumen sind nicht nur pflegeleichter als Zierpflanzen, sie erleichtern auch der Insektenwelt das Leben. CLUB WIEN sprach dazu mit Alexandra Scheucher von der Initiative "Wildgarten".

Sterile Rasen voller Thujenhecken, Balkone voller Kunstpflanzen und weniger natürliche Wiesen. In der modernen Welt wird es für Insekten immer schwieriger, Lebensräume zu finden. "In Erinnerung haben viele Menschen noch die bunten, vielfältigen Blumenwiesen, wie es sie früher gegeben hat. Heute sind sie wegen der industriellen Landwirtschaft fast ganz verschwunden. Und der Ordnungswahn in unseren Gärten und auf den Balkonen tut ein Übriges", sagt Alexandra Scheucher von der Initiative „Wildgarten“.

Wildblume als Leidenschaft

Schon in der Schulzeit hat sie ihre Freundinnen und Freunde mit ihrer Begeisterung für jede einzelne Blume beglückt. Heute macht sie sich für Wildblumen stark. So teilt die Expertin ihr Wissen unter anderem in Kursen bei der Wiener Gebietsbetreuung. Dort klärt sie etwa über Wildzonen auf, also Bereiche im Garten oder auf dem Balkon, die vom Menschen möglichst unberührt bleiben. Denn: Auch kleine Beiträge machen für das natürliche Ökosystem einen großen Unterschied. "Wenn viele ein bisschen was dazu beitragen, und sei es nur ein kleines Balkonkistl, das Insekten auf ihrer Nahrungssuche als Snackbar anfliegen können, erleichtern wir deren Leben", sagt Scheucher.

Welche Wildblumen gut gedeihen, hängt vom Balkon ab. Bei einem sonnigen bis halbschattigen Balkon, der nicht überdacht ist, kann man sich an den sogenannten Trockenrasen-Arten orientieren. Die brauchen wenig Nährstoffe, wenig Erde und müssen selten bis gar nicht gegossen werden. Einige gute Beispiele: Natternkopf, Färberkamille, Königskerzen, Aufrechtes Fingerkraut, Bergminze, Wilder Thymian, Wiesenmargerite, Wiesensalbei, Karthäusernelke, Wegwarte. Wichtig: Beim Kauf darauf achten, dass man die Wildform bekommt und nicht eine Zuchtform.

 

Pflegeleicht und langlebig

In der Pflege sind Wildblumen wesentlich einfacher. "Im Unterschied zu ökologisch nutzlosen Zierpflanzen, die keinen Nektar produzieren und nur auf eine schöne Blüte hingezüchtet sind, brauchen sie weniger Wasser und Nährstoffe. Sie kommen also auch gut ein paar Tage ohne uns aus. Auch wenn sie dann scheinbar vertrocknen, ist die Chance groß, nach dem nächsten Regen wieder ein Lebenszeichen zu erkennen. Ganz ohne Wasser geht es natürlich nicht", sagt Scheucher. Und: Man muss sie nicht jedes Jahr neu kaufen, weil sie den Winter überstehen können und damit ökologisch nachhaltig sind.

Beim Einrichten des Kistls muss man auf ein paar Dinge achten. Je größer der Topf ist, desto besser wachsen die Pflanzen. "Den Wildblumen ist handelsübliche Blumenerde zu nahrhaft, man sollte sie mit etwas Sand oder Betonschotter abmagern. Gut ist auch ein kleiner Teil Tongranulat, um Wasser zu speichern und das Substrat durchlässiger zu machen. Oder man kauft im Fachhandel eine fertig gemischte Dachgartenerde, hier allerdings die Variante 'Intensiv'", sagt Scheucher. Von Torferde sollte man die Finger lassen, da Wildblumen die nicht vertragen.

Geduld zahlt sich aus

"Ganz wichtig ist eine gute Drainage, damit Wasser abfließen kann, zum Beispiel Tongranulat, Schotter oder Blähton-Reste. Darauf kann man höchstens bei klassischen kleinen Balkonkästen verzichten, dort genügen einige Tonscherben über den Abflusslöchern. Kleine Kästen muss man aber auch öfter gießen als große Gefäße. Oder man pflanzt zum Beispiel Fetthenne oder Mauerpfeffer, echte Trockenheitsspezialisten." Eher tabu ist das Düngen. Wenn, dann erst nach zwei Jahren und nur mit organischem Dünger, am besten aus der eigenen Wurmkiste.

Hobbygärtnerinnen und -gärtner brauchen auch ein wenig Geduld. Die meisten Wildpflanzen sind zwei- oder mehrjährig. Sät man sie aus, blühen sie erst im zweiten Jahr.

Die Tierwelt bedankt sich

Heimische Wildblumen sind robust, an unser Klima angepasst und die heimische Fauna, also auch Insekten, sind von ihnen abhängig. Es gibt ganz viele Arten von Schmetterlingen, Raupen und Wildbienen, die auf ganz wenige, manchmal auch nur eine einzige Pflanze spezialisiert sind. Da kann es noch so bunt blühen, wenn diese Pflanzen nicht vorhanden sind, finden die Tiere nichts zu fressen. Dazu zählen auch Pflanzen, die nicht immer gern gesehen sind, wie die Brennnessel.

Wildpflanzen haben eine einzige Aufgabe: zu blühen, um von angelockten Insekten bestäubt zu werden, dann Samen zu produzieren und damit die Fortpflanzung zu sichern. Das müssen Zierpflanzen nicht, sie produzieren keine Samen. "Wenn wir möglichst artenreiche heimische Blühpflanzen am Balkon haben, leisten wir einen wertvollen Beitrag und werden zur Jausenstation für unterschiedliche Wildbienen, Käfer und eben mit Glück auch für ein paar Schmetterlinge. Lässt man die Samenstände über den Winter stehen, bietet man auch einigen Insekten Unterschlupf und ein bisschen Nahrung für einige Vögel", sagt Scheucher.

Einen konkreten Favoriten unter den Wildblumen gibt es für Scheucher nicht. "Da gibt es wirklich viele. Man lernt, genau hinzuschauen und auch unscheinbare Blüten zu entdecken, die wunderschön sind! Beeindruckend von der Blütenpracht und Größe sind natürlich unterschiedlichste Königskerzen. Die Wilde Karde finde ich ebenfalls sehr schön mit ihrer bizarren Form", sagt die Expertin. "Der häufige Natternkopf hat eine herrliche Farbe und ist ein Hummelmagnet. Ich finde, die wilden Schönheiten stehen den künstlich-bunten Zierpflanzen in nichts nach. Sie sind nur nicht so aufdringlich."