15.JULI 2020 
Fortschritt
"Klimaschutz darf keine soziale Frage sein. Wir planen Stadtteile mit leistbarem Wohn- und Grünraum und verwenden neue, klimafreundliche Technologien", so Vizebürgermeisterin Birgit Hebein. © Karo Pernegger

Wiens smarte Zukunft im Umweltschutz

Birgit Hebein, Vizebürgermeisterin und Stadträtin für Stadtentwicklung, Verkehr, Klimaschutz, Energieplanung und Bürgerinnenbeteiligung, will, dass Wien zur Klimahauptstadt Europas wird.

Ende Juni 2019 übernahm Birgit Hebein das Amt der Vizebürgermeisterin und Verkehrs- und Planungsstadträtin. Ihr klares Ziel: "Ich will Wien zur Klimahauptstadt Europas machen und den sozialen Zusammenhalt stärken." Ihre weiteren Anliegen: mehr Bäume und Begegnungszonen, Alternativen zum Auto, leistbares Wohnen und eine soziale Durchmischung in den neuen Stadtentwicklungsgebieten.

Platz für Rad & FußgängerInnen

"Klimaschutz ist ohne eine andere Verkehrspolitik unmöglich", so Hebein. Denn 40 Prozent des CO2-Ausstoßes in Wien verursacht der Autoverkehr. Hebein setzt daher auf Begegnungszonen, mehr Platz für Fußgängerinnen und Fußgänger und eine bessere Radinfrastruktur. Derzeit laufen 37 Radprojekte. Der Kauf von E-Lastenrädern wird gefördert. Das Konzept "Viertelstundenstadt" will die Grätzl stärken. Angebote wie Nahversorger, Bildung, Freizeit sollen innerhalb von 15 Minuten zu Fuß, mit dem Rad oder den Öffis erreichbar sein.

Schutz vor Hitze

"Wenn wir nichts tun, heizt sich die Stadt bis 2050 um 7,6 Grad auf", so Hebein, "wir haben daher Schritte gesetzt, um unsere Stadt abzukühlen, denn die Hitze ist gesundheitsschädlich." Dazu gehören Baumpflanzungen, Brunnen, Beschattungen, Fassadenbegrünung und Förderungen für Sonnenschutz. 22 "Coole Straßen" – zum Beispiel die Kandlgasse im 7. Bezirk oder die Hasnerstraße im 16. Bezirk – sorgen mit Sprühnebeln, viel Schatten und Sitzgelegenheiten für Abkühlung. Das schützt das Klima und die Gesundheit der Menschen in den sehr heißen Zonen der Stadt.

Klimaschutz

Wien setzt mit Klimaschutzgebieten in den Bezirken erste Schritte, um erneuerbare Energien und Fernwärme zum Standard zu erheben. "Im Neubau dürfen kein Öl und Gas verwendet werden. Mittelfristig werden 80 Prozent der Neubaugebiete mit klimafreundlicher Energie versorgt. Das verringert den CO2-Ausstoß", so Hebein. Die Photovoltaik wird weiter ausgebaut. In bestimmten Neubauten müssen Solaranlagen eingebaut werden. In Zukunft gilt das auch für Wohn- und Bildungsbauten.

Einsatz für die Umwelt

Seit Wiens erstem Klimaschutzprogramm vor 20 Jahren werden laufend Maßnahmen entwickelt, um Klima und Umwelt nachhaltig zu schützen und die Lebensqualität zu steigern. Die Stadt setzt sich hohe Klimaziele und arbeitet hart daran, diese auch zu erreichen. Aktuell gibt es folgende Schwerpunkte:

  • Coole Stadt

Das Förderpaket "Raus aus dem Asphalt" für Cooling- und Begrünungsmaßnahmen beträgt insgesamt 6,15 Millionen Euro. "Gemeinsam mit den Bezirken kämpfen wir gegen klimawandelbedingte Hitzeinseln", so Umweltstadträtin Ulli Sima. Auch städtische Fassaden werden begrünt, wie aktuell das U-Bahn-Gebäude Spittelau.

  • Neue Parks

Wien hat einen Grünraumanteil von mehr als 53 Prozent - rekordverdächtig. 16 Hektar neue Parkflächen werden in den nächsten Jahren angelegt – z. B. der Elinor-Ostrom-Park in der Seestadt Nord oder der Park auf dem Nordbahnhofgelände mit Stadtwildnis und urbanen Terrassen.

  • Noch mehr Bäume

Auch Bäume spielen eine große Rolle für das Stadtklima: Rund 500.000 Stadtbäume gibt es wienweit und jährlich werden bis zu 4.500 Bäume neu gepflanzt. Bewässerungsanlagen und ein neues Baumsubstrat machen sie für heiße Tage "klimafit".

  • Solaroffensive

Derzeit wird in Unterlaa die größte Photovoltaikanlage Wiens mit knapp zwei Megawatt Leistung errichtet. Auch das erfolgreiche Modell der BürgerInnen-Solarkraftwerke wird weiterverfolgt. Künftig darf auch kein Wohnhaus und keine Schule mehr ohne Solaranlage auf dem Dach zur Stromgewinnung errichtet werden. In den kommenden zwei Jahren werden auf Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern, Rettungsstationen und Sportstätten Solarkraftwerke installiert.

  • "Greener Linien"

Die Öffis leisten einen ganz zentralen Beitrag für die Klimamusterstadt Wien – oft auch innovativ: Auf dem Dach der U-Bahn-Station Ottakring erzeugen Solarmodelle umweltfreundlichen Strom: 62.000 KWh Sonnenstrom bedeuten eine CO2-Ersparnis von rund 21 Tonnen pro Jahr.