Das Bewusstsein für Müllvermeidung, also Zero Waste, sollte schon bei den Kleinsten gebildet werden. Die Abfallberatung der MA 48 besucht Kindergärten und Schulen und klärt unter anderem mit Kasperltheater auf. © Christian Houdek

Wiens Rezept für null Müll

Der beste Abfall ist der, der gar nicht erst entsteht. Damit alle dieses Ziel erreichen können, bieten die Stadt Wien und die MA 48 Unterstützung. CLUB WIEN hat die Zutaten für Wiens Rezept zu Abfallvermeidung und Wiederverwendung in Erfahrung gebracht.

Mitte Oktober haben sich verschiedene Unternehmen und Organisationen bei der restlos ausverkauften "Conference on Green Consumption & Production" ausgetauscht. Ganz dem Titel der Konferenz entsprechend, ging es dabei um Nachhaltigkeit und Zero Waste, also null Müll oder anders gesagt: Abfallvermeidung. Mit dabei war auch die MA 48, Abfallwirtschaft, Straßenreinigung und Fuhrpark. Grund genug für CLUB WIEN, sich zu erkundigen, was die Stadt Wien unternimmt, um Müll zu vermeiden. Und wie jede Wienerin und jeder Wiener einen Beitrag dazu leisten kann.

Diese Grundsätze machen das Wiener Abfallwirtschaftskonzept aus: Vermeiden, Wiederverwenden, Recyceln, energetisch Verwerten und erst zu guter Letzt Entsorgen. Dafür steht auch die Initiative "natürlich weniger Mist". Dazu gehört eine ganze Reihe von Angeboten, Aktionen und Aktivitäten. Sie sollen dabei helfen, das Wunschziel Zero Waste zu erreichen. Betrieben wird etwa der 48er-Tandler, bei dem es Secondhand-Ware zu kaufen gibt, die vor dem Müll gerettet wurde. Eigens dafür hat die MA 48 auf allen Mistplätzen sogenannte Tandler-Boxen und Altkleidercontainer eingerichtet. Dort kann man gut erhaltene und schöne Altwaren abgeben.

Telefonzellen mit Bücherregalen

Denn was die oder der eine wegwerfen würde, hat für andere durchaus noch Wert, weiß Ulrike Volk von der MA 48 : "Am Mistplatz, also dort, wo man etwas entsorgen will, kann man noch einmal kurz in sich gehen: Ist das, was ich in die Mulde werfen will, eigentlich Abfall oder kann nur ich das nicht brauchen? Das ist schon eine kleine Motivation für die Bürgerinnen und Bürger." Direkt beim 48er-Tandler sind auch die Mehrwegsäcke erhältlich. Diese können einerseits als Vorsammeltaschen zum Mülltrennen, andererseits zum umweltfreundlichen Einkaufen ohne Wegwerfsackerl verwendet werden.

Auch für ein anderes Problem hat die MA 48 eine Lösung parat. Bei Leseratten stapeln sich oft Bücher, der Platz wird knapp. Weggeworfen werden sollen die Druckwerke allerdings auch nicht. Deswegen wurden auf den Mistplätzen ausrangierte, orange gestaltete Telefonzellen mit Bücherregalen bestückt. Ähnlich wie bei offenen Bücherschränken, die es über die Stadt verteilt gibt, können hierher Bücher gebracht und andere im Tausch eins zu eins mitgenommen werden. All das ist freilich kostenlos, schafft bei den einen wieder Platz in den eigenen vier Wänden und beschert anderen ein Lesevergnügen zum Nulltarif.

Mehrwegbecher und umweltfreundliche Fahrzeuge

Unter dem Namen ÖkoEvent bietet die MA 48 einen Service für Veranstaltungen an. Dabei werden eigens gestaltete Mehrwegbecher gratis zur Verfügung gestellt. Veranstalterinnen und Veranstalter müssen lediglich die Reinigungskosten übernehmen. Außerdem kann auch ein Geschirrmobil für Events ausgeliehen werden und für kleinere Festivitäten gibt es Mehrwegteller aus Kunststoff beziehungsweise Mehrweghäferln aus Porzellan. Auch für Weihnachten gibt es mehrfach Verwendbares: Der Weihnachtssack ist eine umweltfreundliche Alternative zu Geschenkpapier und kann jedes Jahr neu befüllt werden.

ÖkoKauf Wien ist das Programm für ökologischen Einkauf der Stadt Wien. Hier ist die MA 48 für die umweltfreundliche Anschaffung von Fahrzeugen zuständig. "Gemäß den ÖkoKauf-Kriterien werden nur solche Fahrzeuge eingekauft, die leicht zu reparieren sind, geringe Emissionen aufweisen und wenig Benzin verbrauchen", erklärt Ulrike Volk. Das betrifft nicht nur die Müllfahrzeuge, sondern alle Fahrzeuge, die die Stadt Wien anschafft. Die Gefährte werden nicht nur eingekauft, sondern auch verkauft. Werden sie von der Stadt Wien ausgeschieden, sollen sie so lange wie möglich weiterverwendet werden, etwa als Übungsfahrzeuge für Feuerwehren. Auch diese Art von Müll soll also tunlichst vermieden werden.

Abfallberatung und Misttelefon

Damit Themen wie Abfallvermeidung und Wiederverwertbarkeit wirklich verinnerlicht werden, lohnt es sich, schon beim Nachwuchs Aufklärungsarbeit zu leisten. Hier kommt die Abfallberatung der MA 48 ins Spiel. Deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehen in Kindergärten und Schulen und halten Workshops ab, zum Beispiel zu umweltfreundlichem Feiern: Statt ein Geschenk zu kaufen, kann man eines basteln, etwa aus Secondhand-Teilen oder Abfällen. Auch im Angebot sind Schulrundfahrten zu verschiedenen Anlagen der MA 48. Die Kleinsten wiederum werden mit Kasperltheater für die Materie begeistert. Beim Wiener Ferienspiel und bei Grätzelfesten ist die Abfallberatung ebenfalls präsent. Offene Fragen lassen sich auch von daheim aus klären. Das Misttelefon ist von Montag bis Samstag von 8 bis 18 Uhr unter 01 546 48 erreichbar. Dort werden alle Fragen zum Thema Müll beantwortet. So können alle dazu beitragen, dass so wenig Abfall wie möglich entsteht.