Am 11. Oktober finden die Wiener Gemeinderatswahl und die Wiener Bezirksvertretungswahlen statt. Im Zuge dessen wird auch Wiens neue Bürgermeisterin oder neuer Bürgermeister gewählt. Seit 1945 ist Wien in roter Hand, wie wird es weitergehen? © PID/Schaub-Walzer

 

Wiens Alt-Bürgermeister Zilk, Häupl und Co: Ein kurzer Abriss der Geschichte

Am 11. Oktober wird im Zuge der Gemeinderatswahl das Amt des Bürgermeisters neu vergeben. Wer es übernehmen wird, steht noch in den Sternen - wer es bis dato innehatte, erfahren Sie hier. CLUB WIEN gibt einen kurzen Rückblick über Wiens Alt-Bürgermeister.

Am 11. Oktober heißt es für alle Wienerinnen und Wiener auf ins Wahllokal, denn die Wiener Gemeinderats- und Bezirksvertretungswahlen 2020 finden statt. Im Gemeinderat geht es um die Verteilung von 100 Mandaten, in den Bezirksvertretungen, je nach Einwohneranzahl der Bezirke, um die Verteilung von 40 bis 60 Mandaten. Darüber hinaus wird Wiens künftige Bürgermeisterin oder künftiger Bürgermeister gewählt. Zur Auswahl stehen der aktuelle Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) und seine Stellvertreterin, Vizebürgermeisterin Birgit Hebein für die Grünen. Die ÖVP kandidiert mit ihrem Spitzenkandidaten Gernot Blümel (ÖVP) und strebt nach der Wahl eine Regierungsbeteiligung an. Spitzenkandidat von Neos ist Christoph Wiederkehr. Für die FPÖ geht Dominik Nepp ins Rennen und HC Strache versucht es mit seiner neuen Partei Team HC Strache. Mehr zum Wahlprogramm erfahren Sie hier: www.wien.gv.at/politik/wahlen. Wen werden Sie wählen?

Wiens Bürgermeister, bis heute ausschließlich Männer, sind bis ins 13. Jahrhundert zurück bekannt. CLUB WIEN gibt einen kurzen Einblick in die Funktion des Wiener Bürgermeisteramts sowie über die Geschichte jener, die dieses Amt seit 1945 bekleidet haben.

Aufgaben von Wiens BürgermeisterIn

Seit 1921 ist Wiens Bürgermeisterin oder Bürgermeister zugleich auch Landeshauptfrau oder Landeshauptmann. Sie oder er wird vom Gemeinderat für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählt. Die Bürgermeisterin oder der Bürgermeister bleibt bis zur Neuwahl einer Nachfolgerin oder eines Nachfolgers im Amt. Sie oder er muss nicht dem Gemeinderat angehören, aber zu ihm wählbar sein. Zu ihren oder seinen Aufgaben gehören:

  • Vorständin/Vorstand des Magistrats
  • Präsidentin/Präsident des Stadtschulrats
  • beruft Gemeinderat und Stadtsenat ein
  • hat einen Sitz in allen Gemeinderatsausschüssen, Unterausschüssen und Kommissionen
  • Vorsitzende/Vorsitzender des Stadtsenats
  • erlässt mit Genehmigung des Gemeinderats die Geschäftsordnung und Geschäftseinteilung des Magistrats

Wie der Stadtsenat hat auch die Bürgermeisterin oder der Bürgermeister gewisse Notkompetenzen. Ihr oder ihm kommen überdies umfangreiche Sistierungs- und Arrogierungsrechte (§§ 92, 93 WStV) zu.

Notkompetenz

Die Bürgermeisterin oder der Bürgermeister kann Stelle eines anderen, primär zuständigen Organs entscheiden, wenn die Entscheidung dieses an sich zuständigen Organs aus wichtigen Gründen nicht abgewartet werden kann.

Arrogierungsrecht

Das bedeutet, sie oder er kann Geschäftsstücke an sich ziehen und unter ihre oder seine persönliche Verantwortung stellen.

Sistierungsrecht

Das Sistierungsrecht bedeutet, dass ein Organ den Beschluss eines anderen (Kollegial-) Organs aussetzen kann beziehungsweise muss. So ist beispielsweise die Bürgermeisterin oder der Bürgermeister zur Sistierung von Beschlüssen des Gemeinderats oder des Stadtsenats berechtigt und verpflichtet, wenn entweder großer Schaden für die Gemeinde entstehen könnte, der Beschluss gesetzwidrig ist oder das Beschlussorgan seinen gesetzlichen Wirkungsbereich überschritten hat.

 

Wiens Bürgermeister seit 1945

Im Jahr 1282 bekam Wien mit Konrad Poll seinen ersten urkundlich erwähnten Bürgermeister. Er behielt das Amt bis zu seinem Tod im Jahr 1305. Ab da bekleideten bis heute über 230 Männer das Amt von Wiens Bürgermeister. Michael Ludwig ist es seit 2018. Er ist der achte Bürgermeister Wiens seit dem Zweiten Weltkrieg.

Rudolf Prikryl, 1945, parteilos

Wenn man die kurze Amtszeit Rudolf Prikryls in der Liste von Wiens Bürgermeistern berücksichtigt, dann gab es seit 1945 bereits neun Wiener Bürgermeister. Rudolf Prikryl, der "Drei-Tage-Bürgermeister", war der erste Wiener Bürgermeister der Zweiten Republik. Von 13. bis 16. April wurde er von russischen Soldaten provisorisch für das Amt des Bürgermeisters eingesetzt. Er übergab das Amt aber bereits am 17. April an den Sozialdemokraten Theodor Körner.

Theodor Körner (1873-1957), Amtszeit: 1945 bis 1951, SPÖ

Abgesehen von Rudol Prikryl regierten Wien seit 1945 ausschließlich sozialdemokratische Bürgermeister.

Der erste sozialdemokratische Bürgermeister war Theodor Körner, der am 17. April 1945 das Amt des Bürgermeisters übernahm. Bei seinem Amtsantritt war er bereits 73 Jahre alt. Offiziell gewählt wurde er erst am 14. Februar 1946. Im Kampf um die Wiedererlangung der Souveränität und Freiheit Österreichs konnte Körner seine langjährigen militärischen Erfahrungen und seine Russischkenntnisse hervorragend einsetzen. Als 1950 der amtierende Bundespräsident Karl Renner verstarb, ging im Jahr darauf Theodor Körner aus der Stichwahl am 27. Mai als der erste von der Bevölkerung gewählte Bundespräsident Österreichs hervor. Das Amt bekleidete er bis 1953.

Franz Jonas (1899-1974), Amtszeit: 1951 bis 1965, SPÖ

Der gelernte Schriftsetzer und Buchdrucker war bis zu seinem Amtsantritt Bezirksvorsteher von Floridsdorf und Stadtrat für Ernährungsangelegenheiten. Nach der Wahl von Bürgermeister Theodor Körner zum Bundespräsidenten wurde er 1951 zum Bürgermeister und damit auch zum Landeshauptmann von Wien.

Er war 14 Jahre lang Wiener Bürgermeister und schlug für die SPÖ drei Wahlen. Zugleich war er Präsident des Österreichischen Städtebunds. 1965 wechselte Jonas vom Rathaus in die Hofburg.

Bruno Marek (1900-1991), Amtszeit: 1965 bis 1970, SPÖ

Bruno Marek, Sohn eines Schneidermeisters, kam aus einem eher bürgerlichen Familienhaus. 1918 trat er der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei bei und war ab 1924 Funktionär der Bezirksorganisation Mariahilf. 1945 wurde er von der wieder sozialdemokratischen Stadtverwaltung zum Messedirektor bestellt und blieb dies bis zu seiner Wahl zum Bürgermeister 1965. Er wurde Bezirksobmann der SPÖ Mariahilf und Mitglied des Wiener Gemeinderats und Landtags. 1949 wurde er zum ersten Präsidenten des Wiener Landtags gewählt.

Er war wegen seines bürgerlichen und jovialen Auftretens bei der Bevölkerung sehr beliebt. Seiner Verantwortung oblag die Errichtung der Wiener U-Bahn und der UNO-City. Volksnahe Projekte wie die Neue Donau mit der Donauinsel oder die Anlage zum Skifahren auf der Hohe-Wand-Wiese entstanden in seiner Amtsperiode. 1970 trat Bruno Marek aufgrund seines Alters von seinem Amt als Wiener Bürgermeister zurück.

Felix Slavik, (1912-1980), Amtszeit: 1970 bis 1973, SPÖ

Wenn er auch eine etwas längere Amtszeit als Prikryl hatte, ist Felix Slavik als der "Kurzzeit-Bürgermeister" der Nachkriegszeit bekannt. Der gelernte Feinmechaniker war bereits in der Sozialistischen Jugend tätig. 1945 wurde er Wiener Stadtrat für das Wohnungswesen, dann Mitglied des Bundesrats, Abgeordneter des Nationalrats, Finanzstadtrat und Vizebürgermeister von Wien, bis er 1970 zum Bürgermeister gewählt wurde. Slavik setzte sich bereits in den Fünfzigerjahren gegen den Bau der Wiener U-Bahn und die Errichtung der Gürtel- und Donaukanalautobahn und für eine Verbauung des Sternwarteparks in Währing ein. Seine Amtszeit dauerte nur knapp drei Jahre. Nach einer missglückten Volksbefragung zur Verbauung des Sternwarteparks trat er 1973 als Bürgermeister zurück. 57 Prozent stimmten bei der ersten Volksbefragung mit "Nein".

Leopold Gratz (1929-2006), Amtszeit: 1973 bis 1984, SPÖ

Der Jurist Leopold Gratz startete seine politische Karriere bereits während seines Jus-Studiums bei den sozialkritischen Studentinnen und Studenten. Neben Heinz Fischer, Hannes Androsch und Karl Blecha gehörte er dem engsten Kreis um Bruno Kreisky an. Er war 1970 und 1971 Bundesminister für Unterricht und Kunst und von 1971 bis 1973 Klubobmann der SPÖ.

Nachdem die Wiener SPÖ unter dem Kurzzeit-Bürgermeister Felix Slavik in eine Krise geraten war, versuchte die Partei, mit Leopold Gratz wieder nach vorne zu kommen, und unterstütze ihn bei seinem Wahlkampf. Mit Erfolg: 1973 wurde Leopold Gratz mit überragender Mehrheit zum Bürgermeister Wiens gewählt. Unter ihm wurden die zuvor begonnenen baulichen Projekte in der Stadt wie die UNO-City und die Verfügbarkeit der Donauinsel als Erholungsgebiet fertiggestellt. Die ersten Züge der U-Bahnen nahmen ihre Fahrten auf, die Kärntner Straße wurde zur Fußgängerzone.

Doch auch in der glorreichen Amtsperiode von Gratz gab es ein paar Rückschläge: 1976 stürzte die Reichsbrücke ein, der Bauring-Skandal schlug medial große Wellen und auch der AKH-Skandal erregte großes Aufsehen. 1984 wurde Leopold Gratz von Helmut Zilk abgelöst.

Helmut Zilk (1927-2008), Amtszeit: 1984 bis 1994, SPÖ

Der ehemalige Lehrer Helmut Zilk stand bereits ab 1955 in der Öffentlichkeit. Als promovierter Pädagoge übte er zunächst den Lehrerberuf aus, sattelte aber bald auf eine Mitarbeit beim ORF um. Legendär ist seine Sendung "Was könnte ich werden?", in der Schülerinnen und Schülern verschiedene Berufsbilder vorgestellt wurden.

Unter ORF-Generalintendant Gerd Bacher war Zilk von 1967 bis 1974 Programmdirektor des Österreichischen Rundfunks. Breite Popularität gewann er durch seine TV-Serie "In eigener Sache", die von 1972 bis 1979 ausgestrahlt wurde, und durch seine Ehe mit der populären Schauspielerin und Sängerin Dagmar Koller. Als Gerd Bacher im Zuge der von der SPÖ initiierten zweiten österreichischen Rundfunkreform 1974 sein Amt aufgeben musste, trat auch Helmut Zilk als Angestellter aus den ORF aus. Bis 1979 betätigte er sich als Ombudsman der Kronen-Zeitung und wechselte schließlich als Quereinsteiger in die Politik.

Unter Bürgermeister Leopold Gratz war Helmut Zilk von 1979 bis 1983 Stadtrat für Kultur und Bürgerdienst und anschließend von 1983 bis 1984 Bundesminister für Unterricht und Kunst. Als Alt-Bürgermeister Gratz das Amt des Außenministers übernahm, kandidierte Helmut Zilk 1984 für das Amt des neuen Wiener Bürgermeisters und Landeshauptmanns von Wien, dass er bis 1994 bekleidete.

Am 5. Dezember 1993 wurde Zilk bei einem Briefbombenattentat schwer an der Hand verletzt. Ein Jahr später übergab er das Bürgermeisteramt an Michael Häupl.

Michael Häupl, Amtszeit: 1994 bis 2018, SPÖ

Von 1975 bis 1983 arbeitete Häupl als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Naturhistorischen Museum. Von 1975 bis 1977 war er Bundesvorsitzender des Verbands Sozialistischer Studenten Österreichs. 1978 bis 1984 hatte er diverse Funktionen in der Jungen Generation der SPÖ inne. 1982 wurde er zum Vorsitzenden der JG Wien gewählt und in den Wiener Landesparteivorstand kooptiert.

Von 1983 bis 1988 war Michael Häupl Abgeordneter zum Wiener Landtag und Mitglied des Wiener Gemeinderats, von 1988 bis 1994 Amtsführender Stadtrat für Umwelt und Sport. 1993 wurde Häupl Landesparteivorsitzender der Wiener SPÖ und am 7. November 1994 als Nachfolger Helmut Zilks Bürgermeister und Landeshauptmann der Stadt Wien. Michael Häupl ist auch Stellvertretender Bundesvorsitzender der SPÖ.

Anfang 2018 trat Michael Häupl von der Funktion als Vorsitzender der SPÖ Wien zurück. Zu seinem Nachfolger wurde Michael Ludwig gewählt, dem er am 24. Mai 2018 auch das Amt des Bürgermeisters und Landeshauptmanns von Wien übergab.

Michael Häupl war damit der am längsten amtierende Bürgermeister Wiens der Zweiten Republik.

Michael Ludwig, Amtszeit: seit 2018, SPÖ

Die politische Karriere des studierten Politikwissenschafters und Historikers begann 1991, als er Bildungssekretär der SPÖ in Wien wurde. Anschließend bekleidete er 1994 das Amt des Bezirksrats in Floridsdorf und von 1996 bis 1999 war er Mitglied des Bundesrats, wo er dann 1999 Abgeordneter zum Wiener Landtag und Mitglied des Gemeinderats wurde.

Im Januar 2007 trat Michael Ludwig als amtsführender Stadtrat für Wohnen, Wohnbau und Stadterneuerung die Nachfolge von Werner Faymann an. In dieser Funktion setzte er unter anderem Initiativen um, die auf die Stärkung des gemeinschaftlichen Wohnens abzielten, wie etwa "wohnpartner", "wohnpartner unterwegs" oder das Modell des modernen Wiener Hausbesorgers. Ein weiteres Herzensprojekt ist das Wiener SMART-Wohnbauprogramm, bei dem es um kostengünstiges Wohnen geht.

Bei einem außerordentlichen Landesparteitag der SPÖ Wien am 27. Januar 2018 wurde Michael Ludwig mit 57 Prozent der Delegiertenstimmen (sein Gegenkandidat Andreas Schieder erhielt 43 Prozent) zum neuen Vorsitzenden der Wiener Partei gewählt. Am 24. Mai 2018 übernahm Ludwig als Nachfolger Michael Häupls das Amt des Wiener Bürgermeisters und Landeshauptmanns von Wien.

Wer wird Wiens neue Bürgermeisterin oder neuer Bürgermeister? Entscheiden Sie mit und gehen Sie am 11. Oktober wählen! Alle Infos zur Wien-Wahl 2020 finden Sie hier.