Katharina Seidler und Nino Mandl sind das Kuratorinnenteam für das diesjährige Popfest. © Yavuz Odabas

Sound of Popfest 2018 - die junge österreichische Popgeneration

Den Sound des Popfests wird es auch heuer wieder am Wiener Karlsplatz zu hören geben. Das Festival für innovative heimische Popmusik findet bereits zum 9. Mal statt. In diesem Jahr kuratiert von Musikjournalistin Katharina Seidler und Musiker Nino Mandl.

Von 26. bis 29. Juli kommt es am Kunstplatz Karlsplatz erneut zu einem Zusammentreffen österreichischer Musikerinnen und Musiker. Das diesjährige Popfest erstreckt sich auf insgesamt neun Spielstätten. Über sechzig Acts wie Naked Lunch, Kreiml & Samurai, Kreisky und Lukas Lauermann bespielen die Open-Air-Bühne, den Prechtlsaal, den Kuppelsaal, das Wien Museum und die Karlskirche. Alle Acts und Bühnen finden Sie hier.

Die Eröffnung des Popfests findet in diesem Jahr nicht wie gewohnt auf der "Seebühne" vor der Karlskirche statt. Zu Ehren des kürzlich verstorbenen Drahdiwaberl-Kapellmeisters Stefan Weber wird das Fest heuer im Stadtkino eröffnet, wo ein Film über den legendären Musiker gezeigt wird. Erstmalig kommt es am Popfest auch zu einem Zusammentreffen von Lyrik und Musik. So kann man im Karlsgarten und im Theater Künstlerinnen und Künstlern wie Stefanie Sargnagel, Clemens Denk oder Verena Dürr beim Talk über heimische Popmusik zuhören. Mit dabei ist auch der Wiener Beschwerdechor, der zwischen den Lesungen performen wird.

Aufgestellt wurde das diesjährige Programm von Musikjournalistin Katharina Seidler und Musiker Nino Mandl, bekannt als "Der Nino aus Wien". Was ist neu, was hat sich getan? CLUB WIEN fragte nach und traf sich mit Katharina Seidler zum Interview.

CLUB WIEN: Wie gefällt Ihnen die Rolle als Kuratorin am diesjährigen Popfest?
Katharina Seidler:
Es war extrem anstrengend und extrem bereichernd.

Neues Jahr, neues Team und neues Konzept: Was hat sich in diesem Jahr zum Vorjahr verändert? Was ist neu dazugekommen?
Wir haben ein paar neue Locations dabei, etwa das Kino im Künstlerhaus, wo als Voreröffnung des Popfests ein Tribut an Stefan Weber stattfindet. Weiters gibt es im Theater Akzent am Samstagabend zwei sehr spezielle Konzerte sowie den Karlsgarten vor dem "Heuer", wo wir mit Musik und Lesungen an der Schnittstelle von Lyrik und Lyrics einen Schwerpunkt gesetzt haben.

Wie war die Zusammenarbeit mit Ihrem Kollegen Nino Mandl?
Wir waren ein gutes Team, haben uns musikalisch wie persönlich gut verstanden. Wir haben auch alles gemeinsam entschieden, nach Möglichkeit auch alle Konzerte zusammen besucht und uns über jeden einzelnen Act im Line-up geeinigt.

Das diesjährige Programm ist sehr bunt und vielseitig und es wird eine Vielzahl toller heimischer Musikerinnen und Musiker geben. Vor welchen Herausforderungen standen Sie beim Booking?
Es war gar nicht so einfach, sich bei der Auswahl einzuschränken. Obwohl das Programm eh sehr umfassend ist, hätten wir genügend coole Musikerinnen und Musiker für ein zweites Festival beisammen gehabt. Die meisten, die wir fragten, haben sich gefreut und waren gleich dabei, sofern sie Zeit hatten.

Was für Musik hören Sie privat?
Wirklich alles, auch jobbedingt und weil es mich interessiert, von Beethoven-Klaviersonaten bis Techno, Singer-Songwriter oder Pop.

Sie sind unter anderem in der Sendung "Im Sumpf" für die Rubrik "Die Unordnung der Dinge" zuständig, haben eine eigene Kolumne im Falter und beschäftigen sich generell seit Jahren mit elektronischer Musik. Inwieweit nehmen Ihre Arbeit als Musikjournalistin aber auch Ihr persönlicher Musikgeschmack Einfluss auf das diesjährige Musikprogramm? In welchem Bereich ist dies besonders spürbar?
Natürlich hat sich unser jeweiliger persönlicher Musikgeschmack im Programm niedergeschlagen. Es ist aber nicht so, dass Nino beispielsweise für alle Songwriterinnen und -writer im Programm verantwortlich ist und ich für alle Musikerinnen und Musiker aus dem elektronischen Bereich. Wir sind beide sehr offen und waren gemeinsam im Technoclub genauso wie im Tschocherl, um Konzerte zu hören. Man bucht ein so großes öffentliches Festival aber nicht rein nach eigenen Vorlieben. Vielmehr ging es darum, Acts auszuwählen, von denen wir fest glauben, dass sie andere Menschen genauso begeistern werden wie uns. Natürlich freue ich mich, ein paar meiner langjährigen Lieblinge aus der "Sumpf"-Welt wie Jung an Tagen, Farce, Battle-Ax, Tony Renaissance und Sea Urchin mit dabei zu haben.

Das Kuratieren ist für Sie nicht neu, neben dem Popfest haben Sie bereits 2016 das Electric Spring kuratiert. Welchen Herausforderungen standen Sie diesmal gegenüber?
Beim Popfest wurde allgemein mehr Rücksprache gehalten, natürlich mit Nino, aber auch mit einem größeren Team, was produktionstechnische Belange oder Ähnliches betraf. Inhaltlich habe ich das Electric Spring damals als noch etwas freiere Spielwiese begriffen, während das Publikum beim Popfest noch einmal sehr viel breiter aufgestellt ist. Das behält man beim Programm-Gestalten natürlich im Hinterkopf.

Auf was oder wen freuen Sie sich dieses Jahr besonders? Gibt es eine Lieblingsband, einen Lieblingsact auf Ihrem Programm?
Tatsächlich würde ich mich beim Popfest natürlich am liebsten aufteilen, um kein einziges der Konzerte zu verpassen. Um aber etwas auszuwählen: Ich freue mich zum Beispiel sehr, dass wir auch am Abschlusstag mit der neuen Lyrik-Bühne, den Konzerten des Beschwerdechors und von Okma, Christian Polster und Relups sowie dem Programm im Wien Museum und in der Karlskirche noch ein paar ordentliche Highlights dabeihaben. Herausstreichen möchte ich hierbei die großartige Zusammenarbeit mit dem Verein Pro21.

Würden Sie das Popfest nächstes Jahr wieder kuratieren?
Ja. Auf dem Wissen aus diesem Jahr könnte man sicher gut aufbauen. Aber das ist ja nicht das Konzept des Popfests.