Ab Mitte Mai öffnen wieder die ersten Museen. Auch in der Kunsthalle gilt im Rahmen der Ausstellung "… von Brot, Wein, Autos, Sicherheit und Frieden": Maskenpflicht und Abstand halten. © Kunsthalle Wien 2020, Foto: Jorit Aust: Marina Naprushkina, red moabit, 2013 - 2019, Courtesy die Künstlerin

 

Zurück ins Museum

Endlich ist es so weit: Nach und nach öffnen die Wiener Museen ihre Pforten. Was sich dabei alles geändert hat und was Gäste neuerdings beachten müssen: CLUB WIEN hat sich schlau gemacht und nachgefragt, wie es um die Zukunft der Museen bestellt ist.

Dichtes Gedränge in den zu den Publikumsmagneten zählenden Ausstellungen gehört der Vergangenheit an. Ab Mitte März waren Museumsbesuche aufgrund der Corona-Krise nur noch virtuell möglich. Nun öffnen die Wiener Museen wieder nach und nach, wenn auch unter anderen Vorzeichen. Um die Ansteckungsgefahr so gering wie möglich zu halten und Sicherheit für Gäste und Personal gleichermaßen zu gewährleisten, wurden einige Maßnahmen getroffen.

Pro Gast zehn Quadratmeter

Wie auch in Supermärkten und anderen Geschäften ist Mund-Nasen-Schutz Pflicht. Darüber hinaus müssen die Besucherinnen und Besucher einen Meter Abstand zueinander halten. Außerdem müssen pro Gast zehn Quadratmeter zur Verfügung stehen. Das ist allerdings weniger streng auszulegen, als auf den ersten Blick scheint: Wenn ein Haus etwa 5.000 Quadratmeter aufweist, können sich 500 Besucherinnen und Besucher gleichzeitig darin aufhalten. Dazu zählen allerdings neben den Ausstellungsräumen Gänge, Stiegen und Museumsshops. Solange der Sicherheitsabstand von einem Meter gewahrt wird, gilt die Zehn-Quadratmeter-Regel also nicht für einen einzelnen Ausstellungsraum.

Die Regeln gelten übrigens auch fürs Personal. Führungen und Workshops können ebenfalls durchgeführt werden - mit jeweils bis zu zehn Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Dabei muss niemand Sorge haben, zu kurz zu kommen: Man kann sich so lange im Museum aufhalten, wie man will. Auch Zeitslots müssen nicht vorgebucht werden. Dadurch kann es natürlich auch zu Wartezeiten kommen.

 

Wien Museum im Umbau

Eines der großen Wiener Museen ist das Wien Museum, das sich derzeit allerdings im Umbau befindet. Seine Nebenstellen, das MUSA in der Felderstraße sowie die Hermesvilla im Lainzer Tiergarten, öffnen ihre Pforten am 29. Mai, dem Freitag vor Pfingsten. "Beide Standorte werden allen Hygiene- und Schutzbestimmungen entsprechend bestens für unsere Besucherinnen und Besucher vorbereitet", so Konstanze Schäfer vom Wien Museum. "Dazu wurden Kassabereiche mit Plexiglaswänden ausgestattet, Desinfektion und Masken stehen zur Verfügung. Unser Aufsichtspersonal trägt Sorge, dass die zulässige Anzahl an Gästen eingehalten wird."

Im MUSA wird die erst im Februar gestartete und dann unsanft unterbrochene Ausstellung "Richard Neutra. Wohnhäuser für Kalifornien" zu sehen sein. Die Startgalerie und die Artothek im MUSA bleiben bis auf Weiteres geschlossen. In der Hermesvilla wird die Dauerausstellung "Sisis Schloss der Träume" gezeigt. Dass man wieder aufsperren darf, sorgt zwar für Erleichterung, Herausforderungen gibt es dennoch: "Das Wien Museum und seine Zweigstellen werden zu rund 20 Prozent von internationalen Touristinnen und Touristen besucht. Weitere rund 20 Prozent der Besucherinnen und Besucher sind Schulklassen, die zurzeit auch wegfallen. 60 Prozent sind Einzelbesucherinnen und -besucher aus Wien und Österreich, viele davon 65 plus, also aus einer sogenannten Risikogruppe."

Sammlungsprojekt "Corona in Wien"

Die derzeitige Situation hat bereits zu einem virtuellen Projekt geführt. Bei "Corona in Wien", einem Sammlungsprojekt zur Stadtgeschichte, wurden die Wienerinnen und Wiener dazu aufgefordert, Fotos von Dingen zu schicken, die ihren neuen privaten oder beruflichen Alltag in Zeiten von Corona begleiten. "'Corona in Wien' soll auch ein Thema der neuen Dauerausstellung im Wien Museum Neu werden. Derzeit wird das Haupthaus am Karlsplatz aufwendig saniert und umgebaut. In drei Jahren eröffnet dort ein Stadtmuseum, das die Geschichte Wiens neu erzählt."

So viel zahlen, wie man möchte

Ebenfalls wieder in Betrieb geht am 29. Mai die Kunsthalle Wien mit der nun verlängerten Ausstellung "… von Brot, Wein, Autos, Sicherheit und Frieden". Eine Besonderheit gibt es über das gesamte Pfingstwochenende. Dann gilt nämlich in puncto Eintritt: Pay as you wish, man kann also so viel zahlen, wie man möchte. Diese Aktion gilt auch im Architekturzentrum Wien (Az W) und im Kunsthistorischen Museum (KHM). Im Az W werden mit "Vorarlberg - Ein Generationendialog" und "Österreichbild - Schaufenster zum Hof" gleich zwei Sonderausstellungen gezeigt. Im KHM sind es ebenfalls zwei Sonderschauen, die locken: "Böse Kaiser - Eine Ausstellung des Münzkabinetts" und anlässlich des Beethoven-Jahres "Beethoven bewegt".

Das Haus gegenüber des Kunsthistorischen Museums am Maria-Theresien-Platz öffnet lediglich einen Teil seiner Bestände. Das obere Stockwerk des Naturhistorischen Museums bleibt geschlossen. Dafür muss statt des regulären Eintrittspreises von 12 Euro nur ein vergünstigter von 7 Euro bezahlt werden. Die Sonderausstellung "Der Mond. Sehnsucht, Kunst und Wissenschaft" bleibt jedenfalls zugänglich. Ebenfalls am Pfingstwochenende eröffnet das Kunst Haus Wien und heißt sein Besucherinnen und Besucher in den Ausstellungsräumen, im Museumsshop und im Café willkommen. Dort weiterhin bis Mitte August zu sehen: "Alec Soth - Photography is a language".

Hedy Lamarr, Mozart und Beethoven

Der 31. Mai ist zudem im Jüdischen Museum das Datum der Wiedereröffnung. Aufgrund der großen Nachfrage konnte die Ausstellung über die Familie Ephrussi und den berühmten "Hasen mit den Bernsteinaugen" verlängert werden. Im Museum Judenplatz wird die Ausstellung "Lady Bluetooth. Hedy Lamarr" über die Hollywoodschauspielerin und geniale Erfinderin Hedy Lamarr präsentiert. Ein verschwundenes Juwel der Wiener Stadtgeschichte, das Café Palmhof, kann mit "Wir bitten zum Tanz. Der Wiener Cafetier Otto Pollak" im Extrazimmer des Museums in der Dorotheergasse entdeckt werden. Der Museumsshop Gottfried & Söhne und das Café Eskeles sind ebenfalls ab 31. Mai wieder in Betrieb.

Ganz im Zeichen des Beethovenjahres steht das Haus der Musik. Neben den übrigen Attraktionen lockt das Klangmuseum mit einer Sonderausstellung anlässlich des 200. Geburtstags des Komponisten. Auch hier werden die Tore am 31. Mai wieder aufgesperrt. Im Mozarthaus dreht sich naturgemäß alles um Wolfgang Amadeus Mozart. Eine Sonderausstellung widmet sich allerdings der "Trias der Wiener Klassik: Haydn - Mozart - Beethoven".

Ein Jubiläum und Wiedereröffnung in Etappen

Der Waschsalon im Karl-Marx-Hof meldet sich mit zwei Sonderausstellungen zurück und begeht gleichzeitig sein Zehn-Jahre-Jubiläum. Achtung: Die Anzahl an Besucherinnen und Besuchern ist aufgrund der Ausstellungsfläche auf 30 Personen zeitgleich beschränkt.

Das Belvedere geht in mehreren Etappen wieder in Betrieb. Das Untere Belvedere lädt bereits seit 15. Mai in die Schau "Into The Night - Die Avantgarde im Nachtcafé". Das Belvedere 21 folgt am 1. Juni, also dem Pfingstmontag. Die Ausstellung zu Herbert Brandls Schaffen, "Exposed to Painting", wurde bis 26. Oktober 2020 verlängert. Außerdem noch zu sehen: Werke von Eva Grubinger in der Ausstellung "Malady of the Infinite". Erst am 1. Juli besuchen kann man das Obere Belvedere. Hier werden Sonderausstellungen zum Meister von Mondsee und zu Renate Bertlmann gezeigt.

Die Albertina öffnet mit 27. Mai ihre beiden Standorte. "The Beginning. Kunst in Österreich 1945 bis 1980" wird in der Albertina modern am Karlsplatz geboten. Am Albertinaplatz wartet die Albertina mit Schauen zu Wilhelm Leibl und Michael Horowitz auf. Geglänzt wird zudem mit den Sonderausstellungen "Warhol bis Richter" aus den Sammlungen der Albertina und "Von Dürer bis Bruegel" mit frühen Radierungen.