Gemeinsam weiser statt alleine älter werden

Im Zuge der diesjährigen Wiener Integrationswoche wird der MigAward an außergewöhnliche Persönlichkeiten, Initiativen und Projekte verliehen. CLUB WIEN besuchte das nominierte Projekt "WisR", ein Start-up, das Generationen zusammenbringt.

Wien ist Vielfalt: Von 17. bis 29. April 2018 findet in Wien bereits zum achten Mal die Integrationswoche statt. Mit über 300 Veranstaltungen und 100 Kooperationspartnerinnen und -partnern werden Besucherinnen und Besucher eingeladen, gemeinsam Vielfältigkeit zu feiern. Die Magistratsabteilung für Integrations- und Diversitätsangelegenheiten (MA 17) ist seit Beginn Kooperationspartner der Integrationswoche und auch dieses Jahr aktiv dabei. "Die MA 17 wird auch heuer wieder an der Eröffnungsfeier und der Übergabe der Preise beteiligt sein. Außerdem wird es eine Reihe von Bildungsveranstaltungen wie etwa die Seminarabende zu 'Transkultureller Kompetenz', zur 'Tschetschenischen Community in Wien' oder zum 'Asylrecht in Österreich' geben", erzählt Dr. Ursula Struppe, Leiterin der Magistratsabteilung für Integrations- und Diversitätsangelegenheiten (MA 17).

MigAward 2018

Im Zuge der Integrationswoche wird der MigAward verliehen: eine Auszeichnung, die verschiedene Projekte, Initiativen und Persönlichkeiten ehrt, die Integration und Partizipation der Migrantinnen und Migranten in Österreich fördern. "Der MigAward holt Projekte und Personen in den Vordergrund, die Tag für Tag und abseits des Scheinwerferlichts wichtige Arbeit für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft leisten. Es ist sehr wichtig, unserer Gesellschaft zu zeigen, wie viel Positives und Zukunftsweisendes in unserer Stadt passiert", erzählt Dr. Struppe.

Das Besondere, das diesen Award so einzigartig macht, ist, dass er ausschließlich von Migrantinnen und Migranten vergeben wird. In den letzten Wochen hat sich hierfür eine Fachjury aus Expertinnen und Experten im Bereich der Migration zusammengesetzt und sich für die drei besten Einreichungen in sieben Kategorien entschieden. Anschließend vergibt die MigAward-Jury, bestehend aus 400 Mitgliedern, die ersten drei Plätze pro Kategorie. Mitmachen kann jede und jeder mit Migrationshintergrund. Wahlberechtigt sind alle Migrantinnen und Migranten in Österreich, die sich als Jurymitglied über die Homepage der Integrationswoche 2018 angemeldet haben.  

Am 17. April 2018 werden die ersten drei Plätze aus den Kategorien "Persönlichkeit des Jahres", "Projekt des Jahres", "Bildung Soziales", "Wirtschaft und Arbeit", "Medien", "LGBTIQ - Sexuelle Orientierung" sowie "Sackgasse" durch die MigAward-Jury vergeben. CLUB WIEN besuchte Klaudia Bachinger, Gründerin des Projekts "WisR" und sprach mit ihr über ihre Onlineplattform und wie wichtig es ist, Generationen zusammenzubringen. Ihr Start-up wurde in der Kategorie "Wirtschaft und Arbeit" nominiert.

WisR: Nicht älter, sondern weiser

Die Pension ist da und was nun? Der Übergang von der Arbeitswelt in den Ruhestand ist für viele Menschen einer der gravierendsten Einschnitte in ihrem Leben. Denn allzu oft bringt die neu gewonnene Freizeit keine Freude, sondern wird schnell zur seelischen Belastung. "Viele Menschen vereinsamen, weil sie in ihrer Pension keine sozialen Kontakte mehr haben", erzählt Klaudia Bachinger. "In den ersten paar Jahren reist man vielleicht viel, aber auch das wird mit der Zeit teuer oder mühsam. Wenn man dazu keine Familie hat, was macht man dann mit seiner Zeit? Viele Menschen vereinsamen und werden depressiv."

Doch soziale Isolation und Alterseinsamkeit kann verhindert werden. Klaudia Bachinger gründete mit ihrer Kollegin Carina Roth und ihrem Kollegen Martin Melcher das Unternehmen WisR. WisR ist eine Onlineplattform, auf der motivierte Silver Agers ihr Erfahrungswissen Unternehmen für projektbasierte, saisonale sowie Teilzeitjobs anbieten können. "Silver Agers sind Menschen kurz vor oder nach dem offiziellen Pensionsantrittsalter", erklärt Klaudia.

Wie funktioniert WisR?

Über die Onlineplattform können sich Silver Agers und Unternehmen anmelden. "Die Silver Agers schicken uns ihre Lebensläufe und ihre Qualifikationen. Die eingesendeten Lebensläufe kommen vorerst alle noch zu mir. Ich schaue sie durch und gebe sie je nach Qualifikation und Berufsfeld an das passende Unternehmen weiter. Die Unternehmen melden sich dann anschließend bei den Silver Agern", so Klaudia.

Was steckt hinter WisR?

Klaudia gründete WisR vor eineinhalb Jahren. Mit Alterseinsamkeit beschäftigt sich die Dokumentarfilmerin aber bereits seit Längerem. "Meine Großmutter kämpfte selbst mit Alterseinsamkeit. Durch und für sie bin ich auf die Idee von WisR gekommen." Deshalb ist WisR für Klaudia auch eine Herzensangelegenheit. Mit der Onlineplattform will sie älteren Menschen helfen, den Schritt aus der Isolation zurück in die Gesellschaft zu wagen. Gleichzeitig will sie jungen Unternehmen zeigen, dass ältere Menschen dank ihrer Erfahrungen eine Bereicherung für jedes erfolgreiche Unternehmen sind. 

Dass diese Idee funktioniert, beweisen die vielen Anfragen, die bereits kurze Zeit nach der Onlinestellung der Plattform bei Klaudia eingetroffen sind. "Wir haben sehr viele Anfragen, die ich momentan alle per Mail oder persönlich bekomme und bearbeite. Das reicht von den Supermarktketten Resch&Frisch und Billa über den Baumarkt Hornbach und die Österreichischen Bundesbahnen bis hin zu kleineren Betrieben", so Klaudia. "Das Feedback ist super. Viele zukunftsorientierte Unternehmen begrüßen die Idee. Gesucht werden vor allem Buchhalterinnen und Buchhalter, aber auch Bürokräfte in Anwaltskanzleien oder für Steuerberaterinnen und -berater."

WisR beim MigAward

"Wir haben uns über die Nominierung sehr gefreut und sehen darin vor allem die Chance, unsere Plattform bekannter und unsere Reichweite größer zu machen." Wenn man Klaudia nach ihren Erwartungen für die Zukunft fragt, erzählt sie: "Ich würde mir wünschen, dass es in der Gesellschaft zu einem Umdenken kommt. Es gibt schon viele zukunftsorientierte Unternehmen, die das Potenzial von erfahrenen, älteren Menschen sehen, aber es gibt noch immer viele Unternehmen, die sagen: Nein, alte Menschen sind zu langsam und kennen sich mit der heutigen Technik nicht aus. Genau da würde ich mir ein Umdenken wünschen, sodass Menschen nicht nur das Alter, sondern auch die Erfahrung und das Wissen, das Silver Agers mit sich bringen, sehen."