Die neuen Haltestellen der Wiener Linien in der Signalfarbe Rot mit gut sichtbarem Überkopfanzeiger und digitalem Bildschirm, dem sogenannten E-Paper. © Wiener Linien/Alexandra Gritsevskaja

 

Barrierefreies Warten mit digitalen Infos

Schon gesehen? Die Wiener Linien haben an ausgesuchten Bus- und Bim-Stationen neue Haltestellen installiert, digital und barrierefrei. Der Vorteilsclub weiß, mit welchen Besonderheiten diese aufwarten.

Mehr Übersicht, mehr Information, mehr Barrierefreiheit. Das wollen die Wiener Linien ihren Fahrgästen ab sofort bieten, während diese auf Bus oder Bim warten. Verwirklicht wurde dieses Vorhaben mit einstweilen 30 neuen Haltestellen. Im Laufe der nächsten Jahre sollen alle in ganz Wien ausgetauscht werden. Zunächst wurden sie auf den Verlängerungsstrecken der Straßenbahnlinien D, O, 6 und 11 sowie zuletzt entlang der Buslinie 13A errichtet. "Diese Linien haben sich angeboten, da die Haltestellen im Zuge von anderen Projekten installiert werden konnten", erklärt Michaela Linke von den Wiener Linien.

Erste Überlegungen begannen mit einem Ideenwettbewerb, im Oktober 2018 wurde schließlich der erste Prototyp vorgestellt. "Digitalisierung ist auch bei den Wiener Linien ein wichtiger Innovationstreiber, wir gehen mit der Zeit", erläutert Linke die Beweggründe. "Daher entwickelten wir einen neuen Haltestellentyp, um unseren Fahrgästen auf moderne Weise ein Plus an Information und Barrierefreiheit bieten zu können."

E-Paper auf dem Stationsmasten

Was macht die neuen Haltestellen nun so besonders? Zwei Schlagworte: digital und barrierefrei. Auf dem Masten befinden sich die Liniensymbole, ein Überkopfanzeiger mit den nächsten Abfahrtszeiten sowie ein kleiner Bildschirm. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes E-Paper. Bedient wird es mit zwei Tasten, neben Echtzeitinformationen liefert es auch allgemeine Informationen. "Eine Besonderheit des E-Papers ist der Modus für Blinde und Sehbehinderte, der durch einen dreisekündigen Tastendruck aktiviert werden kann", so Linke. "Die neuen Haltestellen sind durch ihren Aufbau und die Farbe im Stadtbild eindeutig erkennbar und insbesondere für Sehbehinderte gut wahrnehmbar." Dazu später mehr.

Das E-Paper lässt zwischen vier Ansichten wechseln. Auf dem Startbildschirm findet man den unmittelbaren Umgebungsplan, die nächsten Abfahrten in Minuten, Notrufnummer und Kundentelefon. Außerdem lässt sich nach Betätigung eines der Zeiger der gesamte Linienverlauf als Route mit den Umsteigemöglichkeiten anzeigen. Der Fahrplan, wie er vom Papieraushang bereits bekannt ist, darf natürlich nicht fehlen. Und zu guter Letzt erhält man weitere Informationen, zum Beispiel über die Gültigkeit der jeweiligen Tickets.

Signalfarbe Rot

So viel zum Thema Digitalisierung. Entscheidend bei der Planung der neuen Haltestellen war auch der Aspekt Barrierefreiheit, wie Michaela Linke verrät: "Bei der Entwicklung sind die Rückmeldungen unserer Fahrgäste eingeflossen und wir haben eng mit Behindertenverbänden zusammengearbeitet." Besonders barrierefrei werden die neu gestalteten Stationen durch mehrere Merkmale. Zunächst sind die Haltestellen in Rot gehalten, eine Farbe, die auch für Sehbehinderte optimal erkennbar ist. Außerdem sind sie dank des Farbtons und ihres markanten Erscheinungsbilds mit dem Überkopfanzeiger unverwechselbar und im Stadtbild eindeutig sichtbar. Weiße Streifen an den Kanten des Mastes und der kleinen Schilder mit der Linieninformation erhöhen darüber hinaus den Kontrast und sorgen für noch mehr Sichtbarkeit. Drückt man wie oben erwähnt eine Taste des E-Papers länger als drei Sekunden, wird der Modus für blinde und sehbehinderte Personen im Zwei-Sinnes-Prinzip, also Sehen und Hören, aktiviert. Der Bildschirminhalt wird größer sowie Weiß auf Schwarz dargestellt, der Text wird vorgelesen. Name der Haltestelle und die Liniensymbole sind groß dargestellt und damit optimal lesbar. Und das E-Paper hängt auf einer Höhe, die auch vom Rollstuhl aus gut zu bedienen ist.

Unterm Strich bleibt der Eindruck: Haben die Wiener Linien bisher schon auf Digitalisierung und Barrierefreiheit Wert gelegt, so haben sie mit den neuen Haltestellen noch eines draufgesetzt. Schließlich sollen alle Fahrgäste sicher und problemlos an ihr Ziel kommen. Gute Fahrt!