Die U5 ist die U-Bahnlinie der Zukunft, eine Station könnte so aussehen. © YF Architekten und Franz&Sue

 

Wiener Linien auf der Überholspur

Das Warten einer U-Bahn-Garnitur, autonome Busse, die Technik hinter Fahrzeitanzeigen oder neuerdings Ersatzteile aus dem 3D-Drucker: Die Wiener Linien sind stets innovationsfreudig und investieren in die Zukunft.

Die Geschichte der Wiener Linien ist eine Erfolgsstory, das lässt sich auch in Zahlen belegen. 2018 konnten sie Tag für Tag 2,6 Millionen Fahrten verbuchen und über das gesamte Jahr 965,9 Millionen Fahrgäste zählen. Das ist der fünfte Anstieg in Folge. Auch die 365-Euro-Jahreskarte ist beliebter denn je, besitzen doch mittlerweile 822.000 Wienerinnen und Wiener eine. Transportiert werden all diese Menschen mit 450 Bussen, über 500 Straßenbahngarnituren und mehr als 150 U-Bahn-Zügen. Das Angebot wird dabei ständig erweitert, sei es die neue Straßenbahnlinie 11, die Rückkehr des 71ers nach Kaiserebersdorf oder die Verlängerung der Linie D um 1,1 Kilometer.

Pilgramgasse als Knotenpunkt von U2 und U4

Neben dem Entstehen einer neuen U-Bahn-Linie mit der U5 wird seit dem Spatenstich am Matzleinsdorfer Platz im Oktober 2018 auch an der Verlängerung der U2 gearbeitet. Auffällig ist dabei die Station Pilgramgasse. Hier gehen U4-Modernisierung und U2-Bau Hand in Hand. Im Herbst 2018 wurde eine fast 2.000 Quadratmeter große Arbeitsplattform über dem Wienfluss errichtet. Mit Ausnahme des denkmalgeschützten Otto-Wagner-Aufgangs wird nun die gesamte Station abgetragen und als Knotenpunkt von U2 und U4 neu errichtet.

 

Autonome Busse in der Seestadt

Erneuert werden auch die U-Bahn- und Straßenbahn-Züge. Die neueste Bim-Generation hört auf den Namen Flexity und ist bereits mit zwei Garnituren im Einsatz. Der neue U-Bahn-Wagen wurde kurz und knapp X getauft und soll Mitte 2020 den Testbetrieb aufnehmen können. Bereits in Betrieb sind zwei Busse, die quasi ohne Fahrerin oder Fahrer auskommen. Klingt wie Zukunftsmusik, ist aber Realität. Die autonomen Busse sind auf einer rund zwei Kilometer langen Teststrecke in der Seestadt unterwegs und erfreuen sich bei den Fahrgästen großer Beliebtheit. Hier werden mit Innovationsfreudigkeit und Serviceorientierung gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

Firmeninternes Know-how am Betriebsbahnhof Heiligenstadt

All das will natürlich gewartet und gepflegt werden, damit es wie am Schnürchen läuft. Im großen Maßstab passiert das für die Züge der U-Bahn-Linien U1 und U4 am Betriebsbahnhof Heiligenstadt. Das 24.000 Quadratmeter große Areal, die Maschinen und Geräte darauf sowie rund 160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorgen dafür, dass die hohe Fahrqualität der Öffis gewährleistet wird.

Alleine auf der Linie U1 sind seit der Erweiterung an Werktagen in der Früh und am späten Nachmittag 31 Züge gleichzeitig unterwegs. Die Züge dieser Linie werden schon beim Stephansplatz unterirdisch in Richtung Werkstätte weggeleitet und fahren dann über die Spittelau in den Betriebsbahnhof ein. Bei der U4 biegen die Züge direkt bei der Spittelau auf das Werkstättengleis ab. Die große Stärke des 2016 eröffneten Bahnhofs ist, dass er auf firmeninternem Know-how basiert. Sämtliche Elemente sind für die Arbeit an den U-Bahnen maßgeschneidert. Das Team kann so seinen Job mit höchstmöglicher Effizienz erledigen.

Ersatzteile aus dem 3D-Drucker

In den Werkstätten in Erdberg wiederum hat Erfindungsreichtum zum Einsatz von 3D-Druckern für Ersatzteile geführt. Viele können günstiger selbst hergestellt werden, als wenn sie zugekauft werden. Oder aber sie sind gar nicht mehr erhältlich, sodass ein komplettes Gerät wegen eines kleinen defekten Bauteils entsorgt werden müsste. Mit dem Herstellen solcher Teile mit dem 3D-Drucker leisten die Wiener Linien auch einen Beitrag zu Nachhaltigkeit und Umweltschutz.

Seinen Anfang genommen hat das alles, als 2011 mit dem Umbau von LED-Lampen in U-Bahn-Stationen begonnen wurde. "Dabei ist uns aufgefallen, dass ein Bauteil, das sehr kostenintensiv war, sehr oft benötigt wurde", erzählt Gerald Kostrubiek von den Wiener Linien, der das Projekt auch initiiert hat. "Daraufhin haben wir uns überlegt, ob wir dieses Bauteil nicht selbst günstiger und besser konstruieren können. Nach ein paar Versuchen hatten wir dann ein Teil, das statt um vier Euro gekauft, um 8 Cent produziert werden konnte." Mittlerweile konnten so über 17.000 Leuchtstoffbalken umgebaut und damit 130.000 Euro an Kosten eingespart werden. Zu diesem Zweck wurden bis dato 30.000 Bauteile gedruckt, wofür die Drucker nahezu rund um die Uhr laufen.

Fahrzeitanzeige in Echtzeit

Doch auch andere Gebiete rund um den Transport an sich bedürfen viel Technik und Know-how, um die Sicherheit, aber auch die Bequemlichkeit der Kundinnen und Kunden zu gewährleisten. Nicht missen möchten die meisten wohl die Fahrzeitanzeigen in den U-Bahn- und bei vielen Straßenbahn- und Busstationen. Hier werden Fahrziel und Dauer bis zur Ankunft des jeweiligen Verkehrsmittels angezeigt. Während des Wartens haben sich wahrscheinlich viele schon gefragt, ob dies in Echtzeit geschieht. Die knappe Antwort: Ja, das tut es. Die Informationen für die "Zugzielanzeiger", wie sie im Fachjargon heißen, entstehen während der Fahrt und werden im Normalbetrieb automatisch erstellt. Hin und wieder müssen allerdings aus betrieblichen Gründen Änderungen vorgenommen werden. Die entsprechenden Texte werden dann aus der Leitstelle an die Anzeiger gesendet. Ans Ziel kommen Sie mit den Wiener Linien auf jeden Fall - heute genauso wie morgen.