Wien investiert weiter in den öffentlichen Verkehr. So wird die Linie U2 verlängert und mit der U-Bahn- Linie U5 eine komplett neue Verbindung gebaut. © Wiener Linien/Johannes Zinner

 

Wien zündet den Konjunktur-Turbo

Die Stadt Wien investiert im heurigen Jahr 2,5 Milliarden Euro – dazu kam bereits ein 400 Millionen Euro schweres Corona-Hilfspaket für Wirtschaft, Arbeitsmarkt, Gesundheit und Soziales.

Die Wirtschaft in Österreich ist im zweiten Quartal 2020 um 14,3 Prozent eingebrochen. Das ist der stärkste Rückgang seit dem Zweiten Weltkrieg. "Die aktuellen Herausforderungen sind ein Ansporn, intelligente und zielgerichtete Investitionen zu setzen. Wir modernisieren nicht nur die technische und soziale Infrastruktur, sondern stützen damit auch ganz massiv den Arbeitsmarkt", erklärt Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke. Daseinsvorsorge und die städtische Infrastruktur: Um diese Bereiche zu stärken, hat die Stadt Wien ein Konjunkturpaket über weitere 600 Millionen Euro geschnürt. 300 Projekte werden damit bis Ende 2023 umgesetzt – zum Beispiel mehr Kindergärten, Modernisierung der Sportstätten und Bäder und noch bessere Straßen und Öffis. 360,5 Millionen Euro stellt die Stadt selbst zur Verfügung, 239,5 Millionen Euro kommen aus dem Gemeindepaket des Bundes. "Wien kämpft mit aller Kraft gegen die Krise. Damit stellen wir die Zukunft der Stadt auf ein solides Fundament", sagt Bürgermeister Michael Ludwig.

156 Millionen Euro für Bildung

So entstehen rund 100 neue Schulklassen und 30 neue Kindergartengruppen. In der Veitingergasse im 13. Bezirk wird etwa die Offene Mittelschule um sechs Klassen samt Nebenräumen, zwei Teamräume, einen neuen Speisesaal sowie Lagerräume erweitert. Im 22. und im 2. Bezirk werden ganztägig geführte Volks- und Mittelschulen errichtet. In Hernals soll ein neuer achtgruppiger Kindergarten entstehen, um im Grätzl genug Plätze für Kinder bis sechs Jahre anzubieten. Auch die Digitalisierung in den Kindergärten wird vorangetrieben: Rund 360 Einrichtungen werden mit Breitbandanschlüssen versorgt.

150 Millionen Euro für Sportstätten

Fußball, Tennis, Schwimmen, Handball: Mehr als 70 Sportanlagen werden im kommenden Jahr saniert. Neues ist ebenfalls geplant: Eine mul- tifunktionale Sporthalle für 3.000 ZuschauerInnen mit Schwerpunkt Ballsport sowie zwei Trainingshallen sollen entstehen. Außerdem wird es Investitionen in die Infrastruktur des Schwimmsports geben. Auch die städtischen Rundturnhallen werden generalsaniert. Dadurch entstehen zusätzliche Trainingsmöglichkeiten.

112 Millionen Euro für Brücken und Straßen

Bauwirtschaft und Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer profitieren von den Investitionen in Straßen und Brücken. Etwa 20 Straßenbau- und Straßensanierungsprojekte sowie zwei Brückensanierungen sind geplant. So wird die Heiligenstädter Hängebrücke komplett abgerissen und neu gebaut. Bei der Franzensbrücke wird das Brückendeck, ein Provisorium aus den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg, abgetragen und neu gebaut.

110 Millionen Euro für die Wiener Linien

Dank der günstigen Jahreskarte und verlässlichen Verbindungen sind die Öffis bei den WienerInnen beliebt. 38 Prozent ihrer Wege legten die Stadtbewohnerinnen und -bewohnern 2019 mit den Öffis zurück. Grund genug, die Infrastruktur weiter auszubauen. Geplant sind Gleiserneuerungen, der Einbau elektrischer Weichen und bauliche Maßnahmen im Straßenbahnnetz, damit man mit der Bim noch schneller ans Ziel kommt. In Siebenhirten wird zudem eine komplette E-Mobilitätsinfrastruktur aufgebaut – zum Beispiel mit einer Garage für umweltfreundliche E-Busse. Ausgebaut werden auch sogenannte "Wechselrichteranlagen", mit denen die Bremsenergie der U-Bahn-Züge in das Stromnetz eingespeist wird.

72 Millionen Euro für Pensionisten-Wohnhäuser

Gute Nachrichten gibt es für die 9.000 Bewohnerinnen und Bewohner und 4.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Wiener Pensionisten-Wohnhäuser: In 29 Häusern werden unter anderem Küchen, Haustechnik und Klimaanlagen saniert. Die Häuser Haidehof und Schmelz werden generalsaniert, elf weitere PensionistInnen-Wohnhäuser teilsaniert.

 

Starker Partner

Die Stadt wien hilft mit "Stolz auf Wien" Wiener Unternehmen, wieder in Schwung zu kommen. Die Corona-Krise setzte Wiener Traditionsunternehmen wie dem Schmuckhersteller Frey Wille, dem Café Ritter oder dem Restaurant Vestibül im Wiener Burgtheater zu. Vor allem das Ausbleiben von Touristinnen und Touristen führte zu erheblichem Umsatzrückgang. Unterstützung erhalten die Firmen nun von der "Stolz auf Wien" Beteiligungs GmbH. Diese kauft für einige Jahre Firmenanteile. So verfügen die jeweiligen Firmen wieder über mehr Eigenkapital. "Das Ziel der Beteiligung ist, Wiener Unternehmen, die kurzfristig in Schwierigkeiten sind, aber eine positive Zukunftsprognose haben, zu stabilisieren und damit Jobs zu sichern", erläutert Bürgermeister Michael Ludwig.

Höchstens sieben Jahre

"Mit dieser Initiative bestärken wir Unternehmen, die eine hohe Bedeutung für den Standort Wien haben, in ihre Zukunft zu investieren", ergänzt Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke. Er rechnet mit rund 80 Betrieben, die sich an den Fonds für eine zeitlich befristete Beteiligung der Stadt wenden. Nach sieben Jahren wird die Stadt ihre Anteile wieder zurückverkaufen.

Ausbildung ist digital

"Alle müssen in der Lehrausbildung die gleichen Chancen auf eine gute Ausbildung erhalten. Niemandem darf ein digitaler Nachteil entstehen", betont Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke. Daher stellt die Stadt Wien über den Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds (waff) 1.000 Laptops sowie Tablets für die Lehrlinge in der überbetrieblichen Ausbildung bereit.

Neue Arbeitsstelle

Die "Joboffensive 50 plus" ermöglicht weitere 100 administrative Jobs an Wiener Schulen. Sabine Anderlitschka, 51, hat über die "Joboffensive 50 plus" eine Stelle als Schulsekretärin an der Ganztagsschule Novaragasse bekommen. Die Stadt Wien und AMS Wien haben damit bereits 38 Jobs für Arbeitssuchende über 50 Jahre an Schulen geschaffen. Weitere 100 Jobs in diesem Bereich sollen nun dazukommen, um Lehrkräfte bei ihrer Büroarbeit zu entlasten. Das sieht eine neue Aktion vom AMS Wien vor, die bis 2022 läuft.

Jobchance für Junge

Derzeit beziehen in Wien rund 10.000 Personen unter 25 Jahren Mindestsicherung. Neue Perspektiven bietet ihnen eine Initiative von AMS Wien und Stadt Wien: Im U25 erhalten sie Beratung und Unterstützung. Damit soll ihnen der Weg zu einer neuen Arbeitsstelle geebnet werden. "Mit dem österreichweit einmaligen Projekt verbessern wir die Lebenschancen von Tausenden jungen Wienerinnen und Wienern und geben ihnen eine Perspektive", sagt Sozialstadtrat Peter Hacker.