Das Haus der Europäischen Union in der Wiener Innenstadt. Hier befinden sich die Vertretungen von Europäischer Kommission und Europäischem Parlament in Österreich. © Europäisches Parlament/AnnaBlau

 

Die EU und Wien in Zahlen

Wie sähe Wien aus, wenn es ein EU-Staat wäre? Wie groß ist die Stadt im EU-Vergleich? Wie viele EU-BürgerInnen leben in Wien? Wie viele pendeln täglich nach Wien? CLUB WIEN gibt Antworten in Sachen "Wien in Europa - Europa in Wien".

Vieles ist bekannt, manches liegt im Dunklen, andere Dinge sind schlicht kurios. Die Rede ist von Zahlen und Daten rund um Wien und die EU. Was die meisten wissen: In Wien leben rund 1,9 Millionen Menschen, in der EU rund 510 Millionen. Wien hat 23 Bezirke, die EU 28 Mitgliedsstaaten. Und sonst? Abhilfe gegen den Wissensdurst schafft die Abteilung Wirtschaft, Arbeit und Statistik der Stadt, die seit einem guten Vierteljahrhundert alljährlich die Broschüre "Wien in Zahlen" veröffentlicht. Anlässlich der bevorstehenden EU-Wahl hat man hier Sonderschichten eingelegt und allerlei Zahlen zusammengetragen, um sie im Band "Wien in Europa" zu präsentieren, in gedruckter Form und online. CLUB WIEN hat ihn sich zu Gemüte geführt und ein paar zusätzliche Informationen besorgt.

Seit 1995 ist die Bevölkerung Wiens um 350.000 Menschen gewachsen, was der Einwohnerinnen- und Einwohnerzahl Brünns entspricht. 240.000 Wienerinnen und Wiener stammen heute aus anderen EU-Ländern - eine Versechsfachung seit 1991. Dabei wohnen diese überdurchschnittlich häufig in den Innenbezirken der Stadt.

Sechstgrößte Stadt der Europäischen Union

Nicht aus der EU stammend, bilden mit 4,1 Prozent Menschen mit serbischer Staatsbürgerschaft die größte Gruppe zugereister Wienerinnen und Wiener. Schon gegen Ende der Monarchie 1910 stammte rund ein Drittel der Wienerinnen und Wiener nicht aus dem heutigen Österreich. 20 Prozent der Wienerinnen und Wiener kamen aus Böhmen und Mähren, acht Prozent aus dem Königreich Ungarn. Dieses setzte sich damals aus dem heutigen Burgenland, Ungarn, der Slowakei sowie Teilen von Kroatien und Rumänien zusammen. Nur ein Prozent der Bevölkerung stammte aus Deutschland.

Das ist heute freilich anders. Während mit über 70 Prozent der größte Bevölkerungsanteil, wie zu Kaisers Zeiten, aus Österreich stammt, hat sich der Anteil der deutschen Staatsbürgerinnen und -bürger mit 2,4 Prozent mehr als verdoppelt. In Summe wurden 77 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner Wiens in der EU geboren. Dabei ist Wien seit den letzten Europawahlen 2014 stärker als alle anderen EU-Millionenstädte gewachsen, und zwar um 5,7 Prozent. Wien ist die sechstgrößte Stadt der Europäischen Union nach London, Berlin, Madrid, Rom und Paris, aber vor Hamburg, Budapest oder Barcelona. Von den rund 510 Millionen Menschen innerhalb der EU leben in Wien 0,4 Prozent der EU-Bevölkerung auf lediglich 0,01 Prozent der Unionsfläche. Diese Attraktivität liegt zuletzt auch an der Lebensqualität, die in diversen Stadtrankings bescheinigt wurde und in denen Wien wiederholt den ersten Platz verbuchen konnte.

Lebenswerteste Stadt

Dass es sich in Wien zu leben lohnt, bestätigt auch Klemens Himpele, Leiter der städtischen Statistikabteilung: "Nicht nur Rankings, sondern auch Umfragen zeigen, dass die Wienerinnen und Wiener sehr gerne in Wien leben - nämlich 96 Prozent. In keiner anderen EU-Metropole sind die Stadtbewohnerinnen und -bewohner so zufrieden mit dem öffentlichen Verkehr, dem Kulturangebot, der Sauberkeit oder der Luftqualität." Das zeigt sich auch in Sachen Jobangebot: Etwa 12.000 Personen pendeln aus anderen EU-Staaten nach Wien, um hier zu arbeiten. Knapp ein Viertel der berufstätigen Wienerinnen und Wiener arbeitet dabei auch am Sonntag - das betrifft sowohl Personen aus anderen EU-Ländern als auch Österreicherinnen und Österreicher.

 

Doch natürlich kommen EU-Bürgerinnen und -Bürger nicht nur zum Arbeiten nach Wien. Auch als Reiseziel für einen Städteurlaub erfreut sich die Bundeshauptstadt stetig wachsender Beliebtheit. Seit 1994 hat sich die Zahl der Übernachtungen mehr als verdoppelt, Tendenz steigend. Ein großer Teil der Gäste kommt dabei aus anderen EU-Ländern. Gar verzehnfacht hat sich die Zahl von Besucherinnen und Besuchern aus Rumänien und Irland in diesem Zeitraum. Die Zahl der Passagierinnen und Passagiere, die vom Flughafen Wien aus in andere EU-Staaten und umgekehrt reisen, hat sich seit dem EU-Beitritt 1995 wiederum verdreifacht.

Die Art und Weise, wie EU-Bürgerinnen und -Bürger sich fortbewegen und an ihren Arbeitsplatz kommen, ist sehr unterschiedlich. In Wien wählen 73 Prozent öffentliche Verkehrsmittel, in Rom sind es beispielsweise nur 41 Prozent. Auf jede Einwohnerin beziehungsweise jeden Einwohner kommen 377 Autos. Damit ist die Pkw-Dichte Wiens eine der niedrigsten aller EU-Millionenstädte: Hamburg hält im Vergleich bei 426, Prag bei 655.

Wenn Wien ein EU-Staat wäre

Zu guter Letzt ein Gedankenexperiment: Was wäre, wenn Wien ein EU-Staat wäre? Wie würde sich die Donaumetropole als unabhängiger Stadtstaat machen? Gar nicht schlecht: Wien wäre der am dichtesten besiedelte EU-Staat, mit einer Bevölkerung, die ähnlich groß ist wie die von Lettland. Nur vier andere EU-Staaten hätten weniger Einwohnerinnen und Einwohner. Noch ein Vergleich mit Lettland: In Wien wird mehr Gemüse geerntet als in dem baltischen Staat. Zumal in Wien nicht nur mehr Gurken geerntet werden als in allen anderen österreichischen Bundesländern zusammen, sondern auch mehr als in ganz Belgien und fast so viele wie in Ungarn. Diese landen hoffentlich nicht im Müll, denn das Abfallaufkommen wäre ähnlich hoch wie in Litauen.

Gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf stünde Wien in Sachen Wohlstand auf Platz drei und noch vor den Niederlanden. Das BIP selbst, also die Wirtschaftsleistung, wäre höher als die der Slowakei. Nach der Fläche hingegen wäre Wien nach Malta der zweitkleinste EU-Staat. Und noch eine Ähnlichkeit mit Malta: Das Wiener Straßennetz wäre ähnlich lang wie jenes des Inselstaats. Dieses darf auch befahren werden: Mit 692.847 Pkw gibt es in Wien fast so viele Pkw wie in Estland.

Der Anteil an Akademikerinnen und Akademikern wäre ähnlich hoch wie in Schweden, Wissenschafterinnen und Wissenschafter hätte Wien ähnlich viele wie Irland. Auch Urlaub kann Bildung sein: Jedes Jahr übernachteten fast so viele Touristinnen und Touristen in Wien wie auf Zypern und mehr als in der gesamten Slowakei. Wien macht also auch als theoretischer Stadtstaat im EU-Vergleich eine ausgezeichnete Figur.