Mädchen zwischen elf und 16 Jahren können am 22. April in viele Wiener Betriebe hineinschnuppern und ihre beruflichen Möglichkeiten erkunden. © Getty Images

 

Wien startet große Frauenbefragung

Wien will’s wissen: Was bewegt die Frauen in der Stadt? 5.000 Wienerinnen sollen in einer Befragung über ihre Bedürfnisse Auskunft geben.

Das Leben von Christine Meier hat sich im letzten Jahr sehr verändert. Eigentlich war die alleinerziehende Mutter dreier schulpflichtiger Kinder seit 15 Jahren zufriedene Bürokraft in einem kleinen Unternehmen. Doch seit Corona bestimmen die schwächelnden Schulleistungen des Nachwuchses, Homeoffice und die Betreuung ihrer pflegebedürftigen Eltern den Alltag. Ihr Arbeitsplatz ist der Küchentisch, an dem auch die täglichen Mahlzeiten eingenommen werden. Ihre Kontakte musste Meier reduzieren, bloß mit ihrer besten Freundin plaudert sie ab und zu. Die befindet sich in einer ähnlichen Situation und hat daher selbst nur wenig Zeit. "Es gibt schwierige Tage", erzählt sie. Oft fühle sie sich ausgeliefert. Doch: Sie ist damit nicht alleine.

Mehrfachbelastung

Frauen trifft die Mehrfachbelastung durch Homeoffice und Homeschooling meist stärker als Männer. Jetzt will die Stadt Wien wissen, was Wienerinnen wie Christine Meier bewegt, welche Herausforderungen sie zu meistern haben und wie man sie am besten unterstützen kann. Dazu wird für heuer eine große Frauen-Befragung vorbereitet. Die Schwerpunkte liegen dabei in den Bereichen Bildung, Job, unbezahlte Arbeit, Alltag und Freizeit sowie bei frauenspezifischen Angeboten.

Wienerinnen gefragt

Mindestens 5.000 Wienerinnen sollen befragt werden. Zielgruppe für die Befragung sind alle Wienerinnen. Nach dem Start der Befragung folgt ein groß angelegter Beteiligungsprozess. Frauen trifft die Mehrfachbelastung durch Kinderbetreuung, Job und die Pflege von Angehörigen oft stärker als Männer. Hinzu kommen häufig Unsicherheit, Sorgen und finanzielle Probleme, die etwa durch Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit entstanden sind.

Wünsche für die Zukunft

"Corona hat das Leben der Wienerinnen verändert. Wir wollen genau wissen, wie. Daher startet die Stadt Wien eine groß angelegte Frauen-Befragung. Wir wollen nicht über, sondern mit Frauen und Mädchen sprechen. Wir wollen wissen, welche Sorgen die Wienerinnen haben, welche Wünsche für die Zukunft und was sie jetzt brauchen – um Frauen und Mädchen in Wien in Zukunft mit zielgerichteten Maßnahmen noch besser unterstützen und stärken zu können", erläutert Vizebürgermeisterin und Frauenstadträtin Kathrin Gaál. "Jetzt sind die Wienerinnen am Wort." "Frauen. Gestalten. Zukunft." – das Motto des diesjährigen Frauentags gibt die Richtung für die Umfrage vor.

Endergebnis 2022

Die Befragung wird derzeit vorbereitet, sie soll heuer starten. Das Endergebnis wird für 2022 erwartet. Daran anschließend sollen aufbauend Maßnahmen gesetzt werden. Ziel ist, jeder Frau und jedem Mädchen in Wien eine Beteiligung an der Befragung zu ermöglichen.

Frauenzentrum Wien

Übrigens: Schon jetzt steht das Frauenzentrum der Stadt Wien als Beratungsstelle und Drehscheibe allen Wienerinnen kompetent zur Seite. Ein Team aus Juristinnen, Sozialarbeiterinnen und Psychologinnen informiert und bietet Beratung – vertraulich, anonym und kostenlos.

 

Digitaler "Töchtertag"

Welche Qualifikationen braucht man als App-Entwicklerin oder wie sieht der Arbeitsalltag als Zimmereifachfrau aus? Welche Ausbildungswege gibt es und wie kann man sich bewerben? Fragen wie diesen wird seit 2002 am Wiener Töchtertag auf den Grund gegangen. Die Veranstaltung ermöglicht, dass Mädchen Berufe aus den Bereichen Technik und Digitalisierung, Handwerk und Naturwissenschaften kennenlernen.

Videos und Livechats

Coronabedingt können die Teilnehmerinnen die Unternehmen heuer nicht wie gewohnt besuchen. Stattdessen stellen sich unzählige Betriebe – etwa Wiener Linien und Berufsfeuerwehr Wien – digital im Web vor. Im An- gebot sind dabei neben den unzähligen Unternehmensprofilen unter anderem informative Kurzvideos, digitale Workshops und Livechats.