Die Ausgrabung der 1421 zerstörten Synagoge wird im Jüdischen Museum Wien erfahrbar. © Ouriel Morgensztern

 

Wien von seiner mittelalterlichen Seite

Die Geschichte Wiens ist spannend wie ein Roman. Das zeigt aktuell die Ausstellung „Unser Mittelalter! Die erste jüdische Gemeinde in Wien“ im Jüdischen Museum Wien. Wir haben ein paar Tipps für Mittelalter-Fans.

Wien war gegen Ende des Mittelalters schon eine Metropole. Mit geschätzten 20.000 bis 25.000 Einwohnerinnen und Einwohnern war die Stadt eine der größten im Heiligen Römischen Reich. Nur wenige andere, etwa Köln oder Nürnberg, konnten das toppen. Für die Stadt war das Mittelalter eine bewegte Zeit mit vielen Fortschritten, aber auch vielen schweren Jahren, etwa durch den Ausbruch der Pest.

Falls Sie an der Epoche interessiert sind, gibt es in Wien einige Möglichkeiten, in die Geschichte einzutauchen. Wir haben ein paar Tipps für Sie.

Jüdisches Museum Wien

Die neue Dauerausstellung „Unser Mittelalter! Die erste jüdische Gemeinde in Wien“ im Jüdischen Museum Wien ist ein Pflichtpunkt für Menschen, die an Geschichte interessiert sind. Die Schau präsentiert neue Erkenntnisse über das jüdische Leben in Wien. Spuren jüdischer Gemeinden lassen sich bis zu jener Zeit zurückverfolgen, in der Wien als Herzogsstadt der Babenberger Bedeutung erlangte. 1194 wurde der erste Jude mit Wohnsitz in Wien urkundlich belegt, ein gewisser Münzmeister Schlom.

Ab Beginn des 13. Jahrhunderts ließen sich Juden in Wien nieder und die Gemeinde entwickelte sich zu einer der bedeutendsten in Europa, nicht zuletzt aufgrund einflussreicher Rabbiner. Das erschütternde Ende fand die Gemeinde in den Jahren 1420/21, als sie nach Befehl von Herzog Albrecht V. beraubt, vertrieben oder ermordet wurde.

In der Ausstellung machen aktuelle archäologische und bauhistorische Forschungen sowie neueste Technologien sowohl die Ausgrabung der 1421 zerstörten Synagoge als auch die Topografie des jüdischen Viertels erfahrbar. Neben Einblicken in das Alltagsleben erzählt man auch die Geschichte des Judenplatzes als urbanem Ort.

Bezirksmuseen

Wer die Geschichte unserer Stadt erleben will, ist bei den Bezirksmuseen immer richtig. Auch das Mittelalter spiegelt sich dort wider. Zahlreiche Exponate lassen die Epoche aufleben, in nahezu jedem Bezirksmuseum kann man sich über die wichtigsten Ereignisse des Mittelalters informieren. Mittelalterliche Fundobjekte gibt es auch zu sehen.

Ein schönes Beispiel ist das Bezirksmuseum Wieden. Dort hat man einen kleinen Schwerpunkt auf dem Mittelalter. Die Schließzeit wurde dazu genutzt, die Dauerausstellung neu zu gestalten und noch besser zu informieren. Das Mittelalter kann man dank einer Collage aus Landkarten und Bildern erforschen. Wieden ist die älteste Vorstadt Wiens und spielte eine ganz zentrale Rolle in der Errichtung der Herrschaft der Babenberger und der Pfarre Wien. Das große Highlight ist die neu aufgestellte gotische Madonna mit historistischem Kopf, die höchstwahrscheinlich aus der Kapelle des Siechenhauses St. Hiob stammt. Siechenhaus ist der Oberbegriff für mittelalterliche Hospitale. Freundinnen und Freunde der Geschichte können wir den Besuch wärmstens empfehlen.

Stadtarchäologie Wien

Egal für welche Epoche der Stadtgeschichte man sich interessiert: Die Stadtarchäologie Wien ist eine erstklassige Anlaufstelle. Neben Infos und Fotos zu Grabungen gibt’s auf der Homepage auch viele spannende Beiträge, die das Leben unserer Vorfahren ein bisschen anschaulicher machen. Von der spätmittelalterlichen Keramik über mittelalterliche Lauben bis zum Leben im 11. Jahrhundert: Zum Schmökern findet man hier reichlich.

Sehr spannend ist der Blog auf der Homepage. Wer Geschichte mag, sollte diesem unbedingt folgen. Neue Beiträge gibt’s in regelmäßigen Abständen.

Wien Museum

Aktuell ist das Wien Museum aufgrund einer Umbauphase geschlossen. Unerwähnt wollen wir es dennoch nicht lassen, schließlich ist es die Anlaufstelle für mittelalterliche Artefakte schlechthin. Und man kann sich ja schon einmal auf die Wiedereröffnung freuen.

Wenn es soweit ist, gilt es, direkt zum Neidhart Festsaal zu tingeln. Dort entdeckte man 1979 Wandmalereien aus dem Mittelalter: eine echte Sensation. Rund um diese entstand eine faszinierende Dauerausstellung, die mit zahlreichen Exponaten das Alltagsleben des mittelalterlichen Wiens anschaulich macht. Vor allem Musik, Tanz, Mode oder Essen stehen hier im Mittelpunkt.