Bürgermeister Michael Ludwig im Gespräch mit Tamara Willinger, Lehrling zur Forstfacharbeiterin bei der Stadt. Ab Herbst verdoppelt Wien die Zahl der Lehrstellen im Bereich der Stadtverwaltung. © Bohmann/Andrew Rinkhy

 

Wien hilft durch die Krise

In den vergangenen Monaten waren gute Planung, schnelles Handeln und Teamwork gefragt. So hat Wien die Corona-Krise gesundheitlich gut überstanden. Die schwerwiegenden wirtschaftlichen Folgen konnten durch Unterstützungen abgefedert werden.

"Wir in Wien stehen in schwierigen Zeiten zusammen und handeln entschlossen, um die Folgen dieser Krise so gut wie möglich abzufedern“, sagt Bürgermeister Michael Ludwig. Getroffen hat die Corona-Krise – und vor allem deren wirtschaftliche und soziale Folgen – viele: Kinder und Jugendliche konnten nicht in die Schule und in den Kindergarten. Ihre Eltern arbeiteten im Homeoffice und sorgten sich um die Kinder. Viele Menschen waren in Kurzarbeit und sind es vielleicht immer noch. Wienerinnen und Wiener haben keinen Job mehr oder verloren im Lockdown die Grundlagen für ihr Geschäft. Unternehmerinnen und Unternehmern fehlen Aufträge, die Miete ist trotzdem zu bezahlen.

Schnelle Hilfe

Wien hat rasch reagiert: Die Stadt übernimmt Bürgschaften für Betriebe in finanziellen Nöten und unterstützt mit der Wirt- schaftskammer Wien mit Notlagenfonds Ein-Personen-Unternehmen sowie Klein- und Mittelbetriebe. Die Mieten für Geschäfte in Gemeindebauten, die nicht offenhalten durften, wurden in der Akutphase ganz unbürokratisch ausgesetzt. Betroffene Unternehmen können um steuerliche Erleichterungen für die Landes- und Gemeindeabgaben ansuchen. Zehn Millionen Euro standen für die Einrichtung von Homeoffice-Arbeitsplätzen zur Verfügung – dieser Fördertopf ist schon ausgeschöpft. 2.140 Unternehmen konnten die Unterstützung in Anspruch nehmen. 15 Millionen Euro stehen im Fördertopf für Onlineshop-Systeme zur Verfügung. Derzeit bearbeitet die Wirtschaftsagentur Wien die rund 2.400 eingereichten Anträge, Neueinreichungen sind nicht mehr möglich.

Wiener Gastlichkeit

In der Corona-Krise kam auch die Gastronomie völlig zum Stillstand. Mit den Gastro-Gutscheinen für jeden Haushalt im Wert von 25 bzw. 50 Euro fließen rund 40 Millionen Euro direkt in die Gastro- und Kaffeehaus-Branche. Ludwig: "Die Gastronomie ist ein äußerst wichtiger Faktor in der heimischen Wirtschaft und am Arbeitsmarkt. Knapp 60.000 Menschen sind hier beschäftigt." Und auch die 300 Wiener Fiakerpferde bzw. die 21 Fiakerunternehmen bekamen eine Förderung, damit die Tiere nicht die Leidtragenden der Krise sind. 250 Euro gab’s pro Pferd und Monat für Futter, Einstreu und Hufpflege.

Schule und Betreuung

Lernen und Betreuung zu Hause – das war für viele Familien eine riesige Umstellung. Die Wiener Stadtregierung hat aber von Beginn an sichergestellt, dass es ausreichend Betreuung für Kinder und Jugendliche gibt und finanzielle Entlastungen für Eltern beschlossen. Um allen Schülerinnen und Schülern auch in dieser herausfordernden Zeit gleiche Bildungschancen zu garantieren – unabhängig von ihrem sozialen oder wirtschaftlichen Hintergrund –, hat die Stadt mit der notwendigen Technik ausgeholfen. "Wir haben all jenen, die einen brauchen, 5.000 neue Laptops als Leihgeräte zur Verfügung gestellt", erzählt der Bürgermeister.

 

Lehre bei der Stadt

"Wir müssen außerdem alles tun, um Lehrlingen eine Perspektive zu bieten – das ist vor allem in den schwierigen Monaten nach dem Corona-Lockdown wichtig", betont Michael Ludwig. Wien ist schon jetzt der größte Lehrlingsausbilder. Nun werden die Plätze weiter aufgestockt und von 150 auf 300 verdoppelt. Einer dieser Lehrlinge ist Tamara Willinger. Sie arbeitet im Forst- und Landwirtschaftsbetrieb der Stadt Wien und ist froh, mit ihrer Ausbildung zur Forstfacharbeiterin auch in Zukunft gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben: "Ich liebe die körperliche Arbeit im Wald. Mein großes Ziel: In ein paar Jahren will ich Forstmeisterin sein.“

Unterstützung für junge Menschen

17 Millionen Euro investiert die Stadt Wien in die berufliche Zukunft junger Wienerinnen und Wiener. Michael Ludwig: "Waren von den gesundheitlichen Auswirkungen der Pandemie vor allem ältere Menschen betroffen, leiden junge besonders unter den wirtschaftlichen Folgen." Bei den Wienerinnen und Wienern zwischen 20 und 24 Jahren hat sich die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Um sie zu unterstützen, hat die Stadt ein Corona-Ausbildungspaket geschnürt, das vom Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds (waff) umgesetzt wird. "Für mich ist entscheidend, dass kein Jugendlicher Zeit verliert. Alle sollen eine vollwertige sowie qualitätsvolle Ausbildung als Grundlage für einen guten Arbeitsplatz bekommen. Das sichert Einkommen, von denen sie leben können. Wir lassen niemanden zurück", verspricht der Bürgermeister.

Und weiter: "Alle Expertinnen und Experten erwarten für den Herbst einen Rückgang an Lehrstellen. Das trifft vor allem jene Jugendlichen, die jetzt mit der Schule fertig werden. Wir brauchen deshalb für alle, die eine Lehre machen wollen, einen garantierten Lehrplatz, entweder in einem Ausbildungsbetrieb oder in der überbetrieblichen Lehrausbildung."Schon im September stehen in Wien die notwendigen Ausbildungsplätze in der überbetrieblichen Lehrlingsausbildung zur Verfügung. Die Stadt erhöht den Finanzierungsbeitrag an das AMS für die überbetriebliche Lehrausbildung von 6,7 auf 10 Millionen Euro. Mit diesen Mitteln sollen die Jugendlichen auf die Lehre vorbereitet werden – u. a. mit Tablets und Kursen für die Lehrabschlussprüfung.

Stolz auf Wien

Ein großer Wurf ist mit der "StolzaufWien Beteiligungs GmbH" gelungen. Sie unterstützt Wiener Unternehmen, die aufgrund der Corona-Krise in Schwierigkeiten geraten sind, indem sie sich an diesen zeitlich beschränkt beteiligt. Ziel der Gesellschaft ist, Wiener Unternehmen Eigenkapital zur Verfügung zu stellen, um diese zu stabilisieren und damit Jobs abzusichern. Rund 50 Millionen Euro, da- von 20 Millionen von der Stadt Wien und 30 Millionen von der Wirtschaftskammer Wien und privaten Partnerinnen und Partnern, liegen im Topf.