Im Kraftwerk Simmering kommt eine Käfigdrohne zur Inspektion von allfälligen Schadstellen zum Einsatz. © Bohmann/Bubu Dujmic

 

Eine Drohne fürs Kraftwerk

Bei Wien Energie sind neuerdings fliegende Helferlein im Einsatz. So etwa im Kraftwerk Simmering: Hier werden mittels Drohnen Inspektionen durchgeführt. Wie das vonstattengeht und welche Vorteile das bringt, hat sich CLUB WIEN angesehen.

Langsam hebt sie sich empor, um sich vorsichtig Rohrleitungen, Schächten und Wänden zu nähern. Ihr Surren ist aufgrund des allgemeinen Geräuschpegels kaum zu hören, ihre Signalleuchten blinken lautlos. Wenn sie irgendwo anstößt, tut sie allerdings nicht das, was ihresgleichen ansonsten bei Berührung tut: abstürzen.

Wir sind Zeuge eines Inspektionsflugs einer Drohne in einem Kesselhaus des Kraftwerks Simmering von Wien Energie. Der Grund, warum das ferngesteuerte  Fluggerät, auch wenn es irgendwo ankommt, stabil in der Luft bleibt: "Um die Drohne befindet sich ein Käfig. Dadurch hat die Drohne die Möglichkeit, sehr nah an die jeweilige Oberfläche zu fliegen", erklärt Patrick Enzinger. Er gehört zum Team Smart Inspection der Wien Energie. Das Projekt hat vor zwei Jahren den Sieg des ersten firmeninternen Innovationswettbewerbs errungen. "Wir haben die Drohne seit einem halben Jahr im Einsatz", verrät Enzinger. "Damit haben wir bereits unterschiedliche Anlagen beflogen, etwa Druckrohrleitungen in Wasserkraftanlagen oder Kessel und Rauchgaskanäle in Müllverbrennungsanlagen."

 

Bilder in Echtzeit

Bei ihrem Einsatz in Simmering führt die kleine Käfigdrohne zwei Kameras mit Beleuchtung mit sich. Eine nimmt Realbild auf, die andere Wärmebild via Infrarot. Der Clou dabei: Die Bilder werden live direkt auf den Bildschirm der Fernsteuerung des Drohnenpiloten übertragen. Gemeinsam mit einem beim Einsatz anwesenden Gutachter können so Schadstellen oder Veränderungen sofort erkannt und dokumentiert werden.

Diese Aufnahmen können nachträglich hochauflösend ausgewertet werden und bilden die Grundlage für einen Inspektionsbericht. "Durch dieses Gutachten können dann Rückschlüsse gezogen werden, ob man für Instandhaltungen oder Reparaturen Budget braucht oder nicht", so Enzinger. Regelmäßige Untersuchungen gewährleisten, dass die jeweilige Anlage weiterhin funktioniert. Steht das Werk still, bedeutet das natürlich Verluste. So können Schäden rechtzeitig erkannt und in weiterer Folge repariert werden.

Durch ihre Konstruktion und den Umstand, dass sie kein GPS-Signal benötigt, hat die Käfigdrohne einen Vorteil gegenüber anderen: Sie kann auch in Innenräumen eingesetzt werden. "Der Durchmesser des Käfigs der Drohne beträgt 400 Millimeter. Alles, was größer ist, kann inspiziert werden, etwa Kanäle oder Rauchgasanlagen", erklärt Enzinger und nennt weitere Eckdaten: "Die Drohne wiegt rund 700 Gramm und kann mit einer Akkuladung etwa 12 Minuten in der Luft bleiben, was für uns aber ausreichend ist. Die Entfernung beträgt bis zu 800 Meter. In Gebäuden wie hier in Simmering kann sie sich dank einer starken Funkverbindung sehr weit bewegen. Und durch die Livebild-Aufnahmen können auch über größere Entfernungen Inspektionen durchgeführt werden."

Vorteile durch die Drohne

Durch den Einsatz der Käfigdrohne erspart man sich zudem einiges. Teure Gerüstaufbauten, die es einem Menschen überhaupt erst ermöglichen, einen hoch oder schwer zugänglichen Bereich zu kontrollieren, fallen weg. Zudem bleibt für die jeweilige Person beim Untersuchen eines Industriekamins immer ein Restrisiko. "Es gibt Bereiche, an denen man sehr viele Sicherheitsvorkehrungen treffen muss, bevor man in einen Kessel hineinkraxelt. Das kann man mit der Drohne ausschließen: Ein Mensch muss nicht mehr selbst hineinklettern", erläutert Enzinger. Auch Zeit spielt eine Rolle: Auf- und Abbau des Gerüsts dauern, mitunter wird die zu untersuchende Stelle so erst recht nicht erreicht. Das kostet die begutachtende Person Zeit, Nerven und Kraft. Die Drohne nimmt ihr das ab.

Das Team Smart Inspection bietet seine Dienste seit Februar 2018 auch extern an. So kann die Käfigdrohne etwa in den großen Hallen eines Flugzeughangars eingesetzt werden, um die Lichterreihen an der Decke zu überprüfen. "Unser Alleinstellungsmerkmal ist eben, dass wir das Know-how der Wien Energie anbieten und in unsere Berichte einfließen lassen können", so Enzinger. Neben der Käfigdrohne sind weitere Drohnen verfügbar, etwa für die Untersuchung von Windparks. Die Zukunft kann jedenfalls kommen.