Die Wespe ist ein Fressfeind zahlreicher Schädlinge. © Margit Holzer

 

Die gar nicht gemeine Wespe

Wespen besuchen leidenschaftlich gerne unsere Gartenpartys und sorgen oft für Aufregung. Doch das Insekt ist gar kein Störenfried, sondern sehr nützlich. CLUB WIEN hat bei DIE UMWELTBERATUNG Tipps für den Umgang mit Wespen eingeholt.

Wenig sorgt bei einem Grillfest für so viel Panik wie eine Wespe. Das Insekt leidet unter einem schlechten Ruf, den es sich eigentlich überhaupt nicht verdient hat. Die Tiere sind in aller Regel friedlich, wenn auch neugierig. Dabei sollten wir den Wespen eigentlich dankbar sein, denn sie sorgen dafür, dass uns andere Schädlinge nicht belästigen. Ein Wespenvolk fängt im Laufe eines Tages bis zu 5.000 Fliegen oder andere Insekten, um sie entweder selbst zu verspeisen oder seine Larven im Nest damit zu füttern.

Harald Brugger, Chemiker und Ökotoxikologe von DIE UMWELTBERATUNG, ist mit den Vorurteilen bestens vertraut. Der Experte weiß aber auch, wie man sich das Zusammenleben mit den Wespen einfacher gestalten kann. CLUB WIEN hat er Wissenswertes über die Wespe erzählt und auch ein paar Tipps für den Umgang mit Wespen und deren Stichen verraten.

CLUB WIEN: Die Wespe gilt oft als Schreckgespenst beim Grillfest. Würden Sie sagen, die Panik vor der Wespe ist übertrieben?

Harald Brugger: In Mitteleuropa gibt es schätzungsweise 600 Wespenarten, und nur wenige sind tatsächlich stechfreudig. Die meisten Wespen und Hornissen sind friedfertige Tiere, außer, wenn sie sich bedroht fühlen. Bei uns werden den Menschen nur zwei Wespenarten lästig: die Deutsche Wespe (Vespula germanica) und die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris). Es gibt auch stachellose Wespen, wie zum Beispiel Blattwespe und Pflanzenwespe.

Gefährlich werden können Wespen, wenn sie im Mund und Rachenraum stechen, und für Allergikerinnen und Allergiker. Diese sollten ihre Notfallmedikamente immer dabeihaben.  

Wie sieht die Lebensweise der Wespe aus? Warum kommt sie den Menschen so nah?

Erwachsene Wespen ernähren sich von zuckerhaltiger Nahrung, wie zum Beispiel Obst, Pflanzensäfte und Zucker. Für die Brutpflege werden sie zu Räubern. Sie brauchen Proteinfutter für die Larven, die mit vorgekautem Insektenfleischbrei gefüttert werden. Wespen fliegen im Sommer überall dort, wo es kohlenhydratreiche Leckerbissen gibt. Um die Situation einschätzen zu können, umfliegen sie den Menschen und werden dabei als aufdringlich wahrgenommen.

Gibt es irgendeine Möglichkeit, Wespen vom Essen/dem Gartenfest fernzuhalten?

Getränke und Essen immer zudecken und Essen im Freien schnell wegräumen. Auch eine Ablenkfütterung mit reifem Obst, wie zum Beispiel Trauben, etwas vom Grillplatz entfernt positioniert, funktioniert ganz gut. Ein natürliches Abwehrmittel ist eine Schale mit Zitronen und Nelken. Auf Wespen wirkt die Duftkombination Zitrone und Nelke ekelhaft und abstoßend. Die Bekämpfung von einzelnen fliegenden Wespen mit chemischen Mitteln oder Elektrofallen ist weder notwendig noch sinnvoll. Wespenfallen versprechen, ohne Gift, nur mit biologischen Mitteln, gegen Wespen wirksam zu sein. Davon rät DIE UMWELTBERATUNG aber ab. Denn es werden nicht nur Wespen, sondern zum großen Teil auch andere nützliche Insekten wie Honigbienen, Falter, Fliegenarten und Ohrwürmer angelockt und gefangen. In solchen Fallen ertrinken diese oft qualvoll.

Welche Rolle spielen die Wespen in unserem Ökosystem? Stimmt es, dass sie nützliche Funktionen für uns Menschen erfüllen?

Wespen sind Bestäuber, da sie am Körper Pollen von Pflanze zu Pflanze transportieren. Noch wichtiger ist ihre Funktion als Schädlingsvertilger. In Deutschland sind Wespenkästen bei Obstbäuerinnen und -bauern beliebt, da die Wespen die Bäume von Schädlingen freihalten.

Wie geht man mit einer Wespe richtig um?

Bleiben Sie cool! Vermeiden Sie rasche Bewegungen. Sitzt eine neugierige Wespe auf der Haut, diese einfach vorsichtig abschütteln. Nicht schlagen und auch nicht wegpusten.

Kinder sollten Mund und Hände nach dem Essen und Trinken gleich abwischen. Vorsichtig sein beim Trinken aus geschlossenen Gefäßen im Freien. Es könnte sich eine Wespe ins Getränk verirrt haben.

Wo befinden sich die Nester und wie geht man mit diesen um?

Die bei uns häufigen Wespenarten legen ihre Nester in dunklen Hohlräumen, im Boden, hinter Verkleidungen oder auf Dachböden an. Es gibt aber auch frei hängende, sichtbare Nester. Wichtig ist zu wissen, dass Wespen und Hornissen nur eine Saison lang an einem Standort siedeln. Da sie nur von Ende April bis Oktober aktiv sind, ist spätestens im November das Wespennest verlassen. Nur die Königinnen überleben den Winter, aber in einem Versteck abseits des Wespennests. Das bedeutet, dass sie ein leeres Wespennest einfach hängen lassen können. Es wird sich sowieso mit der Zeit von selbst zersetzen, da es im Wesentlichen aus Papier besteht und nicht wieder besiedelt wird.

Wenn man gestochen wurde: Wie sollte man reagieren?

Da der Stachel fest im Hinterleib verankert ist, können Wespen auch mehrfach zustechen. Gefährlich wird es vor allem, wenn man in die Nähe des Nests kommt. Stiche im Mund- und Rachenraum können lebensbedrohlich sein, daher: sofort Eis lutschen und zum Arzt!

Kühlen hilft immer: kühlende Umschläge mit Eiswürfeln, die in ein Tuch gewickelt sind, oder kühles Wasser über die Einstichstelle laufen lassen. Auch der Saft einer Zwiebel, Topfenwickel oder ein Essigumschlag helfen.

Die Wespen-Checkliste

  • Ruhig bleiben! Nicht auf die Wespe draufschlagen, sondern abschütteln.
  • Kindern nach dem Essen Mund und Hände abwaschen.
  • Getränke abdecken und undurchsichtige Gefäße vor dem Trinken kontrollieren.
  • Speisen nicht offen stehen lassen und Reste so bald wie möglich abräumen.
  • Fallobst im Garten regelmäßig beseitigen.
  • Insektenschutz am Fenster anbringen.

Mehr Informationen finden Sie im Gratis-Infoblatt von DIE UMWELTBERATUNG.