Weihnachten ohne den bunt geschmückten Christbaum wäre heutzutage nicht mehr vorstellbar, denn dieser stellt den symbolischen Mittelpunkt des Weihnachtsfests dar. © iStockphoto

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt

Was wäre die Adventzeit ohne Adventkalender, Mistelzweig und Weihrauch? Bräuche, die uns schon seit Ewigkeiten in der Weihnachtszeit begleiten. Doch woher stammen sie? Und warum werden sie zelebriert? CLUB WIEN klärt auf.

Wissen Sie, warum zu Weihnachten Tannenbäume geschmückt werden, woher die Tradition des Adventkranzes kommt oder warum der heilige Sankt Nikolaus vom Krampus begleitet wird? Einige unserer Traditionen und Bräuche reichen viele Jahrhunderte zurück, andere hingegen sind gerade einmal 100 Jahre alt. Zudem sind viele unserer Brauchtümer heidnischer Herkunft. In der Weihnachtszeit hat sich im vergangenen Jahrhundert eine Vielzahl an Bräuchen herausgebildet. Viele haben ihren Ursprung bereits in vorchristlichen Zeiten und wurden im Laufe der Zeit mit neuen Bedeutungen versehen. Das Christkind, das die Geschenke bringt, Räuchern, um böse Geister zu vertreiben, oder unter dem Mistelzweig geküsst werden. Doch welche Bedeutung haben sie?

Der 24. Dezember ist die Zeit der Reinigung und des Loslassens. Traditionell wird mit Myrrhe oder reinigenden Räuchermischungen wie Beifuß, Wacholder, Salbei, Angelikawurzel und Weihrauch das alte Jahr verabschiedet. Typische Wintergewürze wie Zimt, Kardamom, Gewürznelke, Sternanis, Vanille oder Orangenschalen eignen sich ebenfalls hervorragend als Räucherstoffe auf Holzkohle oder Stövchen. Auf diese Weise sorgt man zu Hause für eine angenehme weihnachtliche Stimmung.

Blühende Bräuche

Am 4. Dezember ist Barbaratag. Die heilige Barbara ist Schutzpatronin der Berg- und Hüttenleute. In den frühen Morgenstunden werden Zweige von Kirschbäumen oder Forsythien abgeschnitten und in eine Vase gestellt. Blühen die Zweige an Heiligabend, bedeutet das Glück und Gesundheit für die ganze Familie. Wenn sich im Haus Jugendliche befinden und der Zweig zu blühen beginnt, dann steht laut dem Brauch eine baldige Hochzeit bevor. So ist der Brauch des blühenden Zweigs auch bekannt als Liebesorakel. Unverheiratete Mädchen gaben jedem Zweig den Namen eines Verehrers. Derjenige Verehrer, dessen Zweig zu blühen begann, wurde von dem Mädchen geheiratet. Besonders in ländlichen Regionen Österreichs wurde dieser Brauch gepflegt. Zudem sollen die blühenden Zweige einen Vorgeschmack auf den Frühling geben.

Adventzeit war Fastenzeit

Dem Weihnachtsfest am 24. Dezember geht die vierwöchige Adventzeit voraus. Heutzutage ist diese Zeit vor allem von stimmungsvollen Weihnachtsmärkten und köstlicher Weihnachtsbäckerei geprägt. Doch das war nicht immer so. Ursprünglich wurde in den vier Wochen vor Weihnachten streng gefastet. Die Fastenzeit fand zwischen 11. November und dem Fest der Erscheinung des Herrn am 6. Jänner statt. So war es in der Adventzeit untersagt, große Feste zu feiern, es durfte nicht getanzt oder musiziert werden. Es war oft die stillste Zeit im Jahr.

Die Adventzeit in ihrer heutigen Form geht zurück auf das 7. Jahrhundert. Es gab zunächst zwischen vier und sechs Adventsonntage, bis Papst Gregor schließlich vier Adventsonntage festlegte. Im Laufe der Zeit wurde aus der einstigen strengen Fastenzeit eine fröhliche Zeit, in der man sich gemeinsam auf das Weihnachtsfest vorbereitet. Weihnachtsbäckerei darf dabei natürlich nicht fehlen.         

Adventkranz mit 24 Lichtern

Eine Art Adventkranz wurde erstmals im Jahr 1839 von dem evangelisch-lutherischen Theologen und Erzieher Johann Hinrich Wichern verwendet. Laut Erzählungen kümmerte sich der Theologe um verwaiste Kinder. Weil Wichern von den Kindern ständig gefragt wurde, wann denn endlich Weihnachten sei, baute er ihnen aus einem alten Wagenrad einen Holzkranz mit 20 kleinen roten Kerzen und vier großen weißen. Jeden Tag der Adventzeit wurde eine weitere Kerze angezündet, an den Adventsonntagen eine große Kerze. Sodass die Kinder die Tage bis Weihnachten abzählen konnten. Dieser Kranz diente gleichzeitig als Kalender, der die Zeit bis Weihnachten anzeigte. Der Brauch verbreitete sich rasch und knapp 100 Jahre später war er auch in katholischen Gegenden zu finden. Nach und nach wurde der Kranz auf die heutige Form, mit vier Kerzen und aus Tannengrün, reduziert.

Seit dem 19. Jahrhundert gehört auch der Adventkalender zum christlichen Brauchtum. Den ersten Kalender hat es 1851 gegeben, den ersten gedruckten Kalender 1904. Bis heute dient er als Zeitmesser bis zum Heiligen Abend. Meist sind die Kalender mit Süßigkeiten oder kleinen Überraschungen gefüllt und erleichtern so Jahr für Jahr kleinen und großen Weihnachtsfans die Wartezeit bis zum Heiligen Abend.

Räuchern in der Weihnachtszeit

In vielen Familien wird auch noch heutzutage in den Raunächten mit Weihrauch, Myrrhe und Co das Zuhause von negativen Einflüssen befreit und das neue Jahr willkommen geheißen. Als Raunächte werden die zwölf Nächte zwischen dem Weihnachtstag und dem Dreikönigstag bezeichnet. Die letzte Raunacht, die Nacht auf den 6. Jänner, ist die Perchtennacht. Zu diesem Anlass werden in vielen Orten in Österreich, teils auch in Bayern, traditionelle Perchtenläufe veranstaltet. Mit diesen Läufen sollen die bösen Geister des Winters vertrieben werden. Das Ausräuchern soll dabei traditionell dem Vertreiben schlechter Geister und dem Schutz dienen.

Weihnachtsgeschenke

Der Brauch, zu Weihnachten Geschenke zu verteilen, wurde 1535 von Martin Luther eingeführt. Sein Ziel war, das Interesse der Kinder auf Jesus Christus zu lenken und die Heiligenverehrung abzuschaffen. Bis dato brachte der heilige Sankt Nikolaus am 6. Dezember den Kindern die Gaben. Es dauerte etwas, doch dann setzte sich auch in den katholischen Ländern das Christkind durch. Heutzutage wird zumeist in katholischen Gegenden das Christkind begrüßt, in vielen evangelischen Orten hingegen bringt der Weihnachtsmann die Geschenke.

In Wien ist es üblich, dass Kinder sowohl zu Weihnachten als auch am 6. Dezember, dem Nikolaustag, beschenkt werden. Kleine Säckchen mit Nüssen, Orangen und Süßigkeiten werden am 5. und auch am 6. Dezember vom heiligen Sankt Nikolaus braven Kindern übergeben. Zu Weihnachten, wenn das Glöcklein läutet, kommt das altbewährte Christkind mit den Geschenken.

Der immergrüne Tannenbaum

Bereits in den vorchristlichen Zeiten wurden Misteln, Tannen- oder Eibenzweige als Zeichen des Lebens aufgehängt. Immergrüne Pflanzen, wie der Tannenbaum, waren Symbole für Fruchtbarkeit und Lebenskraft. Tannenzweige wurden damals zur Wintersonnenwende an öffentlichen Orten und vor den Häusern platziert und sollten den Frühling begrüßen und für Gesundheit sorgen. In den Häusern schützten sie vor bösen Geistern.

Der erste Weihnachtsbaum stand 1419 im Freiburger Heilig-Geist-Spital. Er war mit Äpfeln, Nüssen und Lebkuchen behängt und durfte von den Kindern an Neujahr geplündert werden. Im späten 16. Jahrhundert wurde es in der deutsch-französischen Region Elsass Brauch, einen Weihnachtsbaum im Wohnzimmer aufzustellen und mit Süßigkeiten zu schmücken. Die Kerzen kamen im 18. Jahrhundert hinzu. Von Deutschland aus verbreitete sich im 19. Jahrhundert dieser Weihnachtsbrauch über die ganze Welt. Heutzutage stellt der geschmückte Weihnachtsbaum den symbolischen Mittelpunkt des Weihnachtsfests dar. Jedes Jahr vor Heiligabend wird der Weihnachtsbaum aufgestellt und festlich mit Kerzen, Kugeln, Engeln, Lametta, Lebkuchen und einem Stern auf der Baumspitze geschmückt.

Mistelzweig als Liebesbotschafter

Besonders in der Weihnachtszeit finden Mistelzweige große Beachtung. Ihre Zweige werden an Decken und Türrahmen befestigt und sollen Böses abwenden. Doch vor allem der Glück verheißende Kuss unter dem Mistelzweig ist zu einem gängigen Brauch geworden. Denn der Brauch besagt, dass zwei Menschen, die einander unter einem Mistelzweig küssen, ein glückliches Paar werden. Zudem darf eine junge Frau einen Kuss unter dem Mistelzweig nicht verwehren. Wird eine Frau unter dem Zweig nicht geküsst, wird sie auch im nächsten Jahr ledig bleiben.

Krampus versus Perchten

Worin unterscheiden sich eigentlich Krampusse und Perchten? Die beiden haben unterschiedliche Funktionen. Der Krampus ist der Begleiter des heiligen Sankt Nikolaus, der die braven Kinder mit Gaben beschenkt. Dem Brauch nach werden Kinder, die das Jahr über unartig waren, vom Krampus bestraft und einige von ihnen sogar ins Fegefeuer mitgenommen.

Der Brauch der Perchtenläufe hängt mit jenem der Raunächte zusammen. In den Raunächten werden böse Geister und der Winter von den Perchten vertrieben. Als Utensil zum Austreiben verwenden die Perchten eine Glocke. Bekommt man von Perchten Besuch, ist das - im Gegensatz zum Krampusbesuch - ein gutes Omen. Dem Brauch nach bringen die Perchten nämlich Glück.