Wir starten unsere Wanderung auf dem 1. Wiener Wasserleitungsweg von Hirschwang an der Rax aus. © Bohmann/Demmer

 

Ursprung des Wiener Lebenselixiers

Über Stock und Stein, mal schneller, mal langsamer, immer kühl und erfrischend - so fließt es, das Hochquellenwasser. Wir haben Sherlock Holmes gespielt und uns auf seine Spuren begeben. Vom Berg bis zum Hahn eine erlebnisreiche Wanderung.

Wasserleitung auf, bestes Trinkwasser raus - die Stadt Wien ist mit ihrem köstlichen Trinkwasser wahrlich gesegnet, denn sie ist die einzige Millionenstadt, die flächendeckend mit frischem Hochquellenwasser versorgt wird. Das kristallklare Trinkwasser fließt aus unberührten, naturbelassenen Gebieten in den Alpen bis in die Stadt - eine Reise, auf der es viel zu entdecken gibt. Wie das Wasser in die Stadt kommt und wie es überhaupt dazu kam, können Besucherinnen und Besucher nun am 1. Wiener Wasserleitungsweg zwischen Rax und Schneeberg herausfinden.

Direkt aus der Hölle

Wer jetzt denkt, Lucifer hätte hier seine Finger im Spiel und schöpft täglich unser Wasser mit der Kelle aus seinem Kessel, der irrt ;)
Dennoch entspringt das kühle Nass in höllischer Umgebung, genauer gesagt im zwischen Schneeberg und Rax gelegenen Höllental in Niederösterreich. Es gehört zu den idyllischsten Plätzen in den Wiener Alpen und lässt für Wander- und Naturliebhaberinnen und -liebhaber keine Wünsche offen.

 

Es ist 10 Uhr vormittags und an einem sonnigen Junitag wie heute schon mächtig warm. Wir starten unsere Wanderung, ausgerüstet mit gutem Schuhwerk und Sonnenschutz, in Hirschwang an der Rax vom Parkplatz der Rax-Seilbahn aus. Viel verlaufen kann man sich hier nicht, der Weg ist gut ausgeschildert. Über die Wehranlage und eine Eisenstiege geht es auf den schmalen Wanderweg. Die Hitze des Asphalts hinter uns lassend, gehen wir gemächlich bergauf. Die vielen verschiedenen Grüntöne des Waldes sind nicht nur optisch ein Highlight, sondern spiegeln auch die Vielfalt der Pflanzen hier wider. Angenehmer Nebeneffekt: Es ist deutlich kühler unter den Baumkronen - perfekte Wanderbedingungen.

An der Felswand entlang

Der Weg führt entlang der Schwarza, die mit ihren flachen Schotterbuchten zum Verweilen und Abkühlen einlädt. Optimal für warme Tage. Selbstverständlich wagen auch wir einen kleinen Dip-in und wandern danach herrlich erfrischt weiter. Einen querenden Felsriegel überwinden wir auf einer Gitterrostbrücke und hangeln uns anschließend an einer Kette an einem ausgesetzten Felsband entlang. Aber keine Angst, alles gut gesichert und auch für Kinder im wahrsten Sinn ein Kinderspiel.

 

Weiter geht es durch den Wald zu einem ansteigenden Felsköpfl, wo uns ein großartiger Blick hinunter zur smaragdgrünen Schwarza erwartet. Unser Tipp: Hier eine kleine Rast machen und einfach nur genießen. Diesen Rat beherzigt auch die kleine Eidechse, die uns unverblümt von der Felswand aus in die Augen schaut.

 

Fließende Bewegungen

Auch wenn wir uns gar nicht sattsehen können, setzen wir unseren Weg fort, der uns jetzt in einigen Kehren hinab zur Höllentalstraße bringt. Das letzte Stück geht kurz der Straße entlang stromaufwärts bis zum Ende des flussseitigen Geländers. Hier nehmen wir den Hangweg unterhalb der Straße zur Spannbrücke, über die wir zur Straße nach Kaiserbrunn, unserem Ziel, gelangen. Und auch das Wiener Wasser hat hier End- oder besser gesagt Anfangsstation.

 

Zum Jubiläum

Angelegt wurde der 1. Wiener Wasserleitungsweg 1998 zu Ehren des 125-jährigen Bestehens der Wiener Hochquellenwasserleitung. Diese wurde 1873 von Kaiser Franz Joseph eröffnet. Seither fließen hier ohne Zuhilfenahme von Pumpen, im freien Gefälle täglich rund 200.000 Kubikmeter Wasser in die 95 Kilometer entfernte und 280 Meter tiefer gelegene Bundeshauptstadt. Dafür braucht das Wasser ungefähr 16 Stunden. Zum Vergleich: Zu Fuß würden wir drei Stunden länger brauchen, das Wasser hat also eine gute Pace ;)
Gemeinsam mit der Wasserleitung aus dem Hochschwabgebiet wird Wien so mit frischem Trinkwasser von bester Qualität versorgt.

Da wir gerade so nett an der Quelle stehen, gönnen wir uns jetzt auch einen kräftigen Schluck, bevor es zurück zum Auto geht. Fazit: Eine wundervoll entspannte und erfrischende Wanderung nicht weit von Wien entfernt und trotzdem mit Bergfeeling.