Am 11. Mai ist in der Wiener Waldschule der Familienerlebnistag. Kinder, Jugendliche und ihre Familien sind eingeladen, um den Wald und seine Bewohner besser kennenzulernen. © Bohmann/Andrew Rinkhy

 

Willkommen in der Wiener Waldschule

Wissen Sie, wie ein Specht zu seinen Würmern kommt? Wie man Feuer macht? Oder was der Unterschied zwischen einem Reh und einem Hirsch ist? In der Waldschule Ottakring lernen SchülerInnen die Geheimnisse des Waldes und seiner Bewohner kennen.

Seit über 20 Jahren gibt es die Wiener Waldschule Ottakring. Die Schule mitten im Wienerwald am Wilhelminenberg zählt zu den beliebtesten Umweltbildungseinrichtungen Österreichs und das aus gutem Grund. Denn die Schulkinder werden dort einen ganzen Tag lang in die Geheimnisse des Waldes eingeführt. Gemeinsam mit einer Försterin oder einem Förster erforschen sie das Ökosystem des Waldes, lernen die unterschiedlichsten Tiere kennen und dürfen auch selbst Hand anlegen und viele tolle Sachen mit Materialien aus dem Wald basteln. Ziel ist, den Kindern ein Verständnis von und die Liebe zur Natur zu vermitteln. Am 11. Mai findet der Familienerlebnistag in der Wiener Waldschule statt. An diesem Tag dürfen nicht nur die Schulkinder die Waldschule besuchen, auch Eltern, Großeltern, Tanten, Onkel, Freundinnen und Freunde dürfen mitkommen und gemeinsam den Wald und seine Bewohner erforschen. CLUB WIEN hat sich mit dem Leiter der Waldschule, Förster Josef Ebenberger, getroffen und mit ihm über die Schule, den Wald und die Tiere gesprochen.

 

Artenvielfalt vor unserer Haustür erforschen

In der heutigen Zeit der Beschleunigung und Digitalisierung ist es wichtig, die Bedeutung der Natur und der Artenvielfalt nicht zu vergessen. "Viele Stadtkinder haben gar keinen Bezug mehr zum Wald. Sie haben noch nie Feuer gemacht oder waren nie wirklich im Wald, um dort aufmerksam die Natur zu beobachten", erzählt Josef Ebenberger.

Um ein Verständnis für den Wald und die natürlichen Zusammenhänge in der Umwelt zu fördern, wurde die Waldschule Ottakring errichtet. Es ist das erste waldpädagogische Informationszentrum Österreichs. Jährlich können circa 4.000 Schülerinnen und Schüler die Waldschule besuchen. "Seit Beginn haben wir über 70.000 Kinder betreut. Das Besondere bei uns ist, dass wir die Kinder auch ganztägig betreuen. So haben sie genügend Zeit, den Wald auch richtig kennenzulernen und einen Bezug aufzubauen", so der Förster. Jedes Wiener Schulkind soll mit dem Besuch der Waldschule Ottakring die Möglichkeit erhalten, mit einer Försterin oder einem Förster das Ökosystem Wald kennenzulernen. Durch das Erfahren, Entdecken und Erleben wird eine persönliche Beziehung zum Wald aufgebaut. Dadurch entsteht ein verantwortungsbewusster Umgang mit der Natur. "Denn das, was man kennt, wird man später auch schützen", so Ebenberger. Die Waldschule ist für Kinder von acht bis zwölf Jahren geeignet.

Ein Tag in der Waldschule

Worum geht es in der Schule? "Wir wollen, dass die Kinder einen persönlichen Bezug zum Wald aufbauen. Anhand verschiedener Spiele, einer Waldexkursion oder gemeinsamen Bastelns versuchen wir, den Kindern das Ökosystem auf eine lustige und offene Art näherzubringen", so der Förster.

Los geht der Tag mit einer kleinen Wanderung zur Waldschule. "Die Schulkinder werden von uns bei der Feuerwache Steinhof abgeholt. Gemeinsam gehen wir dann weiter zur Waldschule", erklärt Ebenberger. Anders als bei herkömmlichen Schulausflügen werden die Schulkinder nicht direkt vor der Eingangstüre abgesetzt, sondern die Schülerinnen und Schüler sollen sich die Waldschule erwandern. Während dieser gemeinsamen Wanderung durch den Wald erfahren die Kinder bereits Wissenswertes über den Wald. "Wenn ein Eichkätzchen vorbeikommt oder ein Specht oder bei schlechtem Wetter ein Feuersalamander, kann man das alles miteinbauen und die Kinder lernen, während sie zur Schule gehen, bereits viel über den Wald", so der Schulleiter.

In der Schule angekommen, warten auf die Kinder viele aufregende Sachen, die es zu entdecken heißt. "Wir haben präparierte Wildtiere, Stammscheiben, Wurzeln, Geweihe und viele weitere Waldgegenstände, die die Kinder anschauen und natürlich angreifen dürfen", erklärt der Förster. Für ihn und sein Team ist wichtig, dass der Tag in der Waldschule nicht wie ein herkömmlicher Unterricht abläuft, sondern die Kinder aktiv mitmachen. So werden beim Rundgang durch die Waldschule keine Vorträge gehalten. "Wir stellen den Kindern sehr viele Fragen, zum Beispiel wie viel ein Hermelin, also ein Mauswiesel und der kleinste Raubsäuger in unserem Wald, täglich zum Essen braucht. Die Antwort ist 60 Prozent vom eigenen Körpergewicht. Natürlich weiß ein Kind nicht wirklich, wie viel 60 Prozent sind. Ich stelle dann immer einen Vergleich an und frage die Kinder, wie viel sie wiegen, und sage dann 'Wenn du ungefähr 30 Kilo wiegst, dann brauchst du jeden Tag 18 Kilo Spaghetti. 18 Kilo Spaghetti sind ein riesengroßer Haufen'. Ich zeige dann immer, wie groß so ein Haufen Spaghetti sein würde. 'So einen großen Berg an Spaghetti könnt ihr niemals wegessen, aber ein Hermelin braucht so viel zum Überleben.' Wenn wir solche Vergleiche machen, geht es weniger um die exakte Genauigkeit, vielmehr geht es darum, dass sich die Kinder darunter etwas vorstellen können und wir ihr Interesse an der Natur wecken.", erklärt Ebenberger. In der Waldschule dürfen die Kinder vieles ausprobieren, angreifen und selbst erforschen. Nach diesen Prinzipien arbeiten Herr Ebenberger und sein Team und das funktioniert auch. So gehört ein Ausflug in die Waldschule für viele Schulen zum Pflichtprogramm und auch der Familienerlebnistag ist jedes Jahr ein Highlight.

 

Der Familienerlebnistag in der Waldschule

Ein Mal im Jahr öffnet die gewöhnlich nur für Schulklassen zugängliche Waldschule Ottakring der Öffentlichkeit ihre Pforten. Kinder und Jugendliche können mit ihren Familien, Freundinnen und Freunden die Besonderheiten des Waldes erforschen und die Vielfalt der Pflanzen und Tierwelt erkunden.

Auf Klein und Groß warten zahlreiche Wald-Spiele, Bastelstationen und eine Forschungsstation, wo die Kinder die Möglichkeit haben, das Waldleben unter dem Mikroskop zu erforschen. An einer eigenen Station wird gesägt und gewerkt. Außerdem stehen Bärlauchaufstrich, Bärlauchsuppe und Steckerlbrot zum Selberbacken für die hungrigen Besucherinnen und Besucher bereit. Bei einer Rätselrally wird dann das erlernte Wissen über Wildtiere und ihre Lebensgewohnheiten getestet. Als Belohnung lockt eine Holz-Medaille.

Tag der offenen Tür in der Waldschule Ottakring

  • Anreise:
    - U3 bis Ottakring, weiter mit 46B oder 146B bis Feuerwache Steinhof, 20 Minuten Fußweg entlang der Johann-Staud-Straße zur Waldschule
    - U4 bis Hütteldorf, 52B bis Siedlung Kordon, 5 Minuten Fußweg entlang des Pelzer Rennwegs
  • Wann: 11. 5. 2019, 12 bis 18 Uhr
  • Wo: 16., Johann-Staud-Straße 80