Monika Nigl ist Leiterin des Beratungszentrums für Beruf und Weiterbildung des waff. © waff

"Ein Dach für jene, die im Beruf weiterkommen möchten..."

Seit zehn Jahren gibt es das Beratungszentrum für Beruf und Weiterbildung des waff. Aus diesem Anlass wurde Monika Nigl, Leiterin des Beratungszentrums, zum Interview gebeten.

Sie leiten seit zehn Jahren das Beratungszentrum für Beruf und Weiterbildung. Können Sie uns erklären, was im Beratungszentrum passiert und warum es das gibt?

Monika Nigl: Das Beratungszentrum für Beruf und Weiterbildung ist die Anlaufstelle für beschäftigte Wienerinnen und Wiener, wenn sie sich beruflich weiterentwickeln möchten. Bei uns bekommt man Information, individuelle Beratung und, wenn notwendig, Förderungen für berufliche Weiterbildung. Wichtig ist: Wir sind für alle Wiener Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer da. Aber ganz besonders für Menschen, die es am Arbeitsmarkt schwer haben. Dazu gehören z.B. jene, die höchstens einen Pflichtschulabschluss haben, Ältere, Migrantinnen und Migranten aber auch Frauen.

Warum wurde das Beratungszentrum vor zehn Jahren ins Leben gerufen? 

Uns war es wichtig, dass es einen Ort gibt für Wienerinnen und Wiener, die im Beruf weiterkommen möchten. Mit dem Beratungszentrum haben wir für sie die Angebote dafür unter einem Dach gebündelt. Bis heute gibt es diese einzigartige Kombination, nämlich individuelle Beratung und Förderung aus einer Hand, in keinem anderen Bundesland. Die steigenden Kundinnen- und Kundenzahlen zeigen, dass diese Entscheidung richtig war.

Zehn Jahre Beratungszentrum bedeutet auch: Zehn Jahre Wirtschaftskrise und ihre Folgen. Welche Rolle konnte da das Beratungszentrum des waff spielen?

Wir haben in Wien einen präventiven Zugang gewählt und angeboten, dass man sich bereits dann melden und informieren kann, wenn man Angst um den Job hat. Wenn Fragen auftauchen wie: Wo kann ich mich hin orientieren, welche Fördermittel gibt es und wie kann ich mich beruflich weiterentwickeln, dann waren und sind wir die richtige Adresse. Dazu kommt, dass wir in der ersten Phase der Wirtschaftskrise auch die Förderangebote angepasst haben. Gerade 2010, am Höhepunkt der Krise, haben wir den Weiterbildungstausender in Wien eingeführt (bis zu 1.000 Euro Förderung für Weiterbildungen) Das war ein enorm wichtiger Schritt.

Was hat sich in diesen zehn Jahren im Beratungszentrum selbst verändert?

Das Angebot hat sich verbreitert, einiges haben wir im Laufe der Zeit auch entsprechend adaptiert. Wesentlichster Einschnitt war wohl, dass wir 2013 begonnen haben, den Qualifikationsplan Wien umzusetzen. Das war insofern wichtig, weil wir damit jene besonders unterstützen, die höchstens die Pflichtschule abgeschlossen haben und darum im Berufsleben vor besonderen Herausforderungen stehen.

Wie hat sich denn die KundInnenstruktur in diesen zehn Jahren entwickelt?

Wir konnten einige Veränderungen feststellen, die vor allem mit politischen Schwerpunkten zusammenhängen. Wir haben verstärkt Menschen mit maximal Pflichtschulabschluss angesprochen. Wir haben mittlerweile mehr Kundinnen und Kunden mit Migrationshintergrund. Es gibt mehr Personen, die ihre mitgebrachte Ausbildung nicht verwerten können. Das zeigt, dass wir unsere Zielgruppen auch gut erreichen. Bei der Auswahl unserer Beraterinnen und Berater nehmen wir daher auch auf all diese neuen Entwicklungen Rücksicht. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zeichnen sich aber vor allem durch hohe Kommunikationsfähigkeit, Kundenorientierung und Flexibilität aus. Die sehr gute Kundenzufriedenheit ist der beste Beweis für unser Service und die Qualität der Beratungen.

Ein besonderer Schwerpunkt war seit jeher die Unterstützung von Frauen. Warum gibt es diesen Fokus?

Die Förderung von Frauen war schon immer im waff verankert. Es war vor allem auch den politisch Verantwortlichen ein großes Anliegen, beschäftigten Frauen, die sich beruflich verändern möchten, ein Angebot zu machen. Gerade wenn es um Entlohnung, Karriere- und Aufstiegschancen geht. Darum haben wir das Programm FRECH (Frauen ergreifen Chancen) ins Leben gerufen und immer wieder den Gegebenheiten am Arbeitsmarkt angepasst. Zuletzt haben wir hier zukunftsweisend einen Digitalisierungs-Schwerpunkt gesetzt.

Arbeitsmarktpolitik funktioniert über Zusammenarbeit und Kooperation mit anderen Einrichtungen. Wie ist in diesem Punkt das Fazit nach zehn Jahren?

Wir haben von Anfang an mit anderen Einrichtungen und auch über Bundesländergrenzen hinweg zusammengearbeitet. Startschuss dafür war die Weiterbildungsdatenbank, die bis heute eine Kooperation von Wien und dem Burgenland geblieben ist. Das prominenteste Beispiel für eine besonders enge Zusammenarbeit aller relevanten bildungs- und arbeitsmarktpolitischen Einrichtungen war und ist wohl der Qualifikationsplan Wien. So haben wir etwa auch den Qualifikationspass gemeinsam mit dem AMS Wien entwickelt – das war Pionierarbeit: Seither gibt es in Wien ein institutionsübergreifendes Dokumentationssystem für die berufliche Entwicklung von Menschen, die höchstens einen Pflichtschulabschluss haben. Und ganz wichtig: Seit 2008 sind wir gemeinsam mit der Beratungsstelle Perspektive, die Migrantinnen und Migranten berät, unter einem Dach untergebracht und arbeiten eng zusammen.

Zurückzuschauen bedeutet natürlich auch, Highlights zu benennen. Welche waren die Höhepunkte in den vergangenen zehn Jahren Beratungszentrum?

Einzelnen Highlights kann ich gar nicht nennen. Ganz herausragend war, dass wir immer einen großen Rückhalt auf politischer Ebene für unser Leistungsangebot hatten. Und dass wir dafür auch immer die finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt bekommen haben. Diese Kontinuität ist das wahre Highlight. So konnten wir für die Wienerinnen und Wiener in den letzten zehn Jahren das hohe Niveau unserer Angebote mit einer sehr guten Beratungsqualität halten beziehungsweise sogar noch weiter verbessern. Das honorieren unsere Kundinnen und Kunden auch: in den KundInnenzufriedenheits-Befragungen bekommen wir hervorragende Noten.

Richten wir den Blick nach vorne: Was kommt auf das Beratungszentrum und seine KundInnen zu?

Präventive Arbeitsmarktpolitik bedeutet auch, dass unsere Aufgabe nicht obsolet wird. Die Herausforderungen, vor denen die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer stehen, sind sehr groß, gerade vor dem Hintergrund der Digitalisierung und künftiger Qualifikationsanforderungen. Bei diesen Herausforderungen und Veränderungen der Arbeitswelt gilt es, die Wiener Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bestmöglich zu begleiten. Wir versuchen auch, die Möglichkeiten, die neue Technologien bieten, zum Wohle der Kundinnen und Kunden einzusetzen, etwa um die Prozesse noch rascher und effizienter zu machen.

Bleibt nur noch ein Wunsch für die Zukunft? 

Ich persönlich wünsche mir, dass in Wien die Strategie weiterverfolgt wird, jene Menschen besonders zu unterstützen, die es am Arbeitsmarkt schwer haben. Das ist und bleibt eine der zentralen Herausforderungen dieser Stadt. Natürlich liegt mir auch besonders am Herzen, dass die Gleichstellung von Frauen und Männern am Arbeitsmarkt in Wien weiter besonders gefördert wird.