Die Kohlmeise bleibt den Winter über in Wien. Mit handgemachten Futtersäckchen oder Futterhäuser können Sie Vögel im Winter bei der Überwinterung unterstützen. © Ferdinand Schmeller/MA 22

Amsel, Drossel, Fink und Star

Im Winter wird es ruhig in der Natur. Die meisten Vögel verabschieden sich in der kalten Jahreszeit Richtung Süden, einige bleiben hier. Doch warum ist das so? CLUB WIEN forscht nach und gibt Tipps, wie Sie Vögel beim Überwintern unterstützen können.

Es ist kalt draußen. Sobald die Temperaturen sinken, wird es still in der Natur. Es beginnt die ruhige Jahreszeit. Denn ob Winterstarre, Winterruhe oder Winterschlaf, die meisten heimischen Tiere verbringen die kalte Jahreszeit im Ruhezustand. Doch nicht alle, denn viele Vögel fliegen, sobald es kälter wird, in den Süden und verbringen die kalten Monate in herrlich warmen Gebieten. Aber es gibt auch winteraktive Tiere. Diese legen keine Winterruhe ein und ziehen auch nicht weiter. So tummeln sich im Wald Hirsche, Rehe, Wildschweine, Füchse und Hasen, und auch viele Vögel ziehen nicht weiter. Diese Vögel werden Standvögel genannt, dazu gehören Spatzen, Meisen, Amseln und viele andere. Jedes Jahr werden sie bei der "Stunde der Wintervögel" gezählt. Zudem kommen viele Vögel aus dem Norden nach Wien, um hier zu überwintern. Doch warum ist das so? CLUB WIEN hat sich mit dem Vogelexperten Ferdinand Schmeller von der Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22) getroffen und mit ihm über heimische Vögel und ihre Überwinterung gesprochen.

CLUB WIEN: Warum bleiben einige Vögel den Winter über in Wien, andere hingegen ziehen in den Süden?

Ferdinand Schmeller: Hauptgrund ist die Nahrungsverfügbarkeit. Aus diesem Grund ziehen vor allem Insektenfresser in den Süden. Im Winter gibt es keine oder zumindest nicht ausreichend Insekten. Andere Arten sind physiologisch schlecht an winterliche Verhältnisse angepasst und ziehen deswegen weiter. Allerdings wird zunehmend beobachtet, dass Individuen von einigen Vogelarten, die vor Jahrzehnten noch ausschließlich weitergezogen sind, immer häufiger auch überwintern. Ein Hauptgrund dafür dürfte die Klimaerwärmung sein.

Während die einen in den warmen Süden ziehen, kommen viele Vögel aus dem Norden zu uns, um hier die kalte Jahreszeit zu verbringen. Denn im Gegensatz zu den Wintern im Norden ist der Winter bei uns viel milder. Ein Beispiel dafür ist der Seidenschwanz. Dieser ist im Nordosten von Europa heimisch. Wenn der Winter dort besonders hart und kalt ist, ziehen die Vögel in großen Schwärmen weiter und verbringen den Winter in etwas wärmeren Regionen wie Wien. Ein anderes Beispiel ist der Bergfink, der in den Alpen, also in größeren Höhenlagen, lebt und von dort bei viel Schnee in großen Schwärmen ins Tal und bis in die Stadt kommen kann.

Wieder andere Arten kommen aufgrund der Nahrungsverfügbarkeit und der meist milderen klimatischen Bedingungen aus dem Stadtumland vermehrt in die Stadt.

Welche Vogelarten bleiben den Winter über in Wien?
Grundsätzlich bleiben alle Vögel, die sich nicht ausschließlich von Insekten ernähren, den Winter über hier. Dazu gehören die Finken-Vögel, der Buch- und der Grünfink, der Stieglitz, der Gimpel, der Haus- und der Feldsperling. Einige dieser Arten kommen sogar vermehrt in die Stadt, da hier das Nahrungsangebot besser und es zudem noch etwas wärmer als auf dem Land ist. Finken-Vögel sind sogenannte Körnerfresser. Aber auch die sogenannten Weichfutter- und Allesfresser bleiben großteils bei uns, wie etwa die heimischen Meisenarten.

Auch die meisten Wasservögel wie der Höckerschwan, der Eisvogel, das Blässhuhn und die Stockente bleiben ganzjährig bei uns. Neben den Arten, die bleiben oder gen Süden ziehen, gibt es auch noch einige Arten, die im Winter überhaupt erst zu uns in die Stadt kommen. Dazu zählen der Kormoran, der Gänsesäger sowie diverse Enten- und Möwenarten. Mit zunehmender Kälte verlassen diese Vögel ihre nördlich gelegenen Lebensräume und machen sich auf die Suche nach offenen und eisfreien Gewässern wie der Donau.

Das heißt, dass im Winter nicht nur viele Vögel in den warmen Süden ziehen, sondern auch viele Vögel vom Norden zu uns kommen, um hier den Winter zu überstehen. Doch mit Eis und Schnee sinkt auch das Futterangebot und die Vögel müssen sich gute Überlebenstaktiken einfallen lassen.

Wie schaffen es heimische Vögel, sich den harten Winterbedingungen zu widersetzen? Welche Anpassungsstrategien wenden sie an?
Einige Vogelarten können ihre Ernährung umstellen oder sind flexibler und fressen nicht nur Insekten, sondern auch Körner, Beeren und Ähnliches. Eine weitere Strategie betrifft das Federkleid der Vögel. Wenn es besonders kalt ist, bewegt sich der Vogel kaum. Dadurch spart er Energie. Er sucht windgeschützte Bereiche auf und plustert sein Gefieder auf. Die Luftschichten im Gefieder und zwischen den Federn isolieren perfekt. Zudem vergräbt der Vogel den Schnabel im Rückengefieder und gleicht zunehmend einem Ball. Dadurch verringert er die Körperoberfläche und schützt sich vor dem Auskühlen. In extremen Situationen suchen die Vögel auch Schutz in offenen Dachböden, vor allem in der Nacht. Wenn die Sonne scheint, wird die Sonnenenergie von den Vögeln zum Aufwärmen genutzt.

Vögel, die den Winter über hier bleiben, sind perfekt an das kalte Klima angepasst. Sie stellen ihre Ernährung um und ihr Gefieder schützt sie vor der eisigen Kälte. Das ermöglicht ihnen das Überleben unter extremen Bedingungen. Aber auch wir können den Vögeln helfen, den Winter möglichst schonend zu überstehen.

Was kann man in Winter für die Vögel tun?
Vor allem den Singvögeln, die in Gärten oder Parks leben, kann man durch Winterfütterung helfen. Gefüttert werden sollte spätestens bei geschlossener Schneedecke sowie Nahrungsknappheit. Damit die Vögel die Nahrungsquelle auch entdecken, ist es sinnvoll, bereits kurz vor dem ersten Schnee zu füttern. Für die Fütterung ist wichtig, dass man nicht nur Körner für die Körnerfresser anbietet, sondern auch Weichfutter für die Weichfutter- und Allesfresser.

Als Körnerfutter eignen sich Sonnenblumenkörner und Hanfsaat besonders gut, da sie wichtige Fette enthalten. Ergänzend sollten zerkleinerte Nüsse, Haferflocken und andere Sämereien gefüttert werden. Solche Mischungen sind im Handel erhältlich, können aber auch selbst hergestellt werden.

Als Weichfutter eignet sich eine Mischung aus Beeren, Haferflocken, Weizenkleie und (Rinder-)Talg. Solche Mischungen sind als Meisenknödel im Handel erhältlich. Wer Weichfutter selbst herstellen möchte, sollte dafür zuerst den Talg erhitzen und dann im Verhältnis 1:1 mit den anderen Zutaten vermischen. Anschließend wird die Masse in eine Form gegossen. Dafür können Sie einen Blumentopf oder eine halbe Kokosnussschale verwenden. Nach dem Abkühlen kann das Futter aufgehängt werden.

Grundsätzlich sollten beim Vogelfutter möglichst biologisch angebaute Zutaten verwendet werden. Und ganz wichtig: Gesalzene und gesüßte Speisen sind absolut ungeeignet!

Ist es sinnvoll kleine Vogelhäuser zu bauen?
Kleine Vogelhäuser, im Sinne von Futterhäuschen sind eine gute Sache. Durch die Konstruktion der Futterhäuschen muss sichergestellt sein, dass kein Kot in das Futter gelangen kann. Dies kann passieren, wenn sich das Futter am Boden des Häuschens befindet. Als Unterstand sind Futterhäuschen daher nur bedingt geeignet. Wichtiger sind dichte Hecken, offene Dachböden und Ähnliches. Tatsächlich sind die Vögel auch nur in sehr harten Wintern auf Unterstände angewiesen.

Wenn Sie den Vögeln im Winter also etwas Gutes tun wollen, achten Sie darauf immer Bio-Produkte, das heißt Bio-Körner, -Sonnenblumen oder -Hanfsaat zu verwenden. Wichtig ist auch, wie das Futter aufgehängt wird. Vogelhäuschen, in denen sich das Futter am Boden befindet, eigenen sich nicht wirklich, da sich hier der Schmutz am Boden sammelt. Hängen Sie lieber einen Meisenknödel oder ein selbst gemachtes Futtersäcken auf. 

Amsel, Drossel, Fink, Star und die ganze Vogelschar wünschen Ihnen ein frohes Jahr.