Wir zeichnet man eine Manga-Figur? Im VHS-Online-Kurs "Mangas zeichnen" lernt man das Schritt für Schritt. © VHS

 

Gemeinsam Mangas zeichnen

Zeichnen ist mehr als ein Hobby. Kunst ist für viele Menschen eine erfüllende Tätigkeit. Die VHS unterstützt das mit einem breiten und attraktiven Angebot. Wir haben den Kurs „Mangas zeichnen“ getestet.

Manga ist der japanische Begriff für Comics. Mit ihrem markanten Stil haben Mangas in den letzten Jahrzehnten die Welt erobert. Hand in Hand mit den Animes, den japanischen Trickfilmen, ist die Comickunst aus dem fernen Osten längst bei uns angekommen. Als Kind der 90er-Jahre sind wir mitten im großen Boom aufgewachsen und haben täglich Serien wie „Kicker“, „Mila Superstar“ oder „Sailor Moon“ geschaut und unser Taschengeld für den nächsten Band von „Dragon Ball“ gespart.

Umso gespannter sind wir also auf den Kurs „Mangas zeichnen“. Da wir nicht gerade mit Talent gesegnet sind und sogar unsere Strichmännchen ziemlich bescheiden aussehen, wird es spannend zu erfahren, ob der Kurs Brauchbares aus uns rauskitzeln kann. Das Kunstprogramm der VHS Wien ist im Übrigen sehr umfangreich und hat für jede und jeden etwas. Unter diesem Link können Sie nach dem perfekten Kurs für Ihre Interessen suchen.

Der Kurs findet online statt, wir können also ganz gemütlich vor dem Computer und in der Jogginghose in die Welt der Mangas eintauchen. Kursleiterin Sarah Schuchter ist Künstlerin und bestens ausgebildete Expertin. Das merkt man auch schon in den ersten Minuten, ebenso wie die Leidenschaft, die Schuchter für das Thema mitbringt. Nach einer kleinen Einführung die Welt des ungezügelten Bildes, das heißt Manga auf Deutsch, sind die Teilnehmer*innen heiß darauf, den Bleistift zu schwingen.

 

Die Augen machen den Charakter

Im Kurs lernt man über mehrere Einheiten verteilt, wie man eine Figur komplett gestaltet und zeichnet. Der erste Schritt ist dabei auch schon einer der wichtigsten: die Augen. Die sind bei den Mangas besonders prominent und besonders ausdrucksstark. Sie transportieren viel Emotion und prägen den Charakter einer Figur. Ein typisches Merkmal des Mangas ist der Lichtreflex, der in so gut wie allen Augen zu finden ist. Das ist ein weißer Fleck in der Iris, der nicht nur Licht widerspiegelt, sondern wesentlich zur Emotion beiträgt. Bei starken Gefühlsausbrüchen, wie Freude, werden diese Reflexe zum Beispiel größer und dominanter gezeichnet. Auch sehr markant: die Schatten, die rund um die Augen gezeichnet werden. Diese sind für die Stimmung wichtig und repräsentieren Rötung, zum Beispiel bei Zorn oder Scham. Der heimliche Star des Emotionsspiels ist aber die Augenbraue. Achten Sie bei der nächsten Lektüre darauf, wie die Künstler*innen mit diesen spielen.

Schuchter zeigt ein paar Beispiele und erklärt dann auf den Strich genau, wie man Augen zeichnet. Natürlich gibt es Hunderte Varianten, die Augen zu gestalten. Und siehe da: Mit einer präzisen Anleitung gelingt es auch Zeichner*innen auf Volksschulniveau wie uns, ein vernünftiges Resultat auf das Papier zu bringen. Wenn man weiß, welcher Strich wohin gehört, macht das Zeichnen auch Spaß. Wir sind schon nach dem ersten Augenpaar mehr als stolz auf unsere Leistung.

Wir malen uns ein Gesicht

Der logische nächste Schritt nach den Augen ist das Gesicht. Dabei starten wir damit, einen möglichst gleichmäßigen Kreis auf das Papier zu malen. Der Strich sollte sehr zart ausfallen, da wir Teile des Kreises nachher wieder ausradieren möchten. Jetzt malen wir zwei Striche durch den Kreis, einen genau in der Mitte quer, den anderen ebenso zentral, aber senkrecht. „Der häufigste Fehler beim Zeichnen von Gesichtern ist, dass die Augen meist zu weit oben sind. Die Augen sollten genau in der Mitte des Gesichts sein“, sagt Schuchter. Wir platzieren unser Augenpaar also genau dort. Zuerst sieht es so aus, als wäre das zu weit unten, wenn dann aber die Haare gezeichnet sind, passt das perfekt. Die Ohren platzieren wir außen, auf Höhe der Augen.

Die Nase ist in Mangas oft sehr simpel gehalten und besteht meist nur aus wenigen Strichen. Sogar einer reicht aus. Und nach dem Motto „Weniger ist leichter“ machen wir das auch so. Unser Mund besteht ebenfalls nur aus einem Strich. Das Kinn lassen wir spitz nach unten zulaufen und der Hals sowie der Schulteransatz ergibt sich quasi von selbst. Bleiben die Haare: Und wie man weiß, sind extravagante Frisuren bei Mangas sehr beliebt. Man kann sich da blendend austoben und wild in alle Richtungen malen. Einzige Regel, die man beachten sollte: „Legt bei den Haaren einen Scheitelpunkt fest. Sämtliche Strähnen sollten von diesem ausgehen, sonst wird die Frisur nicht gut aussehen“, erklärt Schuchter. Wir halten es bei der Frisur wieder simpel. Ein paar Strähnen in die Stirn und schon ist er fertig, unser erster Mangakopf. Wir sind mit dem Ergebnis mehr als zufrieden.

Es ist erstaunlich, wie gut die erste Stunde geklappt hat. Dank der erstklassigen Anleitung von Schuchter haben wir tatsächlich ein präsentables Bild gemalt. Kaum zu glauben! Wir sind jedenfalls auf die weiteren Einheiten gespannt. Und wer weiß, vielleicht schaffen wir am Ende ja eine ganze Figur oder sogar ein ganzes Bild. Als Menschen, die sich nie groß mit dem Zeichnen beschäftigt haben, stellen wir fest: Es ist ein wunderbares Hobby, bei dem man sich entspannen kann und das auch die Glückshormone ankurbelt. Das VHS-Programm werden wir weiterhin im Auge behalten!