Hannes Richter zeigt im Webinar die ganze Schönheit des Südhimmels, darunter auch viele Sternzeichen wie der "Zentaure" und "Das Schiff", zwei der wunderschönen Bilder des Südhimmels. © VHS

 

Via Computer zu den Sternen reisen

Die Wiener Volkshochschulen haben auch für FreundInnen der Astronomie ein breites Kursangebot, darunter auch Webinare. Wir haben so die "Geheimnisse des Südhimmels" kennengelernt.

Manche Sterne sind für uns in weiter Ferne. Die Sternbilder des Südhimmels etwa sind für uns Bewohnerinnen und Bewohner der Nordhalbkugel nicht alle sichtbar. Gut also, dass man heutzutage mit dem Computer überallhin auf der Welt reisen kann. Die VHS ist dabei unser Reiseleiter. Das Webinar "Geheimnisse des Südhimmels" ist einer der zahlreichen Kurse zum Thema Astronomie, die angeboten werden. Das komplette Angebot finden Sie unter diesem Link.

Die Reiseleitung an diesem Abend übernehmen die Vortragenden Hannes Richter vom Planetarium Wien und Astronomin Dorothea Holzschuh. Wie entstand bei den beiden die Faszination für die Sterne? "Ich war großer Science-Fiction-Fan und wollte eigentlich Wissenschaftsoffizier auf einem Raumschiff werden. Ging aber nicht. Daher habe ich Astronomie/Astrophysik studiert", sagt Richter. "Ich bin zwar in Wien mit der Lichtverschmutzung und dem manchmal sehr hartnäckigen Hochnebel aufgewachsen, aber jedes Mal, wenn man die Sterne sehen konnte, war ich schon immer ganz begeistert davon. Später in der Schule waren es der Physikunterricht und auch die Ausflüge ins Planetarium, die mich dann endgültig zur Astronomie brachten", sagt Holzschuh.

 

Himmel über Kapstadt

Die Anmeldung für das Webinar ist ein Kinderspiel und gleich beim Start erklären Holzschuh und Richter, was der Südhimmel ist und mit welchem Programm wir die Reise zu den Sternen starten. Die Software nennt sich Stellarium und ist sogar gratis zu haben. Mit dem Programm lässt sich der Nachthimmel überall auf der Welt simulieren. Anfangs zeigen die beiden den Himmel über Wien. Besonders interessant sind die Sterne Betelgeuze und Rigel, beide Teil des Sternbilds Orion. Benannt ist es nach einem Jäger der griechischen Mythologie. Jene Sterne, die quasi den Gürtel des Jägers darstellen, sind gleichzeitig die Grenze zwischen Nord- und Südhimmel. Man kann von Wien also durchaus Sterne sehen, die am Südhimmel sind. Der hellste Stern am Himmel, Sirius, ist so einer.

Doch jetzt heißt es: Ab in den Süden! In Stellarium eröffnen Richter und Holzschuh den Blick auf den Nachthimmel über Kapstadt. Da fällt gleich auf, dass Orion hier quasi auf dem Kopf steht und man viele Sternbilder des Nordens wie Cassiopeia oder den Großen Bären gar nicht sehen kann. Dafür tut sich ein wahrer Schatz an uns unbekannten Sternen und Sternbildern auf. Da wären etwa der "Zentaure" und "Das Schiff", das eigentlich aus drei Sternbildern besteht. Schön anzusehen ist Canopus, der hellste Stern im "Kiel des Schiffs". Nicht minder spannend ist Achernar, ein ganz heller, blau-grünlicher Stern, der den Endpunkt des Sternzeichens "Der Fluss" darstellt. Dieser Fluss "fließt" über den Himmel, und zwar bis zum Sternbild Orion.

Begeisterung ist ansteckend

Egal über welches Sternbild auch gesprochen wird, man merkt Richter und Holzschuh die Begeisterung für den Kosmos an, und die beiden verstehen es auch, damit anzustecken. Die Freude am Unterrichten ist offensichtlich. "Wenn man die erstaunten und begeisterten Blicke der Kinder sieht, wie sie begreifen, wie viel da draußen noch zu entdecken ist, was es überhaupt alles gibt und wie besonders wir sind, das ist eine der schönsten Erfahrungen in diesem Beruf", sagt Holzschuh. Dass es wichtig ist, Kindern Astronomie im Speziellen und Wissenschaft im Allgemeinen näherzubringen, unterstreicht auch Richter. "Schöne Bilder aus dem Universum sind ein guter Weg, um junge Menschen für Wissenschaft zu begeistern und die Neugier für unsere Welt und für Naturwissenschaften im Allgemeinen zu wecken. Damit wir den Herausforderungen unserer Zeit begegnen können, braucht es Forschung und damit Forscherinnen und Forscher. Egal ob dann später jemand von unseren Besucherinnen und Besuchern Astronomie macht oder vielleicht doch einen anderen Weg einschlägt und zum Beispiel einen Impfstoff entwickelt. Sind Neugier und Interesse einmal da, kann großes geschehen."

Von Schmuckkästchen und galaktischen Nebeln

Und so tauchen wir alle gemeinsam ein in die Geheimnisse des Südhimmels. Highlights gibt’s endlos. Da wäre etwa das sogenannte "Schmuckkästchen", ein Sternhaufen in einem der bekanntesten Sternbilder, dem "Kreuz des Südens". Sternhaufen heißt, dass die Objekte sich relativ nahe beieinander gebildet haben. Im Lauf der Jahrmillionen entfernen sie sich aber voneinander. Der Name "Schmuckkästchen" rührt daher, dass die Sterne in diesem Haufen funkeln wie Diamanten. Im Herzen des "Schmuckkästchens" sehen wir auch einen Roten Riesen. Der ist rötlich, weil er sich dem Ende seines Lebens nähert und eine geringere Temperatur an der Sternoberfläche aufweist.

Auch sehr interessant ist der Nebel Carina im "Kiel des Schiffs". Dort erleben wir quasi das Gegenstück zum Roten Riesen, denn hier entstehen Sterne. Der Nebel besteht an und für sich aus Gas und Staub und ist ein Emissionsnebel, er leuchtet also von selbst, indem er die Strahlung der Sterne aufnimmt und wieder abgibt. Dazwischen sehen wir auch einige dunkle Flecken. Das ist der Staub, der das sichtbare Licht verschluckt und dafür im infraroten wieder abgibt.

Während des Kurses kann man übrigens auch Fragen eingeben, die dann im Anschluss behandelt werden. Und fragen könnte man endlos viel. Haben die Vortragenden vielleicht ein Highlight auf dem Südhimmel? "Der Kugelsternhaufen 47 Tucane ist mein Lieblingssternhaufen. Ich habe mit ihm viel zu tun gehabt während meiner Forschungsarbeit. Schön ist er auch!", sagt Richter, der auch unsere Nachbargalaxien, die Magellanschen Wolken, als Highlight hervorhebt. Die sieht man auch nur im Süden.

Wer nach dem Webinar Lust auf mehr hat, und da zählen wir uns definitiv dazu, sollte das Angebot der VHS genau studieren. Doch auch sonst gibt’s in Wien Möglichkeiten, gen Sterne zu schweifen. "Momentan ist es zwar durch Covid etwas schwieriger, aber um mehr zu erfahren, kann ich einen Besuch der Universitätssternwarte oder auch die Veranstaltungen der Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie sehr empfehlen. Und klarerweise sind die astronomischen Einrichtungen der Wiener Volkshochschulen für mich Anlaufstelle Nummer eins, um jeglichen astronomischen Wissensdurst zu stillen", sagt Holzschuh. Auch Hannes Richter kann da nur zustimmen: "Interesse kann natürlich bei uns im Planetarium Wien, der Kuffner und der Urania Sternwarte gestillt werden. Derzeit online, vor Ort, wenn es wieder möglich ist."

In diesem Sinne: Wir sehen uns hoffentlich im Universum!