20.FEBRUAR 2019 
Lifestyle
Mit diesen Rückgabeautomaten für Kaffeebecher sagt Wien der Verschwendung den Kampf an. © PID/Gökmen

Verwenden statt verschwenden

In Wien wird Umweltschutz großgeschrieben. Dem Abfall- und der Lebensmittelverschwendung wird aktiv entgegengetreten. Das zeigen ein Mehrwegbecherprojekt und Förderungen für nachhaltige Unternehmen.

Eine Idee hat das Potenzial, 1.344 Fichten zu retten. So viele Bäume könnten stehen bleiben, wenn die in Wien alljährlich entsorgten 84 Millionen „Coffee to go“-Einwegbecher durch umweltfreundliche Mehrwegbecher ersetzt werden. Gleichzeitig würde man durch die geringere Produktion den Energiebedarf von 2.500 Haushalten einsparen.

Die Firma Cupsolutions startet das Mehrwegbecherprojekt in Kooperation mit der Stadt Wien. Unter dem Motto "Mehrweg is mei Kaffee" soll das erste Mehrwegbecher-System für Kaffeebecher in Wien etabliert werden. Die Lebenserwartung des durchschnittlichen Kaffeebechers beträgt 15 Minuten, danach wird daraus Abfall. Die neuen Mehrwegbecher hingegen sind rund 500 Mal einsetzbar.

Es geht auch umweltfreundlicher

Ab Mitte Jänner startet das Pilotprojekt in der Inneren Stadt. Und so funktioniert es: Kauft man bei einem der Partnerbetriebe einen Kaffee, erhält man eine "myCoffeeCup". Die kann wiederum bei allen Partnern oder bei einem der Rückgabeautomaten einfach und bequem abgegeben werden. Die Automaten findet man an öffentlichen Plätzen, aber auch in diversen Stationen der Wiener Linien. Bei der Abgabe wird der Einsatz von einem Euro rückerstattet, der Becher wird gereinigt und wiederverwendet.

"Wir wollen im schnelllebigen Kaffee-Business zeigen, dass es auch hier möglich ist, bequem auf Einweg zu verzichten. Mit unserem Becher verzichtet man auf unnötigen Müll, ohne seinen eigenen Becher von zu Hause ständig herumtragen zu müssen", sagt Christian Chytil, Geschäftsführer von Cupsolutions.

Umweltfreundliche Unternehmer schaffen Arbeitsplätze

Unternehmen, die umweltfreundliche Initiativen und Geschäftsideen vorantreiben wollen, werden in Wien tatkräftig unterstützt. Die Wirtschaftsagentur Wien hat diverse Förderprogramme. "Wir beobachten in Wien, dass immer mehr Unternehmen ausgeklügelte Business-Ideen und Nachhaltigkeit vereinen. Wir unterstützen dieses Thema, denn hier werden neue Arbeitsplätze geschaffen und gleichzeitig passiert etwas, das der Umwelt und der Gesellschaft gut tut", sagt Gerhard Hirczi, Geschäftsführer Wirtschaftsagentur Wien.

Gegen die Verschwendung von Gemüse

Ein weiterer Betrieb, der von der Wirtschaftsagentur gefördert wurde, ist der nachhaltige Caterer "iss mich!". Dort wird Gemüse, das nicht der Supermarktnorm entspricht, verkocht. Anstatt vom Feld direkt in die Mülltonne zu wandern, werden unförmige Karotten und zu große Tomaten zu Suppen und Eintöpfen verarbeitet. Damit will Unternehmensgründer Tobias Judmaier einem Missstand entgegenwirken: Alljährlich landen in Österreich rund 30 Prozent der Gemüseernte, sprich 168.000 Tonnen, im Müll.

Die Produkte von "iss mich!" kann man entweder nach Hause ordern, als Bürocatering bestellen oder als Partyservice nutzen. Bei den Kundinnen und Kunden kommt nicht nur die Philosophie, sondern auch das Essen sehr gut an. "Unsere Suppen und Eintöpfe kommen sehr gut an. Vor allem, da wir von Hand und mit viel Liebe kochen. Derzeit versuchen wir den Vertrieb aufzubauen und uns auf dem Markt breiter aufzustellen. Vor allem unsere veganen Produkte sind sehr beliebt", sagt Tobias Judmaier.

Mit der Unterstützung der Wirtschaftsagentur Wien wurde ein Online-Shop erstellt und die Fahrradflotte ausgebaut. Aber auch sonst geht es voran: "Wir haben kürzlich unser Bistro im Impact Hub in der Lindengasse eröffnet. Das ist ideal, weil sich unsere Interessen, nachhaltiges Arbeiten und sozialer Impact, decken. Außerdem entsprechen unsere Etiketten jetzt den Kriterien des EU-Bio-Siegels", sagt Judmaier.

Judmaier hat auch ein paar nützliche Tipps für Privatpersonen, die Lebensmittelverschwendung vermeiden wollen:

  • gehen Sie nicht hungrig einkaufen.
  • machen Sie sich einen Wochenplan, in dem Sie auch Reste verwerten können.
  • kaufen Sie regional. Bei Importieren Waren ist die Verderbrate sehr hoch.
  • trauen Sie dem Mindesthaltbarkeitsdatum nicht, außer bei Fisch und Fleisch. Die meisten Produkte sind noch Tage und Wochen später gut!