Bei der Sonderführung erfahren Verliebte, was Räder, Autos und Automaten mit Gefühlen zu tun haben. © Bohmann / Andrew Rinkhy

Valentinstag im Museum

Das Technische Museum Wien veranstaltet am 14. Februar eine rund einstündige Sonderführung zum Thema Liebe. CLUB WIEN hat sich die einzelnen Stationen vorab angesehen.

Blumen, Pralinen, Candle-Light-Dinner - all das kennt man zum Valentinstag. Auch Schmuck, Parfum, Theaterkarten und Reisegutscheine gehören zum Standardrepertoire. Aber eine Führung im Museum? Am Tag der Liebenden? Wo sich alles um Technik dreht? "Gerade deshalb", sagt Museumspädagogin Manuela Gallistl. "Wir haben hier alles, was zum Thema passt. Von der Elektrisiermaschine über Vibratoren bis zu selbstspielenden Musikinstrumenten."

Elektrischer Kuss auf Jahrmärkten

Los geht es auf Ebene 1. In der rund 450 Quadratmeter großen Abteilung "Natur & Erkenntnis" steht ein unscheinbares Gerät. Es besteht aus Stangen, Kugeln, Zylindern und Scheiben. "Das ist eine Elektrisiermaschine aus den Anfängen des 19. Jahrhunderts", erklärt die Museumspädagogin. "Durch Reibung können damit bis zu 100.000 Volt erzeugt werden." Früher wurden diese Generatoren in erster Linie für wissenschaftliche Untersuchungen genutzt.

Mit der Elektrisiermaschine zeigt die Museumspädagogin, warum zwischen Verliebten die Funken sprühen. ©Bohmann / Andrew Rinkhy

Sie dienten aber auch zur Unterhaltung und brachten die Menschen zum Staunen. "Besonders beliebt war der sogenannte elektrische Kuss bei Empfängen und auf Jahrmärkten", erzählt Manuela Gallistl. "Dazu stellte man eine hübsche Dame auf einen Isolierschemel aus Holz. Dann verband man sie über einen verdeckten Draht mit der Elektrisiermaschine. Gab sie einem Besucher einen Kuss, kam es durch die Berührung zur Entladung und die Funken flogen. Angeblich entstand so die Redewendung, dass es zwischen zwei Menschen gefunkt hat."

Kondome kommen seit 1956 aus dem Automaten

Meist bleibt es nicht bei einem Kuss, wenn man sich mag. Damit intime Stunden keine unliebsamen Folgen haben, ließen sich Männer über Jahrhunderte hinweg seltsame Dinge einfallen. Schildkrötenpanzer, Blätter, Rinden, Fischblasen, Tierdarm, Leinen - aus allem bastelten sie Behältnisse, um sich vor Geschlechtskrankheiten und unerwünschten Kindern zu schützen. Und dann kam Charles Nelson Goodyear und mit ihm die Vulkanisierung von Kautschuk. Wie es, basierend darauf, zur Massenproduktion von Präservativen kam, erzählt die Kulturvermittlerin bei der nächsten Station. 

Manche Besucherinnen und Besucher können sich noch an Kondomautomaten erinnern. Heute haben sie Seltenheitswert. ©Bohmann / Andrew Rinkhy

"Wir zeigen hier aber keine Kondome, sondern Condomaten", stellt sie auf dem Weg in den 3. Stock klar. "Eigentlich ist es eine kleine, recht simpel anmutende, aber sehr wichtige Erfindung. George Bernard Shaw, der irische Dramatiker, hat sie sogar als die wichtigste Erfindung des 19. Jahrhunderts bezeichnet." Dass sie auf Goodyear zurückgeht, war reiner Zufall. Der amerikanische Wissenschafter arbeitete wie ein Besessener daran, Naturkautschuk durch chemische Zusätze haltbarer zu machen.

Irgendwann fiel ihm eine Mischung aus Schwefel und Kautschuk auf eine Herdplatte. Die Hitze veränderte das Material so, dass es plötzlich neue Eigenschaften aufwies: Die Oberfläche war nicht mehr klebrig, sondern vulkanisiert. Dabei wird Kautschuk mit Druck und Hitze widerstandsfähig gemacht. So war es möglich Gummi herzustellen, der wasser-, wärme- und kältefest sowie bruchstabil war. 1855 stellte er das erste Gummi-Kondom her, 1870 ging es in die Serienproduktion. "In Österreich konnte man Kondome erstmals 1956 aus Automaten ziehen. Unsere Objekte, die sogenannten Condomaten, stammen aus den 1980er-Jahren. Sie haben also fast schon historischen Wert. Ganz im Gegensatz zu dem Ausstellungsstück bei der nächsten Station", schmunzelt Manuela Gallistl. 

Eines der jüngeren Ausstellungsstücke ist der Anlege-Vibrator für die Frau. ©Bohmann / Andrew Rinkhy

Handy-App steuert Vibrator

Auf der gleichen Ebene, allerdings im Bereich "urban life", steht ein pinkfarbenens kleines Etwas in einer Vitrine. Selbst bei mehrmaligem Hinschauen lässt sich schwer erkennen, was es ist. "Ein Anlege-Vibrator für die Frau", klärt Manuela Gallistl auf. "Hilfreich, wenn ein Paar eine Zeit lang getrennt ist oder eine Fernbeziehung führt." Getragen wird er unter der Kleidung, der Akku hält drei Stunden und es lassen sich unterschiedliche Vibrationsmuster einstellen. Schmunzelnder Nachsatz: "Kann übrigens auch in langweiligen Sitzungen eingesetzt werden."

Heiratsvermittler auf Rädern

Wie aber findet man eine Partnerin oder einen Partner, um so ein Spielzeug auszuprobieren? Während man heute auf Partnerbörsen im Internet setzt, war das früher der Job von Heiratsvermittlerinnen und Heiratsvermittlern. Bälle waren zum Beispiel eine gute Gelegenheit, um jemanden kennenzulernen. Dabei gab es strenge Regeln. "Im ersten Jahr trugen die jungen Mädchen Beige oder Weiß. Fand man keinen Ehmann, musste man im nächsten Jahr ein rosa oder blaues Kleid tragen. So war klar zu erkennen, wer übriggeblieben ist", erzählt Manuela Gallistl. und verrät: "Unsere nächste Station ist ein ganz besonderer Heiratsvermittler."

Das doppelsitzige Dreirad ermöglichte einem Pärchen ohne Anstandsdame ins Grüne zu fahren. ©Bohmann / Andrew Rinkhy

Auf Ebene 4 in der Abteilung "Mobilität" bleibt sie vor einer langen Reihe aus Zweirädern stehen und zeigt nach oben. "Hier hängt ein doppelsitziges Dreirad aus dem Jahr 1890, auch Heiratsvermittler genannt", sagt sie. Der Name kommt nicht von ungefähr. "In einer Zeit, in der das Miteinander von Männern und Frauen streng beaufsichtigt war, eröffnete dieses Rad die Möglichkeit zu einem ungestörten Ausflug zu zweit."

Damit der Mann die Lenkung nicht abgeben musste, wurde eine Stange vom Vorder- zum Hinterrad gelegt. ©Bohmann / Andrew Rinkhy

Es gab dabei nur ein Dilemma: Die damaligen Konventionen wollten es, dass der vordere Sitz der Dame vorbehalten war. Sie musste dadurch nicht auf den Rücken des Mannes schauen, sondern konnte die Aussicht genießen. Es war aber auch technisch sinnvoll, die Steuerung des Rades vorne zu lassen. Das hätte allerdings bedeutet, dass der Mann der Frau das Lenken überlassen musste. Die Lösung war eine Stange vom vorderen zum hinteren Lenker, sodass der Mann mitlenken konnte. "In der Praxis ergaben sich dadurch aber auch Probleme", sagt die Museumspädagogin, „ wenn Dame und Herr in die jeweils entgegengesetzte Richtung steuerten, blockierten sie sich gegenseitig."

Die Liebe zu Objekten

Ohne Konflikt lebte der Komponist Alban Berg seine Liebe aus. Er schenkte seiner Frau, seiner Geliebten und seinem „Auterl“ ergebene Zuneigung. "Er hatte eine fast erotische Beziehung zu seinem blau-schwarzen Cabriolet", wird auf dem Weg zur nächsten Station erklärt. "Bereits ein Dreivierteljahr vor dem Kauf ließ er sich den Katalog zum Gustieren schicken. Er nannte ihn liebevoll 'Blauer Vogel' und machte zahlreiche Ausflüge mit ihm." Der Ford A mit ausklappbaren Notsitzen und den Initialen A H B für Alban und Helene Berg befindet sich ebenfalls auf Ebene 4. "Mit seinen 40 PS bezwinge ich jede Bergstraße mit Leichtigkeit", soll Berg stolz gesagt haben.

Das geliebte Auto des Komponisten Alban Berg ist in einem überdimensionalen Geigenkasten ausgestellt. ©Bohmann / Andrew Rinkhy

Er kaufte auch zeitlebens nie wieder ein anderes Auto. "Im Gegensatz zu anderen Objektophilen liebte Berg aber auch Frauen. Das belegen zahlreiche Briefe." Das Geld für das Luxusgefährt kam aus den Tantiemen von Bergs erfolgreichen Oper "Wozzeck". Das Auto steht daher in einem überdimensionalen Geigenkasten direkt vor der Musiksammlung. "Dahin führt unsere letzte Station, denn was wäre die Liebe ohne Musik?"

Klavier und Geigen in einem Gehäuse, gesteuert von einem gelochten Papierband. Das ist die Hupfeld-Violina ©Bohmann / Andrew Rinkhy

Musik kam von selbstspielenden Instrumenten

Bevor die Musik aus dem Handy kam und Verliebte über Ohrhörer verbunden waren, gab es die Hupfeld-Violina. Sie ist ein Kombigerät aus Klavier und Geigen und stand in noblen Salons oder Hotels. Die Vorrichtung zum Automatisieren des Geigenspiels wurde von der Firma Hupfeld erfunden und galt 1907 als „achtes Weltwunder“. Drei Geigen, jede mit nur einer aktiven Saite, werden mit einem Rundbogen angestrichen. Der Rundbogen besteht aus Pferdehaaren, wie ein echter Geigenbogen. Die Geigen werden von einem Balg gegen den Bogen gedrückt. Ebenfalls balggesteuerte „Finger“ greifen die Töne auf den Saiten ab. Die Steuerung erfolgt über einen Lochstreifen, gemeinsam mit der Klaviersteuerung.

Sonderführung am Valentinstag


Bei der Spezialtour zum Fokus Liebe erzählt Manuela Gallisti noch mehr spannende Geschichten rund um die einzelnen Ausstellungsstücke. Eine Anmeldung ist unbedingt erforderlich. Die Führung kann auf Anfrage auch nach dem Valentinstag von Gruppen gebucht werden. Alle Objekte sind ganzjährig auch ohne Führung im Technischen Museum Wien zu sehen. Mit der CLUB WIEN-Vorteilskarte ist der Eintrittspreis ermäßigt.

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