Theodossia Nadiotis-Tsaka ist Leiterin des Fachbereichs Hygiene der MA 39. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Ungetrübte Badefreuden

In Wien kontrollieren ExpertInnen laufend die Wasserqualität, egal ob öffentliches Schwimmbad oder natürliches Badegewässer.

Badesachen einpacken und ab ins nächste Schwimmbad. Für viele Wienerinnen und Wiener gehört das zum Sommer wie Eisessen und Grillen. An heißen Tagen suchen allein in den städtischen Anlagen rund 100.000 Gäste Abkühlung. Dass das ohne Nebenwirkung bleibt, erfordert viel Aufwand hinter den Kulissen. Denn mit jedem Menschen kommen auch jede Menge Mikroor­ganismen wie Viren, Bakterien und Parasiten ins Wasser. Grund zur Sorge besteht dennoch nicht. Denn Österreich ist das einzige Land der EU, das ein Badewassergesetz und eine Bäder­hygieneverordnung hat. Darin geregelt ist unter anderem, welche Grenzwerte gelten, wie Keime bekämpft werden und in welchen Abständen Kontrollen erfolgen müssen. Der PH­-Wert und die Kon­zentration von Chlor zum Beispiel werden mehrmals täglich gemessen.

Auch technische Vorgaben sind genau fest­ gelegt. Beginnt Wasserqualität doch schon bei der Errichtung einer Anlage. Das gilt vor allem für künstlich angelegte Becken, für die Materialien ebenso aufgelistet sind wie die Aus­wirkungen der Wasserart. "Sprudelanlagen zum Beispiel erzeugen feine Tröpfchen", erklärt Theodossia Nadiotis-­Tsaka, Leiterin des Fach­ bereichs Hygiene der MA 39. "Dadurch verrin­gert sich der Gehalt an Desinfektionsmitteln im Becken. In so einem Fall muss dann natürlich mehr Chlor zugeführt werden."

Hans-Peter Hutter, hier bei der Probenentnahme im Jörgerbad, kritisiert mangelnde Hygiene bei Badegästen. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Chlor, Frischwasser und Hydraulik

Um das Badewasser risikofrei zu halten, wird neben Desinfektionsmitteln auch Frischwasser zugeführt. Pro Badegast sind 30 Liter vorgeschrieben, bei vielen Besucherinnen und Besuchern werden sogar 50 Liter zugeführt. Diese Menge ist notwendig, um den Anteil an gebundenem Chlor - entsteht, wenn Schmutzstoffe mit Chlor reagieren - wieder zu senken. Nachgefüllt wird aber auch, weil jeder Badegast bereits beim Einstieg rund 100 bis 150 Liter Wasser verdrängt. Dieser Überlauf wird in einem Ausgleichsbecken gesammelt, gereinigt, mit Frischwasser versetzt und strömt über Bodendüsen wieder ins Becken zurück. Die richtige Beckenhydraulik sorgt für eine gleichmäßige Verteilung der Desinfektionsmittel. Insgesamt befinden sich in den Schwimmbecken der Wiener Bäder rund 31 Millionen Liter Wasser, das im Laufe eines Badetages rund vier Mal den Reinigungskreislauf durchläuft.

Jährliche Gutachten

Zusätzlich erstellen die Hygienelabors der MA 39 im Auftrag der Badbetreiberinnen und -betreiber ein wasserhygienisches Gutachten. Die Expertinnen und Experten untersuchen dabei insgesamt 700 Becken auf chemische und mikrobiologische Parameter. Überschreitungen sind laut Nadiotis-Tsaka äußerst selten, selbst an starken Badetagen. Das liegt auch daran, dass die meisten Parameter mittlerweile elektronisch in Echtzeit angezeigt werden. Bei Überschreitungen ertönt ein akustisches Signal. Darüber hinaus sind drei Mal täglich händische Messungen vorgeschrieben.

Neben Technik und Chemie können auch die Badenden selbst wesentlich zur Wasserqualität beitragen. Duschen heißt das Zauberwort. "Leider hat diese Tradition nachgelassen", bedauert Hans-Peter Hutter, stellvertretender Leiter der Abteilung für Umwelthygiene und Umweltmedizin der Medizinischen Universität Wien, da mangelhafte Hygieneverhalten. "Das ist zweifach problematisch. Die üblichen Hautkeime plus Schweiß werden ins Wasser abgegeben. Außerdem kommt es durch den Kältereiz im Wasser zu einer Kontraktion der Harnblase, die nicht steuerbar ist, sodass Urintröpfchen ins Wasser gelangen." Gäbe es hier mehr Bewusstsein, könnte einerseits Chlor eingespart und andererseits Hautpilz vermieden werden. "Den kann man sich dort holen, wo Wasser über den Beckenrand schwappt und sich Lacken bilden."

Der Tipp des Experten: "Infektionen lassen sich einfach durch Badeschlapfen und das Abtrocknen der Zehenzwischenräume verhindern. Auch bei ausgewiesenen Naturbadegewässern werden regelmäßig mikrobiologische Untersuchungen durchgeführt. Im Gegensatz zu künstlichen Becken muss der Grenzwert allerdings nicht null sein. Meist ist das auch kein Problem. Einzige Ausnahme ist die Neue Donau.

Sie wurde als Hochwasserentlastungsrinne und damit als rein technische Maßnahme angelegt, erklärt Wolfgang Zoufal, stellvertretender Leiter Mikrobiologielabor MA 39. "Wenn es kein Hochwasser gibt, ist die Neue Donau ein wunderbarer Strand. Gibt es Hochwasser, besteht allerdings die Gefahr einer Verunreinigung durch überforderte Kläranlagen. Aus Sicherheitsgründen wird sie dann sofort gesperrt."

Heinz Jaksch entnimmt regelmäßig Proben aus der Alten Donau, um die Wasserqualität zu überprüfen. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Eigenleben der Natur

Trotz guter Wasserwerte kann aber nicht ausgeschlossen werden, "dass man sich bei Gewässern, die nicht mit Chlor aufbereitet sind, etwas holt", ergänzt Heinz Jaksch vom Biologischen Labor Wien-Ost. Badende hinterlassen nun mal Spuren im Wasser, die die Natur im Gegensatz zu Desinfektionsmitteln nicht ausgleichen kann. "Der einzige Schutz dagegen wäre, Menschenansammlungen zu meiden oder Abstand zu anderen zu halten." Auch das Eigenleben der Natur birgt Risiken. "Blaualgen zum Beispiel können zu Hautirritationen führen. Meist werden sie aber ohnehin wie in der Alten Donau, durch Unterwasserpflanzen wie das Tausendguldenkraut verdrängt." Das wächst bis an die Oberfläche und ist bei Schwimmerinnen und Schwimmern gefürchtet. Die Stadt Wien hat daher zu Beginn der 2000er-Jahre einen Mäh- und Bewirtschaftungsplan entwickelt. Danit werden die Bestände so kontrolliert, dass der Badebetrieb ungestört erhalten bleibt, ohne jedoch den Pflanzenbestand zu schädigen.

Unwohl fühlen sich manche Badende auch beim Anblick von Enten im Wasser. Nicht ganz zu Unrecht. Kann durch sie doch bei hohen Temperaturen die sogenannte Badedermatitis ausgelöst werden. Wasservögel, die mit Parasiten infiziert sind, scheiden deren Eier mit dem Kot aus. Die sich aus den Eiern entwickelnden Larven können sich in die Haut der Badegäste bohren und Juckreiz verursachen. Unangenehm, aber ungefährlich, gibt Jaksch Entwarnung: "Der Mensch ist ein Fehlwirt udn die Larve geht ein. Was bleibt, ist eine Pustel auf der Haut."

Null Risiko gäbe es dennoch nicht. Darin sind sich die Expertinnen und Experten einig. "Wenn etwas passiert, sind

Die MA 39 überprüft die Qualität von offenen Gewässern in Wien. Das sorgt für sicheres Badevergnügen. © Stadt Wien/Bohmann Verlag

Überprüfung der Wasserqualität

Natürliche Badegewässer:
Für 17 EU-Badestellen (darunter Alte und Neue Donau) gelten seit 1997 EU-Richtlinien. Sie werden 14-tägig überprüft.

  • Bei elf kleinen Naturbadeplätzen wie der Lobau wird drei Mal in der Badesaison überprüft.
  • Bei allen anderen, nicht ausgewiesenen Badestellen erfolgt keine Überprüfung. Damit liegt die Verwantwortung beim Badenden selbst.
  • Bei künstlichen Badebecken gilt das Österreichische Bäderhygienegesetz und die Österreichische Bäderhygieneverordnung. Es muss ein Mal im Jahr ein externes Gutachten erstellt werden. Die Überprüfung erfolgt unangemeldet. Darüber hinaus sorgen laufende Computeraufzeichnungen und tägliche händische Messungen für optimale Wasserqualität.

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