Füchse überleben nicht einfach nur in der Großstadt. An vielen Orten, öffentlich und privat, geht es ihnen sogar ganz prächtig. © Wiener Wildnis/Popp-Hackner
Verena Popp-Hackner und Georg Popp bei der Arbeit in ihrem Studio in Döbling. © Bohmann/Bubu Dujmic
Das Atelier von Popphackner Photography ist eine Fundgrube. © Bohmann/Bubu Dujmic
Die beiden sind preisgekrönte Naturfotografen. © Bohmann/Bubu Dujmic

Wien von seiner wilden Seite

In wenigen Metropolen der Welt gibt es so viel Lebensraum für Tiere wie in Wien. In unserer Stadt kreucht und fleucht es unentwegt. Verena Popp-Hackner und Georg Popp haben die Stadtnatur in einzigartigen Fotografien eingefangen.

"Das glaub ich nicht!" So reagieren viele, wenn man ihnen die Fotos der Serie "Wiener Wildnis" zeigt. Der herkömmlichste Verdacht: Die Tiere wurden in die Stadtlandschaft mithilfe von Photoshop eingebaut. Doch weit gefehlt. Das Projekt zeigt, dass alles, was man braucht, um Wiens erstaunliche Artenvielfalt einzufangen, Geduld und fotografisches Know-how sind.

Zwei Globetrotter bilden Wien ab

Das haben Verena Popp-Hackner und Georg Popp zur Genüge. Seit Jahren reisen die Globetrotter um die Welt und begeistern mit ihren Naturfotografien. Nach der Wildnis in Südamerika und Co stießen sie in Wien auf ein Paradies voller erinnerungswürdiger Schnappschüsse. "Wir dachten uns, warum sollten wir immer mit viel Aufwand die Wildnis auswärts suchen und nahmen uns stattdessen die Wiener Wildnis vor. Wir fanden es eine coole Idee und es war das einzige Projekt seiner Art weltweit. Dass sich das Ganze so entwickelt, haben wir aber nicht geplant", erinnert sich Georg Popp.

Verena Popp-Hackner und Georg Popp sind seit vielen Jahren ein erfolgreiches Team. Sehr beliebt sind ihre "Wiener Wildnis"-Kalender. © Bohmann/Bubu Dujmic

Perfekte Bedingungen

In Wien fanden die beiden ideale Rahmenbedingungen. 50 Prozent Grünraum ist für eine Weltstadt einzigartig. Und mit Naturarealen wie dem Nationalpark Donau-Auen haben Naturfotografen hier sehr ertragreiche Einsatzgebiete. Doch auch das verbaute Stadtgebiet erwies sich als Volltreffer. "Wir wollten den Leuten zeigen, dass die Stadt gar nicht so lebensfeindlich ist, sondern in der Tat einigen Tierarten einen sehr guten Lebensraum bietet. Teils besser als in der ländlichen Vorstadt", so Popp. Ein Paradebeispiel ist der Feldhamster. Favoriten hat die dichteste Population europaweit, während er in ländlichen Gebieten durch die Landwirtschaft nahezu ausgerottet wurde. "Uns war ganz wichtig, keine Negativgeschichte zu machen, sondern positiv zu zeigen, was ein urbaner Raum bieten kann." 

So klärt man seit vielen Jahren auf, dass Tierpopulationen in Städten nicht arm und dem Untergang geweiht sind, sondern in der Tat auch florieren können. Coole Fotos, um das zu demonstrieren, und eine positive Einstellung sind ihr Markenzeichen. "Irgendeine weggeschmissene Dose oder einen überfahrenen Vogel zu zeigen, ist für uns keine Story, das kann jeder zeigen, das ist uns zu leicht", so Popp.

Der Fuchs und die Großstadt

"Wir waren enorm überrascht, wie viele Leute in kürzester Zeit zu uns kamen, um uns zu berichten, wo Fuchs und Marder laufen, wo Enten am Balkon brüten und vieles mehr", erinnert sich Verena Popp-Hackner. Von Anfang an waren die Menschen vom Projekt begeistert. Das ist auch gut so. Denn will man Fotos vom Fuchs machen, muss man wissen, wo er nachts unterwegs ist. Nur so kann das Team die Lichtschranken und Kameras punktgenau platzieren. Positiv ist, dass viele Menschen sie auch auf ihr Privatgrundstück lassen. "Im öffentlichen Park die teure Fotoausrüstung stehen zu lassen, das ist natürlich nicht so optimal."

Dank eines Unterwasserfotografen, ein Schulfreund von Georg Popp, ist man in allen Elementen unterwegs. Von der Forelle in der Donau über den Igel, der durch die Wiese huscht, bis zur Fledermaus, die majestätisch über der Cityskyline schwebt, hat man schon alles vor der Linse gehabt. Die Fledermäuse zu erwischen zählte für die beiden übrigens zu ihren schwierigsten Projekten. "Bis wir da herausgefunden haben, wie und wo wir die am besten erwischen, das war sehr viel Recherche und sehr viel Arbeit. Wir haben nur ein einziges Bild zusammengebracht, das wir als gut erachten", so Popp-Hackner.

Eine Stadt im Biber-Fieber. Nicht nur für Verena Popp-Hackner zählen die Biber zu den absoluten Lieblingen. © Wiener Wildnis/Popp-Hackner

Biber und mehr

Besondere Erlebnisse hatte man viele. "Einmal haben wir einen Wels fotografiert, der zwei Meter lang war. Der ist so circa 80 bis 100 Jahre alt." Viele Tiere haben die beiden erstmals wirklich anschaulich abgebildet. Die Biber in Wien etwa kannte man lange Zeit nur von den angeknabberten Bäumen. So "richtig" fotografiert hat ihn vor den beiden angeblich niemand. "Sicher weiß man, wie so ein Biber ausschaut, aber es gab einfach damals keine gescheiten Fotos." Vielleicht ist der Biber darum heute noch Verena Popp-Hackners Favorit. 

Speziell nach Exoten suchen die beiden aber keineswegs. Da interessieren die Tauben genauso wie die Turmfalken. Wichtig ist der gute Schnappschuss. Mal ist es leichter, etwa im Sommer, wenn die Igel nächtens rudelweise im Stadtpark unterwegs sind, manchmal schwerer, wenn man schüchterne Tiere wie den Marder vor der Linse haben will. Viele der Fotos sind auf der Wiener-Wildnis-Website zu sehen, wo man sie auch als Print bestellen kann. Einen Kalender bringen die Fotografin und der Fotograf auch heraus.

Hinter vielen Fotos steckt harte Arbeit, etwa hinter diesem Motiv von einer Fledermaus, die mit der Müllverbrennungsanlage Spittelau im Hintergrund ihre Runden dreht. © Wiener Wildnis/Popp-Hackner

Große Pläne

Und was bringt die Zukunft? "Eine Outdoor-Ausstellung mit unseren besten Bildern würde uns reizen. Am besten wäre es, wenn die Bilder dort stünden, wo wir sie gemacht haben, egal ob jetzt im Augarten oder am Donaukanal. Das wäre eine spannende Idee", ist sich Popp sicher. Außerdem soll nächstes Jahr ein Bildband zum Thema erscheinen. Auch für Vorträge sind die beiden unterwegs, teilweise führt sie das bis Deutschland und Belgien. 

Man darf sich also auf weitere Einblicke in die Wiener Natur freuen. Dank zahlreicher umweltschützender Maßnahmen der Stadt, von der Errichtung von Naturdenkmälern bis hin zur Förderung des öffentlichen Verkehrs, besteht eine gute Chance, dass Wien künftig sogar noch ein bisschen "wilder" wird.

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Nachstehend finden Sie einige Links zu Artikeln auf inwien.at, die sich mit Umweltschutz, Erhaltung des Grünraums, Landwirtschaft und anderen Maßnahmen von Seiten der Wiener Stadtverwaltung und deren Partnerinnen und Partner auseinandersetzen:

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