Schmetterling Bläuling
Blitzblaue Schönheit: Die Anzahl der Bläulinge hat sich dank des Projektes "Vanessa" der Umweltanwaltschaft auf der Wiese hinter der Uno-City vervielfacht. © Jaros

Schützerin der Lebensqualität

Die intakte Umwelt macht Wien so lebenswert und besonders, wie es ist. Deshalb hat sie auch eine offizielle Anwältin, die sich um ihren Schutz kümmert, die Wiener Umweltanwaltschaft, WUA.

So vielfältig die Maßnahmen zum Schutz der Umwelt sein können, so vielfältig sind auch die Aufgaben der Wiener Umweltanwaltschaft: etwa Beratung von Bürgerinnen- und Bürgerinitiativen, Beantwortung von Bürgerinnen- und Bürgeranfragen wegen Baumfällungen, Ausarbeitung von Strategiepapieren zum Schutz der Umwelt, Umweltbildung für Kinder, Anti-Atom-Arbeit sowie Umweltverträglichkeitsprüfungen. Diese Tätigkeiten erfüllt die WUA in Kooperation mit vielen umweltrelevanten Institutionen wie etwa der MA 22, Wiener Umweltschutzabteilung.

Ein großer Erfolg, so Umweltanwältin Andrea Schnattinger, war zuletzt, dass wesentliche Umweltaspekte und -bekenntnisse in zukunftsweisenden Strategiepapieren festgehalten wurden: sowohl im "STEP 2025" als auch in den dazugehörigen Fachkonzepten zu Mobilität sowie Grün- und Freiraum. Auch in die "Smart City"-Strategie sind ehrgeizige Ziele zur Lebensqualität eingeflossen. Die größte Herausforderung derzeit ist das Bevölkerungswachstum in Wien. Als Schnattinger 2002 ihren Job antrat, sagt sie, "war Wien kaum am Wachsen. Es gab das Problem der steigenden Dichte noch nicht."

Umweltanwältin Andrea Schnattinger
„Es ist wichtig, die Stadt mit ihrer hohen Lebensqualität so weiterzuentwickeln, dass auch für mehr Menschen großzügige Grünräume für alle zugänglich sind“, so Umweltanwältin Andrea Schnattinger. © Niko Formanek

Die Biologin erklärt: "Jedes biologische System verändert sich mit der Zeit und in jedem gibt es Grenzen. Unser Fokus ist, auf diese Veränderungen rechtzeitig zu reagieren und die Stadtökologie so gut wie möglich aufrechtzuerhalten und vorausschauend zu handeln, um negative Auswirkungen auf die Umwelt so gering wie möglich zu halten oder zu verhindern."

Impulse für die Stadtplanung

Dafür ist es sinnvoll, dass nicht nur mit Abteilungen, die mit dem Naturschutz beauftragt sind, zusammenarbeiten. Wesentlich ist der gute Draht der WUA zur Stadtplanung, um dort umweltschützende "Samen" zu säen. Denn ein lebenswertes Wien bedeutet für jede Abteilung der Stadt Wien etwas anderes. Die Stadtplanung hat etwa einen anderen Fokus als die Umweltanwaltschaft. "Hier hilft reden. Wir fungieren als eine Art Übersetzer und vermitteln stadtökologische Zusammenhänge", so Schnattinger. Denn ein großer, betonierter Platz kann architektonisch interessant sein, ist aber für die Menschen im Alltag kaum brauchbar. "Wir setzen uns für nutzbare Natur und Freiflächen ein!"

Wohnzimmer im Freien

Die Entwicklung hin zu großen Wohnbauten mit kleineren Wohnungen habe Auswirkungen. Es sei auch wesentlich, die Aufenthaltsqualität im Freien zu verbessern, da sich das Wohnzimmer, etwa für Kinder und Jugendliche, zunehmend nach draußen verlagert. "Hier muss man sich fragen: Wer nutzt hauptsächlich den Freiraum und welche Bedürfnisse gibt es? Jugendlichen muss es möglich sein, auf begrünten Flächen eine Freiheitserfahrung zu machen: Sie können sich konsumfrei in 'unbegrenztem' Raum aufhalten und Natur erleben."

Verhindern einer "Hot City"

begrünte Fassade
Begrünte Innenhöfe, Fassaden und Dächer verbessern die Luftqualität dank Feinstaubbindung und reduzieren die Überhitzung im dicht bebauten Stadtgebiet. © Doppler

Auch Maßnahmen, um den Klimawandel nicht voranzutreiben, sind von enormer Bedeutung. Denn eines sei klar: Je dichter verbaut ist, desto heißer wird es. Der Verlust kühlender Grünflächen durch Bodenversiegelung muss möglichst gering gehalten werden. Und gleichzeitig muss ein Ausgleich geschaffen werden, etwa durch Bepflanzung im Umfeld, Wasserflächen, begrünte Fassaden und die Sicherung von zusätzlichem Grünraum im großen Stil. So hat sich die WUA auch für die Schaffung des Norbert-Scheed-Walds in der Donaustadt eingesetzt.

Aber nicht nur für die Menschen wird der Platz enger, sondern auch für die Tiere hat die dichte Besiedelung Auswirkungen. Hier hat sich die WUA vielfältig engagiert und viel erreicht: zum Beispiel durch die Entwicklung von Mustern für Glasflächen, um zu verhindern, dass Vögel daraufprallen. Wie etwa beim Matzleinsdorfer Platz oder auf der Friedensbrücke.

Friedensbrücke
Friedensbrücke: Beidseitig bedrucktes Verbundglas verhindert Vogelanprall, wenn der Zwischenraum bei den Markierungen kleiner als eine Handfläche ist. © Doppler

Wichtige Anstöße kamen von der WUA auch, um den Fortbestand von Gebäudebrütern wie Mauerseglern und Schwalben zu sichern. Für sie wurden Kunstnistplätze geschaffen und bei Renovierungen werden die Bedürfnisse der Vögel berücksichtigt. Auch die Lichtverschmutzung hat die WUA im Visier. Denn zu viel Licht im Außenraum irritiert Insekten und Vögel. Durch zielgerichtete LED-Leuchten wurden ihre Lebensbedingungen verbessert.

Prüfen, einschätzen, beraten

Bei Flächenwidmungen gibt die Umweltanwaltschaft oft Stellungnahmen ab. Ihre Vorschläge und Kritikpunkte müssen jedoch nicht berücksichtigt werden. "Schlagende Argumente und eine gute Gesprächsbasis helfen", sagt Schnattinger. Viel wertvolle Arbeit hinter den Kulissen machen auch die Gutachten im Rahmen von Umweltverträglichkeitsprüfungen und Naturschutzverfahren aus. "Wir bekommen nicht selten Kisten mit vier Metern an Ordnern zum Durcharbeiten", erzählt die Umweltanwältin. Diese werden von der WUA gesichtet: In dem interdisziplinären zwölfköpfigen Team arbeiten unter anderem ein Jurist, eine Landschaftsplanerin, eine Chemikerin, ein Naturschutzfachmann, ein Techniker und ein Physiker. Sie alle überprüfen die für ihr Fachgebiet relevanten Inhalte und geben Input für die gemeinsame Stellungnahme.

Hartnäckig Impulse setzen

"Wir können zwar nichts vollstrecken oder beschließen, aber wir sind konsequente Impulsgeber und richten unsere strategische Kraft dorthin, wo sie aktuell notwendig ist", so Schnattinger. Rückblickend, so die Umweltanwältin, sei ihr Job immer sehr spannend gewesen. Nur die Schwerpunkte haben sich verlagert: Die Kontakte und Anfragen gehen tendenziell eher weg von der einzelnen Bürgerin und dem einzelnen Bürger hin zu organisierten Bürgerinnen- und Bürgerinitiativen, die Verfahren werden mehr, sind aber sehr gut organisiert und die Mitarbeit an Strategiepapieren nimmt einen wesentlich größeren Teil ein, den größeren Herausforderungen entsprechend.

Unterstützung für die Bürgerinnen und Bürger

Ziesel
Bürgerinitiativen wie die gegen den Baustart eines Wohnprojektes in Stammersdorf, das den Lebensraum von Zieseln bedrohte, werden mehr. © MA 42

Aber auch die kleineren Herausforderungen nimmt die WUA ernst. So bearbeitet sie pro Jahr rund 1.300 Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern. Das Spektrum ist breit und geht von Fragen zu Mobilfunkmasten bis hin zu abgelagertem Müll. Die WUA ist jedoch nicht für eine individuelle Vertretung zuständig. Sie informiert, erklärt, prüft Verwaltungsrechtliches und vermittelt an andere Magistratsabteilungen. Regelmäßige Betreuung brauchen zunehmend Bürgerinnen- und Bürgerinitiativen. Stichwort Ziesel oder Rehazentrum Hörndlwald. "Hier sichern und verbessern wir die Gesprächsbasis. Wir vermitteln und übersetzen zwischen Bürgerinnen beziehungsweise Bürgern und Verwaltung und umgekehrt."

Schmetterlinge als Botschafter

Schmetterlinge sitzen auf Kinderhänden.
Buben und Mädchen betreuten die Schmetterlingswiese, sie besuchten regelmäßig das Raupenhäuschen und legten ein spezielles Blumenbeet an. © Jaros

Vermitteln ist der Umweltanwaltschaft auch in puncto Kinder ein besonderes Anliegen. Etwa in Form des Projektes "Vanessa", das die WUA initiierte und mit der "umweltberatung", MA 22, Wiener Umweltschutzabteilung und MA 42, Wiener Stadtgärten umsetzte. Dabei erfahren jedes Jahr rund tausend Kinder anhand von Schmetterlingen ökologische Zusammenhänge zwischen naturnaher Gartengestaltung und Artenvorkommen. Auf eigens angelegten Wiesen im Donaupark erleben die Kinder hautnah Fauna und Flora und können seltene Schmetterlingsarten wie den großen Feuerfalter beobachten und Wiener Nachtpfauenaugen beim Schlüpfen bewundern.

Schmetterlingswiese
Hinter der UNO-City wurde eine 10.000 Quadratmeter große Schmetterlingswiese geschaffen. © Brezansky

Die WUA auf einen Blick

Die Wiener Umweltanwaltschaft wurde durch das Umweltschutzgesetz 1993 als weisungsfreie und unabhängige Einrichtung des Landes Wien gegründet. Ihr oberstes Ziel ist, für die Bevölkerung die Interessen des Umweltschutzes zu wahren und somit zu einer hohen Umweltqualität in Wien und darüber hinaus beizutragen.

Ihre Schwerpunkte:

  • Bürgerinnen- und Bürgerservice
  • Stadtökologie
  • Naturschutz
  • Umweltbildung
  • Anti-Atom-Arbeit
  • Stadtplanung
  • Umweltverträglichkeitsprüfungen
  • Klimaschutz
  • Schutz vor Mobilfunk-Exposition
  • PUMA, Programm Umweltmanagement im Magistrat
  • "ÖkoKauf Wien", ökologischer Einkauf der Stadt Wien

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