Erntearbeiten im Bio-Zentrum Lobau. © MA 49/Lammerhuber

Natur pur: Biobetriebe in Wien

Wien steht auf Bio: Von Erbsen über Erdäpfel und Paradeiser bis zu den verschiedensten Getreidesorten wird im Bio-Zentrum Lobau alles angebaut, und das rein biologisch. CLUB WIEN besuchte Gutsleiter Karl Mayer und sprach mit ihm über den optimalen Anbau.

Mit 548 land- und forstwirtschaftlichen Betrieben auf 19.507 Hektar Anbaufläche hat Wien, einzigartig für eine Millionenstadt, eine florierende Landwirtschaft innerhalb der Stadtgrenzen. 26 Prozent der Anbaufläche werden biologisch bewirtschaftet. Damit liegt die Hauptstadt im österreichischen Spitzenfeld. Die Stadt Wien selbst besitzt mit einer Anbaufläche von 2.000 Hektar Ackerfläche und 60 Hektar Rebfläche einen der größten Landwirtschaftsbetriebe in Österreich, der von der Abteilung Forst- und Landwirtschaftsbetrieb der Stadt Wien (MA 49) betreut und bewirtschaftet wird. Mit rund 1.000 Hektar Biofläche ist der Landwirtschaftsbetrieb der Stadt Wien auch einer der größten heimischen Biobetriebe. CLUB WIEN war im Bio-Zentrum Lobau, wo Erdäpfel, Getreide und auch Erbsen seit Jahren rein biologisch angebaut werden. Denn Bioobst, -gemüse und -getreide sind gefragter denn je.

Das heutige Bio-Zentrum Lobau wurde einst als Kaserne erbaut. © MA 49/Lammerhuber

Vom Milchviehbetrieb zum Biobetrieb

Auf dem heutigen Areal des Bio-Zentrums Lobau wurde im Ersten Weltkrieg eine Kaserne erbaut. Mit Ende des Kriegs entstand daraus ein Milchviehbetrieb, der vom Kriegsversehrtenfonds geleitet wurde. Hergestellt wurden Milch und Molkereiprodukte für Wiener Spitäler und Kinderheime. Zudem diente der Betrieb als Gewährleistung einer unabhängigen Versorgung der Wiener Bevölkerung in Krisenfällen.

Gutsleiter Mayer ist die dritte Generation, die am Hof lebt. Bereits sein Großvater arbeitete als Oberschweizer im Milchviehbetrieb. Ein Oberschweizer oder auch ein Obermelker hatte eine leitende Funktion in einem milchverarbeitenden oder landwirtschaftlichen Betrieb. Sein Vater war später im landwirtschaftlichen Betrieb als Verwalter tätig und im Jahr 1994 übernahm Herr Mayer schließlich die Betriebsleitung. An die Zeit, als der Milchviehbetrieb noch im Hochbetrieb war, kann sich Karl Mayer noch gut erinnern, denn er ist hier aufgewachsen. "Früher war hier sehr viel los. In den Ställen gab es um die 250 Kühe und am Hof arbeiteten rund 200 Personen, die hier natürlich auch alle wohnten. In der Lobau wurde auch die Milch von anderen Betrieben zu Milchprodukten für die Stadt Wien verarbeitet. Schon damals wurde aber auch Getreide angebaut und in den Getreidekammern gelagert. Der Milchviehbetrieb ging noch bis 1965, danach wurde der gesamte Betrieb auf Getreide umgestellt. Das Marchfeld ist für den Anbau von Getreide sehr prädestiniert", erzählt Herr Mayer.

Wien als Öko-Pionier

Die ersten Versuche im Biolandbau am Stadtgut Lobau gab es im Jahr 1978 in Zusammenarbeit mit der Universität für Bodenkultur Wien. Damit zählte das Bio-Zentrum Lobau österreichweit zu den Öko-Pionieren. Begonnen hat man mit ein paar kleinen Anbauflächen, neun Jahre später waren alle Äcker des Stadtguts Lobau auf organisch-biologischen Landbau umgestellt. 2001 folgten die Ackerflächen in Essling und seit 2008 werden auch die Flächen am Bisamberg biologisch geführt. Tendenz steigend, denn immer mehr Höfe in ganz Österreich entscheiden sich für einen rein biologischen Landbau.  

Das Bio-Zentrum Lobau ist einer der größten heimischen Biobetriebe. Angebaut werden neben Getreide, Mais, Erbsen und Erdäpfel auch diverse Raritäten. Wir haben dem Bio-Zentrum einen Besuch abgestattet. © Stadt Wien/Bohmann Verlag

Was bedeutet biologischer Anbau?

Der biologische Anbau gilt unter allen Landbewirtschaftungsformen als die umweltschonendste Bewirtschaftung. Doch was bedeutet es eigentlich, biologisch anzubauen? Biolandbau ist Landwirtschaft im Einklang mit der Natur. Das bedeutet Lebensgrundlagen zu schützen und gentechnikfrei zu produzieren. Produkte werden also ohne Hilfe von schädlichen Stoffen wie Pestiziden oder Mineraldüngern und mit naturgerechten Maßnahmen beziehungsweise artgerechter Tierhaltung produziert. Dadurch wird unser Klima entlastet und die natürlichen Ressourcen wie Boden und Wasser werden geschont. Ganzheitliches Denken und ein möglichst geschlossener Betriebskreislauf mit einer vielfältigen Struktur sind die Grundlagen und Voraussetzungen für eine erfolgreiche biologische Landwirtschaft.

Prinzipien einer biologischen Landwirtschaft

Die biologische Landwirtschaft verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, der bestimmte Prinzipien berücksichtigt. So wird beispielsweise auf den Einsatz von Kunstdünger verzichtet, dessen Erzeugung sehr energieintensiv ist. Es werden auch natürliche Selbstregulierungsmechanismen genutzt. Das bedeutet, dass durch eine vielfältige Fruchtfolge, die Förderung der Nützlingen und einem stark belebten Boden sowie den Einsatz von passenden Sorten und Tierrassen zu keinem Überhandnehmen von Krankheiten, Schädlingen und Unkräutern kommt. Der Boden spielt in der biologischen Landwirtschaft eine zentrale Rolle. Deshalb ist es sehr wichtig, den Boden zu pflegen, um die darin enthaltenen Bodennährstoffe zu aktivieren. Dies gelingt durch eine sorgfältige Bearbeitung des Bodens, die Ausbringung von Kompost und gut aufgearbeiteten Dünger. Wenn diese Prinzipien berücksichtig werden, dann kann die biologische Landwirtschaft eine weitgehende Umweltschonung und Erhöhung der Biodiversität garantieren.

Die MA 49 kultiviert auch seltene Raritäten und schützt damit die Sortenvielfalt. Dazu gehört auch die Erdäpfelsorte "Violetta". © MA 49/Lammerhuber

Paradeiser, Erbsen, Erdäpfel

Im Bio-Zentrum Lobau werden viele unterschiedliche Gemüse-, Getreide- und Erdäpfelsorten angebaut. Um diese Sortenvielfalt zu gewährleisten und jährlich eine erfolgreiche Ernte verzeichnen zu können, benötigt es, wie bereits erwähnt, einen gesunden und nährstoffreichen Boden. Deshalb setzt man auf eine ausgewogene Fruchtfolge. Unter Fruchtfolge wird die sinnvolle Aneinanderreihung von Haupt- und Zwischenfrüchten auf einem Feldstück im Laufe der Zeit, meist mehrere Jahre, verstanden. "Wir bauen auf unseren Feldern jedes Jahr etwas anderes an. Erdäpfel bauen wir höchstens alle vier bis fünf Jahre auf demselben Feld an. Auch bei Gemüse ist es generell so, dass man eine Pause von vier bis fünf Jahren macht. In der Zwischenzeit bauen wir Getreide an oder wir pflanzen gerne Luzerne, die häufig als Viehfutter verwendet wird. Diese Pflanze gehört zu den Hülsenfrüchtlern, auch Leguminosen genannt, und ist ein Stickstoffsammler. Sie hilft dem Boden dabei, sich zu regenerieren. Wir schauen, dass der Boden gesund und vital bleibt", erzählt Herr Mayer. Durch den Anbau von Getreide und Gemüse werden dem Boden Nährstoffe entzogen. Im biologischen Landbau sind Nitrat-, Ammonium- und Harnstoffdünger sowie leicht lösliche Phosphordünger verboten, weshalb gerne Leguminosen wie Sojabohnen, Luzerne oder Erbsen angebaut werden. Diese sind eine zentrale Quelle für die Stickstoffeinfuhr in den Boden. Stickstoff wird von den Pflanzen vor allem für ihr Wachstum benötigt. Alle Leguminosen haben die wertvolle Eigenschaft, über ihre Knöllchenbakterien an ihren Wurzeln, Luftstickstoff zu binden. So sind sie unabhängig von externen Stickstoffdüngern und leisten einen Beitrag zum Klimaschutz. Zudem wird der Boden der Ackerflächen mit Gründecken bedeckt, wodurch Mikroorganismen entstehen, was der Stärkung und dem Erhalt der Verwurzelung dient.

Das Bio-Zentrum Lobau verwendet ausschließlich Bio-Dünger. Dieser wird von der MA48 bezogen. © MA 49/Lammerhuber

Bio muss es sein

Der Landwirtschaftsbetrieb der Stadt Wien erzeugt pro Jahr über 1.800 Tonnen Biogetreide, mehr als 3.000 Tonnen Biogemüse und rund 500 Tonnen Bioerdäpfel. "Wir bauen hier alle Getreidearten an, von Gerste über Dinkel und Hafer bis zu Mais, viele verschiedene Erdäpfelsorten und auch Gemüse wie Paradeiser, Erbsen oder Karotten. Als Dünger verwenden wir ausschließlich Biodünger der Güteklasse A+, den wir von der MA 48 erhalten", erzählt Karl Mayer.

Alle landwirtschaftlich geführten Betriebe der Stadt Wien werden mit Biokompost gedüngt. Pro Jahr werden circa 12.000 Tonnen Kompost der Abteilung Abfallwirtschaft, Straßenreinigung und Fuhrpark (MA 48) eingesetzt. Doch nicht jeder Kompost ist Kompost der Güteklasse A+. Der Biokompost, der im Bio-Zentrum Lobau zum Einsatz kommt, wird von der MA 48 in bestimmten Gebieten gesammelt und getrennt vom restlichen Kompost verarbeitet. Nur so kann garantiert werden, dass keine schädlichen oder chemischen Substanzen im Düngemittel enthalten sind.

Das Gemüse und Getreide des Bio-Zentrums Lobau wird an den Großhandel verkauft und kann in vielen Supermärkten erworben werden. Gekennzeichnet natürlich mit dem Bio-Zertifikat der Austria Bio Garantie. Denn für die Anbauflächen des Bio-Zentrums gelten die Bewirtschaftungsrichtlinien des Bioverbands Bio Austria. Gemüse, Getreide und Erdäpfel werden von der Austria Bio Garantie geprüft und zertifiziert.

Wer sich gerne gesund und bewusst ernähren möchte, kann Biogemüse, -getreide und -erdäpfel auch ganz einfach im Supermarkt besorgen, und dies garantiert regional und ökologisch produziert.

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