Lobau
Bei einer Wanderung durch das Naturschutzgebiet Lobau müssen einige Regeln eingehalten werden. © Bohmann/Ulrich Sperl
Das nationalparkhaus wien-lobAU liegt am Rande des Nationalparks. © Bohmann/Ulrich Sperl
Johann Berthold ist Leiter des nationalparkhaus wien-lobAU. Auch er besucht bei Zeit gerne eine der angebotenen Wanderungen oder holt sich Pflanztipps bei Nina Mizerovsky, die die Kräuertouren anführt. © Bohmann/Ulrich Sperl
Auf dem Grundstück des nationalparkhauses wachsen auch Wildrosen, die Vitamin-C-reiche Hagebutten hervorbringen. © Bohmann/Ulrich Sperl

Kräuterwanderung durch die Lobau

Schnupfen, Husten, Heiserkeit: Wollten Sie schon immer wissen, welches Kraut einen Heilungsprozess unterstützt? Infos dazu gibt es bei den Kräuterwanderungen durch die Lobau. Angeboten werden sie vom nationalparkhaus wien-lobAU.

Eines der vielen Angebote des nationalparkhauses wien-lobAU sind die unterschiedlichen Themenwanderungen durch den Wiener Teil des Nationalparks Donau-Auen, die Lobau. Eine davon widmet sich dem Thema Wildkräuter, deren Vielfalt und den nutzbaren Eigenschaften.

Es regnet und regnet. Eigentlich ist es so gar kein Tag, um eine Kräuterwanderung zu unternehmen. Würde man meinen. Ist aber nicht so. Denn die wahren Naturliebhaberinnen und -liebhaber schreckt keine Witterung ab. "Es gibt kein schlechtes Wetter, nur eine schlechte Ausrüstung. Zudem verheißt Regen Fruchtbarkeit und reges Pflanzenwachstum", sagt Pharmazeutin Nina Mizerovsky. Sie führt in ihrer Freizeit seit acht Jahren Interessierte durch die Lobau. "Bis zum heutigen Tag musste ich noch keine Wanderung absagen. Sie haben alle stattgefunden. Bei Schüttregen wie bei Sonnenschein."

Nina Mizerovsky
Nina Mizerovsky gibt am Anfang der Wanderung einen kurzen Überblick in das Naturschutzgebiet. © Bohmann/Ulrich Sperl

Sammelverbot von Pflanzen

Treffpunkt für die maximal 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Wanderung ist im nationalparkhaus wien-lobAU. Nina Mizerovsky, heute ausgestattet mit Schirm und Regenjacke, startet jede ihrer Wanderungen mit ein paar kurzen informativen Worten über die Lobau. Das ist wichtig, da es hier einige Regeln einzuhalten gilt. Mizerovsky: "Selbst wenn wir die Pflanzen im Fokus haben und darüber sprechen, welche essbar, nutzbar, ungiftig oder schmackhaft sind, darf man nie vergessen: Im gesamten Naturschutzgebiet, das direkt hinter dem Nationalparkhaus beginnt, darf keine der rund 700 verschiedenen Pflanzenarten gesammelt werden. Zudem darf man auch nicht abseits der Wege gehen." Der Schutz der natürlichen Lebensräume von Tier- und Pflanzenwelt trägt nicht nur zu nachhaltiger Nutzbarkeit bei, sondern fördert auch ihre Artenvielfalt. 

Danach startet die Exkursion. Vom Garten des Nationalparkhauses ausgehend über den Naturlehrpfad und wieder retour. Am Wegesrand, auf den Wiesen und Lichtungen, im Schatten der Bäume oder an Gehölz rankend - überall wachsen Pflanzen. Sie können in der Kosmetik und zur Heilung verwendet oder aber gegessen werden.

Pflanzen mit Heilwirkung

Die getrockneten Pflanzenteile werden Drogen genannt. Je nachdem, um welchen Teil der Pflanze es geht, gibt es sieben verschiedene Arten: Wurzel-, Blatt-, Blüten-, Frucht-, Samen- oder Rindendrogen. Alle oberirdischen Pflanzenteile werden wiederum als Krautdrogen bezeichnet. Sie alle gibt es in vielfacher Variation in der Lobau. Rund 30 Pflanzen mit Heilwirkung werden im Rahmen der Wanderung besprochen. Mizerovsky: "Aber nicht immer die gleichen. Das hängt vom Wetter und von der Jahreszeit ab."

Lindenblatt
Die jungen Blätter der Linde eignen sich gut für einen Kräutersalat. © Bohmann/Ulrich Sperl

Bitterstoffe gegen Verdauungsbeschwerden

Eine bekannte und im Nationalpark weitverbreitete Blatt- sowie Wurzeldroge, die gleich zu Beginn der Wanderung auf dem Grundstück des Nationalparkhauses entdeckt wird, ist etwa die Brennnessel. Ihre Blätter können getrocknet als Tee aufgebrüht oder frisch gerupft wie Spinat verarbeitet werden. Sie hat eine entgiftende Wirkung und entwässert. Die Wurzel der Brennnessel hilft wiederum Männern mit Prostatabeschwerden. Das Goldrutenkraut wirkt ebenfalls entwässernd und kann deswegen bei Harnwegsinfekten zum Einsatz kommen.

Direkt daneben findet das Trüppchen eine "schmackhafte Nascherei" in Form der Blätter eines Lindenbaums. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dürfen sie in diesem Fall zum Kosten von den Ästen zupfen. Die Blätter schmecken saftig und leicht süß. "Sie müssen jedoch relativ jung verwendet werden. Denn: Je älter sie sind, desto bitterer schmecken sie und der Salat wird dadurch ungenießbar. In der Medizin werden die Lindenblüten in Teeform angewendet. Sie wirken schweißtreibend, was sich bei Erkältungen günstig auswirkt", sagt Mizerovsky.

An fast jeder Ecke findet man Löwenzahn, dessen Bitterstoffe die Verdauungssäfte anregen und deswegen als appetit- und verdauungsförderndes Mittel zum Einsatz kommen. "Das Blatt der Walnuss wird in der Volksheilkunde angewendet, um den Blutzuckerspiegel zu senken oder äußerlich als Umschlag bei entzündlichen Hauterkrankungen. Mit dem richtigen Einsatz von Pflanzen kann man gut leichte Erkrankungen behandeln oder ihnen vorbeugen", sagt Mizerovsky. "Aber es schadet nie, vor allem bei Unsicherheit, sich mit einer Apothekerin oder einem Apotheker über die Inhaltsstoffe abzusprechen. Denn man darf nie vergessen: Die Verwechslung von Kräutern oder der falsche Einsatz kann fatale Folgen haben."

Sanddornbusch: Vorbeugend wirksam

Sanddorn
Auch die Früchte des Sanddornbuschs enthalten viel Vitamin C. © Bohmann/Ulrich Sperl

In unmittelbarer Nähe zur Linde wachsen eine Wildrose und ein Sanddornbusch, deren Fruchtdrogen viel Vitamin C enthalten. Mizerovsky: "Das ist immunsystemsteigernd und bewahrt vor Erkältungen. Somit empfiehlt es sich, schon vor Ausbruch einer Erkältung regelmäßig Vitamin C einzunehmen."

Sind Husten und Schnupfen bereits ausgebrochen, kann man sich besser mit den Blüten der Königskerze oder mit Spitzwegerichblättern helfen. Der Zuckersirup aus Spitzwegerich enthält viele Schleimstoffe, die den Hustenreiz lindern. Obendrein wirken seine Blätter auf Insektenstiche gerieben wohltuend gegen Schmerzen und Entzündungen.

Lieber Finger weg

Wolfsmilch
Der milchige Saft in der Wolfsmilch ist ätzend. © Bohmann/Ulrich Sperl

"Ebenfalls typisch für unsere Breitengrade ist die Wolfsmilch", sagt Mizerovsky und bückt sich kurz darauf zu einem Pflänzchen am Wegesrand herab. Es scheidet abgerupft einen milchigen Saft aus. Dieser kann heftige Hautreaktionen hervorrufen. Besonders unangenehm kann es für die Augen werden. Darüber hinaus werden dem Milchsaft krebsfördernde Eigenschaften zugeschrieben." Im Umgang mit dieser Pflanze ist erhöhte Vorsicht geboten. Auf die Haut gelangter Milchsaft sollte sofort und gründlich abgewaschen werden", rät Mizerovsky. "Besser die Finger davon lassen."

Hopfen beruhigt

Hopfen
Hopfen wirkt beruhigend. © Bohmann/Ulrich Sperl

An einem Zaun weist Mizerovsky schließlich auf die Hopfen-Pflanze hin. Sie ist charakteristisch in der Lobau - und eine Kletterpflanze, die vielfach in Österreich gezüchtet wird. Ihre Früchte, die Zapfen, werden zur Bierproduktion verwendet. Dass diesem Getränk eine beruhigende Wirkung nachgesagt wird, ist durchaus berechtigt. Hopfen wird gerne auch als Tee bei Unruhe genommen. Er kann sogar, dank seiner ätherischen Aromen, in ein kleines Kissen gefüllt unter dem Kopfpolster seine "Arbeit" bei Schlafstörungen verrichten.

Oft am Wegesrand zu finden ist das Schöllkraut. Seine Stängel enthalten einen gelblichen Milchsaft, der besonders gerne in der Volksmedizin zur Behandlung von Warzen angewendet wird und vermutlich durch antivirale Eigenschaften wirkt.

Weitere Angebote des nationalparkhauses
Im nationalparkhaus gibt es weitere Angebote. Etwa eine Schau über das Wappentier des Parks, den Eisvogel, die Dauerausstellung „Ton-Au“ oder kurzweilige Filme für Erwachsene und Kinder, die im Loop laufen. © Bohmann/Ulrich Sperl

Weitere Angebote des Nationalparkhauses

Am Ende der dreistündigen Tour findet sich das Grüppchen an Interessierten wieder im Nationalparkhaus ein. "Oft entwickeln sich danach spannende Gespräche, man tauscht sich über entsprechende Literatur aus und sieht sich noch weitere Angebote des Hauses an", erzählt Mizerovsky. "Da haben wir ja noch einiges zu bieten", ergänzt Nationalparkhaus-Leiter Johann Berthold, der auch immer wieder gerne an einer Wanderung teilnimmt. So gibt es im Haus eine Schau über das Wappentier des Parks, den Eisvogel, die Dauerausstellung "Ton-Au" oder kurzweilige Filme für Erwachsene und Kinder. Der Garten mit Spielplatz ist ein kleines Paradies für Familien. Der Eintritt in das Nationalparkhaus ist frei.

Auskunft und Anmeldung zu den Wanderungen

Wo: 22., Dechantweg 8
Treffpunkt: nationalparkhaus wien-lobAU
Kosten: Erwachsene 10 Euro, Kinder von 6 bis 15 Jahren 5 Euro 

Telefon: +43 1 4000 49495
E-Mail: nhatma49.wien.gv.at

Die Teilnahme ist nur nach vorheriger Anmeldung möglich und muss bis zum vor dem Termin liegenden Donnerstag, 15 Uhr, erfolgen.

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