Der umgefallene Baumstamm fiel direkt in ein Bachbett. Dadurch hat sich das Wasser zu einem Tümpel gestaut. Dieser ist besonders für Frösche ein wichtiger Legeplatz. © PID/Christian Houdek

Und plötzlich Urwald: Am Stadtrand von Wien

Den Beserlpark ums Eck kennen alle, die in Wien leben. Immerhin besteht mehr als die Hälfte der Stadt aus Grünraum. Hauptallee, Helmut-Zilk-Park und Co sind Aushängeschilder gepflegter Parks. Daneben existieren Wälder, wie nur die Natur sie formt.

Auf dem Platz vor dem Bahnhof Hütteldorf im 14. Bezirk herrscht um 7 Uhr früh geschäftiges Treiben. Im Minutentakt kommen Busse mit Schulkindern an. Eltern verabschieden sich von ihren Kindern, richten noch einmal die Schultaschen und schicken sie dann zur U4 hinab. Die meisten fahren ins Zentrum Wiens. Viele nehmen aber auch die Amundsenstraße stadtauswärts. Dort kommen sie an einem veritablen Naturschatz vorbei. Kurz vor der Stadtgrenze befindet sich am Rande der Straße nämlich der Eingang zu einem fast unberührten "Urwald": der Moosgraben. Dieser liegt jenseits eines eisernen Schrankens, nur 30 Minuten mit den Öffis von der Innenstadt entfernt.

Hinter diesem Schranken beginnt der "Urwald" im Moosgraben. Das Betreten erfolgt auf eigene Gefahr - einen ausgewiesenen Wanderweg gibt es hier nicht. © PID/Christian Houdek

Perfekte Bedingungen für Flora und Fauna

Es reichen einige Schritte und der Wald legt seinen Mantel über die Geräusche der Großstadt. Links vom Weg fließt ein Bach. In das Plätschern mischt sich der Ruf einer Amsel. Ein Eichkatzerl huscht auf einem Baumstamm vorbei, der auf dem Boden liegt. Auf dem Waldboden reckt eine Maus ihren Kopf aus der Blätterdecke und mustert, wer da ihre Ruhe stört. Trotz der Nähe zur Stadt können Flora und Fauna im Moosgraben ungestört gedeihen. Darauf schaut die MA 49 - Forst- und Landwirtschaftsbetrieb der Stadt Wien ganz genau. Der Moosgraben ist nämlich seit 20 Jahren ein Naturwaldreservat. Das bedeutet: Der Mensch greift hier nicht ein und überlässt den Wald komplett sich selbst. Die Aufgabe der städtischen Försterinnen und Förster ist, die Entwicklung des Waldes im Auge zu behalten.

Seitdem der Moosgraben ein Naturwald ist, haben sich wieder mehr Tiere angesiedelt - etwa Füchse, Wildschweine und Spechte. Auch seltene Vögel wie die Hohltaube sind hierher zurückgekehrt. Zu Gesicht bekommt man die scheuen Tiere aber nur selten. Insgesamt besitzt die Stadt Wien Waldreservate in der Größe von mehr als 2.000 Hektar in Österreich, davon befinden sich 130 Hektar in Wien, etwa am Johannser Kogel oder am Pfaffenberg.

Spechtlöcher sind Zeichen für besonders unberührte Waldstücke. Im Moosgraben sind acht verschiedene Spechtarten zu Hause. © PID/Christian Houdek

Wald und Wind machen Wien lebenswert

Der Moosgraben ist übrigens nicht nur für die Lebensqualität von Tieren verantwortlich, sondern auch für die aller Wienerinnen und Wiener. Der Grund dafür ist einfach: Besonders im Westen Wiens ist es sehr windig. Dazu kommt die Eigenschaft jeder Pflanze, Feuchtigkeit über ihre Blätter abzugeben. Der Westwind über dem Wienerwald weht die frische "Baumluft" dann über die ganze Stadt, wodurch diese etwas kühler wird und die Temperaturen in Wien auch im Sommer erträglich bleiben. Und weil die Wiener Luftqualität ohne gesunde Wälder nicht so hoch wäre, hat die Stadt Wien die Waldpflege besonders im Fokus. Der bewaldete Westen Wiens wird bewusst schonend bewirtschaftet, sein Schutz bedeutet nämlich für alle Wienerinnen und Wiener den Erhalt der Lebensqualität.  

Im Moosgraben leben seltene Pilze

Der Moosgraben ist außerdem das Zuhause für viele verschiedene Pilzarten. Der Stachelbart etwa, ein in Wien äußerst dünn gesäter Pilz, lebt auf abgestorbenem Holz. Davon gibt es im Moosgraben mehr als genug. Zwei Dinge machen diesen Pilz besonders: Er sieht auf den ersten Blick aus wie ein Kokosbusserl. Und: Er ist bequem - hat er einmal sein Platzerl gefunden, wächst er im nächsten Jahr exakt dort wieder. Umgefallene Baumstämme sind aber nicht nur für Pilze nützlich: Ein Sturm hatte im Moosgraben einen Baum entwurzelt, er fiel direkt in das Bachbett. Dadurch hat sich das Wasser zu einem Tümpel gestaut. Dort laichen jetzt jene Tiere, deren Junge im fließenden Gewässer keine Überlebenschance hätten.

Der Stachelbart wächst auf morschem Holz. Im Moosgraben findet er ideale Lebensbedingungen vor. © PID/Christian Houdek

Pilze haben in Wäldern eine besonders wichtige Aufgabe: Sie beschleunigen das Modern von Holz und zersetzen Laub, das von den Bäumen fällt. Pro Jahr fällt nämlich so viel Laub auf den Boden, dass der Wald ohne die Pilze darunter versinken würde.

Umgefallene Bäume gibt es im Moosgraben viele. Weil sie in Naturwaldreservaten nicht weggeräumt werden, können sie von anderen Lebewesen, wie etwa Pilzen, besiedelt werden. © PID/Christian Houdek

Der Moosgraben besiegte die Cholera

Jener Bach, der heute noch durch den Moosgraben fließt, war früher für die Stadt von allergrößter Bedeutung. Er versorgte Wien bis zum Ende des 19. Jahrhunderts mit Trinkwasser. Möglich machte das die Albertinische Wasserleitung - die erste öffentliche Wasserleitung in der Geschichte Wiens. Sie führte vom Wienerwald unterirdisch bis in den heutigen 15. Bezirk. In der Zeit davor stand der Bevölkerung kein frisches Wasser zur Verfügung. Vom verseuchten Grundwasser trinkend, litt Wiens Bevölkerung an Cholera-Epidemien. Das saubere Wasser aus dem Moosgraben half, die Krankheit einzudämmen und schließlich auszurotten. In den Jahrzehnten danach sank der Wasserspiegel nach und nach – bis die Albertinische Wasserleitung mit dem Bau der Hochquellleitungen obsolet wurde und in Vergessenheit geriet. Markierungssteine im Moosgraben erinnern aber heute noch an sie.

Durch dieses "Loch" floss früher das Wasser des Moosgraben-Baches ab und durch die unterirdische Albertinische Wasserleitung in Richtung 15. Bezirk. © PID/Christian Houdek
Dieser Stein markierte früher den Verlauf der Albertinischen Wasserleitung. Auch heute sind im Moosgraben noch einige dieser Steine zu finden. © PID/Christian Houdek

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