Die Tiere im Tiergarten Schönbrunn brauchen ein naturnahes Klimagefühl. Mit hauseigenen Solarthermie- und Photovoltaikanlagen wird abgekühlt oder erwärmt – sehr zur Freude von Pinguin, Eisbär und Co. © Stadt Wien/Bohmann Verlag

Umweltrelevante Maßnahmen im Tiergarten Schönbrunn

Der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen umfasst im ältesten Tiergarten der Welt alle Bereiche. Das beginnt bei der Mülltrennung, reicht über den regionalen Futterbezug, die Wärme- und Energienutzung bis hin zur Planung neuer Gehege und Anlagen.

Der Tiergarten Schönbrunn im 13. Bezirk erstreckt sich über eine Fläche von 17 Hektar und begrüßt jährlich mehr als zwei Millionen Gäste. Über 700 verschiedene Tierarten gibt es hier zu entdecken. Damit alle gut versorgt sind, ist einiges an Organisation und Planung notwendig. Dabei immer im Hinterkopf: der Umweltgedanke. "Wir wurden 2017 abermals als 'Ökoprofit Betrieb' ausgezeichnet. Das drückt aus, dass wir intensiv darauf achten, die Umwelt zu schonen, und auch mit Ressourcen wie Energie und Wasser verantwortungsvoll umgehen", erklärt Hermann Fast. Er leitet die Abteilung Technik und Projektentwicklung und setzt sich für umweltbewusstes Wirtschaften im Tiergarten Schönbrunn ein.

Natürliche Energiegewinnung dank Sonnenkraft

Abteilungsleiter für Technik und Projektentwicklung Hermann Fast vor der Photovoltaikanlage des Wirtschaftshofs. © Bohmann

"Wir versuchen im Tiergarten Schönbrunn, nachhaltig zu arbeiten. Der Bereich Energie wird dabei von uns besonders fokussiert. Wir setzen auf sogenannte PV-Anlagen, also Photovoltaikanlagen. Die Kraft der Sonne hilft dabei, dass wir Energie selbst produzieren können", so Fast. Am ganzen Areal gibt es insgesamt fünf PV-Anlagen. Alles, was über Warmwasseraufbereitungs- oder PV-Anlagen an Strom selbst produziert werden kann, muss nicht aus fossilen Brennstoffen gewonnen werden.

Die Photovoltaikanlage auf dem Dach des Wirtschaftshofs ist die größte im gesamten Tiergarten Schönbrunn. © Bohmann

Am Wirtschaftshof im hinteren Teil des Tiergartens in der Nähe des Tirolerhofs wird die große südseitige Dachfläche für die größte PV-Anlage genützt. Auf mehr als 200 Quadratmetern sind hier Sonnenkollektoren angebracht. "Den damit gewonnenen Strom verbrauchen wir zum einen direkt hier im Wirtschaftshof, also in der Werkstatt, in der Futtermeisterei, wo das gesamte Futter in Kühl- oder Trockenlagern gelagert wird, sowie im Logistikbereich. Was hier im Wirtschaftshof nicht verbraucht werden kann, wird für den angrenzenden Tierbereich verwendet."

Die Photovoltaikanlagen auf dem Dach des Seelöwenhauses und des Polardoms der Eisbären. © Bohmann

Bei der Entwicklung der Photovoltaikanlagen wurden in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Im Tiergarten Schönbrunn befinden sich solche auf dem Dach der Pinguin-Anlage, der Südamerika-Anlage, am Wirtschaftshof, auf dem Polardom des Eisbären-Geheges sowie auf dem im Frühsommer neu eröffneten Giraffenhaus. "Der gesamte Strombedarf des Tiergartens kann mit diesen Anlagen allein allerdings nicht gedeckt werden. Zugekauft wird nur Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Man muss aber erwähnen, dass wir im Tiergarten teilweise sehr große Anlagen haben, die viel Strom verbrauchen, wie etwa die Filteranlage für die Pumpen im Aquarienhaus."

Der Tiergarten verfügt neben Photovoltaikanlagen auch über Warmwasseraufbereitungsanlagen. Drei an der Zahl, eine bei den Elefanten, eine bei der Südamerika-Anlage und eine bei den Giraffen.

Gewärmt und gekühlt

Unter dem Wintergarten des neuen Giraffenparks befindet sich ein Schotterspeicher der die Hitze des Tages in Wärme für die Nacht umwandelt. © Daniel Zupanc

Im Tiergarten gibt es fünfzig Häuser, die beheizt werden müssen. Allerdings sind die baulichen Gegebenheiten, wie etwa Denkmalschutz oder falsche Ausrichtung des Daches, die es braucht, um überall eine PV-Anlage zu installieren, nicht vorhanden. So werden andere Lösungen, wie zum Beispiel im neuen Giraffenhaus, gefunden. "Hier befindet sich ein luftdurchströmter Schotterspeicher unter dem Wintergarten der Giraffen. Dieser speichert die Hitze des Tages und wandelt sie in der Nacht in Wärme um."

Und so funktioniert es: Warme Luft wird aus dem oberen Bereich des Wintergartens abgesaugt und durch den Schotterkörper geführt, dadurch erwärmen sich die Steine. Soll geheizt werden, wird die kühlere Luft von unten abgesaugt und über die warmen Steine geführt. So erwärmt sich die Luft. Ein Wärmetauscher sorgt dann dafür, dass die frische Außenluft warm wird.

An heißen Tagen bekommen Eisbär und Co. im Tiergartenschönbrunn auch ein Eis zur Abkühlung. © Norbert Potensky/Daniel Zupanc

Im Sommer wird aber nicht nur bei uns Menschen, sondern auch bei manchen Tieren eher auf Kühlung gesetzt. Die Elefanten erfrischen sich unter einer Dusche, deren Wasser natürlich umweltbewusst mittels Solaranlage aufbereitet wird. Die Eisbären schwimmen im mittels PV-Anlage optimal temperierten Wasser ihre Runden. Auch für andere Tiere gibt es eine kleine Abkühlung im Sommer. Das Futter wird in Wasser gelegt und dann tiefgefroren. Affe und Co lecken so lange am Eis, bis sie zum Futter kommen. Abkühlung und Vergnügen in einem.

Futteraufbereitung mit gutem Gewissen

Futter wie Obst odre Gemüse wird in einem eigenen Kühlraum gelagert. © Bohmann

"Futterkühlung ist ein wichtiges Stichwort: Neben dem Obst- und dem Fleischkühlraum gibt es auch einen Kühlraum für Blätter im Wirtschaftshof des Tiergartens. Im Sommer werden Blätter für Affen und Giraffen eingefroren, damit sie auch im Winter frische Blätter zu fressen bekommen. Der Strom für diese Kühlräume kommt aus der am Dach befindlichen PV-Anlage." Die Abwärme, die aus diesen Kühlprozessen entsteht, wird zur Warmwasserproduktion oder zur Beheizung wiederverwendet. Das ist wichtig für die Insekten, die lebend an die Tiere verfüttert werden. Sie brauchen es ziemlich warm.

Nicht nur in puncto Aufbewahrung und Lagerung achtet man im Tiergarten auf den effizienten Einsatz von Ressourcen. Auch bei der Lebensmittelbeschaffung steht Nachhaltigkeit mit an oberster Stelle. "Wir möchten hauptsächlich Bioprodukte oder zumindest Waren aus der Region beziehen. Natürlich benötigen wir vor allem bei Obst auch Früchte, die nicht in Österreich wachsen. Da achten wir dann aber besonders darauf, dass sie aus fairem Handel stammen."

Eigene umfassende Umweltpolitik

Im Tiergarten Schönbrunn trägt jede und jeder einen Teil zum umweltbewussten Verhalten bei. "Da geht es auch um Details, wie etwa die wassersparenden berührungslosen Armaturen in den Besucher-WC-Anlagen. Das bringt uns rund vier Prozent Wasserersparnis pro Jahr."

Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Tiergartens Schönbrunn verrichten ihre Arbeit täglich mit dem Gedanken an die Umwelt im Kopf. "Unsere Pausen-Kaffeeautomaten sind mit Fairtrade-Kaffee gefüllt. Da bringt der Koffeinkick ein doppelt positives Gefühl", sagt Hermann Fast schmunzelnd.

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