Die hohen Bäume bieten einigen Tieren einen idealen Lebensraum. Vor allem den Vögeln und den Fledermäusen gefällt es hier. © Bohmann/Andrew Rinkhy
Der Umweltfriedhof Neustift ist ein malerischer Ort mit faszinierender Fauna. Verwalter Alfred Mansfeld kennt ihn wie seine Westentasche. © Bohmann/Andrew Rinkhy
Die Aussicht über die Weinberge in Pötzleinsdorf ist einzigartig. © Bohmann/Andrew Rinkhy
Fledermäuse sind sozial und nisten gerne mit Artgenossen, darum befestigt man mehrere Kästen an einem Ort. Diese sind extrem eng, aber genau so mögen die nachtaktiven Tiere das. © Bohmann/Andrew Rinkhy
Alfred Mansfeld kennt den Friedhof wie seine Westentasche. Sein Tipp: ein Spaziergang an einem herbstlichen Novemberabend. © Bohmann/Andrew Rinkhy
Immer mehr verschmelzen Grabstätten und Natur zu einer harmonischen Einheit. © Bohmann/Andrew Rinkhy
Das Nachtpfauenauge ist ein scheuer und seltener Zeitgenosse. Im Friedhof Neustift fühlt er sich aber pudelwohl. © Bohmann/Andrew Rinkhy
Auch für Hobby-Fotografen ist der Friedhof Neustift eine Empfehlung wert. An Motiven mangelt es nicht. © Bohmann/Andrew Rinkhy
Im Büro zeigt Alfred Mansfeld genau, wie sich der Friedhof aufgliedert. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Ein Friedhof wird zum Tierparadies

Auf der Pötzleinsdorfer Höhe hat man nicht nur einen malerischen Blick über Wiener Weinberge. Es gibt hier auch einen der schönsten und einzigartigsten Friedhöfe Wiens: den Umweltfriedhof Neustift. Hier hat man der Natur ein Zuhause geschaffen.

Kriminalfall am Umweltfriedhof Neustift? Immer wieder melden Besucherinnen und Besucher den Fund zerstörter Kerzen und vermuten Vandalinnen oder Vandalen dahinter. Alfred Mansfeld, Verwalter des Friedhof Neustift, weiß: Das stimmt nur zur Hälfte. Die Kerzen werden in der Tat mutwillig zerstört. Die Täter sind aber recht klein, äußerst frech, ungewöhnlich schlau und schwarz gefiedert. "Dahinter stecken die Krähen, von denen wir hier im Herbst und Winter Hunderte haben. Die haben gelernt, die Kerzen in die Luft zu tragen und dann am Asphalt zerschellen zu lassen." Warum sie das machen, ist schnell erklärt: Sie fressen das Kerzenwachs, und das mehr als gerne.

Video: Grünoase Friedhof

Krähen sind die "bad boys"

Die Krähen sind nur eines der vielen Beispiele, wie Mensch und Natur sich den Umweltfriedhof teilen und voneinander lernen. Gerade gefiederte Gäste gibt es reichlich. Im Sommer nisten hier Amseln, Rotkehlchen, Baumläufer, Spechte und noch einige mehr. "Wir haben zu diesem Zweck spezielle Vogelhäuschen an den Bäumen angebracht. Die wurden von 'Jugend am Werk' so gestaltet, dass die Vögel geschützt nisten können und auch Marder und Katzen mit ihren Pfoten nicht an sie herankommen." Marder sind keine Seltenheit, gleiches gilt für Füchse. Eine Familie wohnt seit einiger Zeit im Friedhof.

Im Herbst und Winter sind viele Wiener Friedhöfe das Revier der Krähen. Die schlauen Tiere kommen meist aus Russland und kennen alle Tricks. © mauritius images/David & Micha Sheldon

Nur im Winter gehören die Nester jemand anderem: den Krähen. Die "bad boys" vom Friedhof nutzen die Vogelnester als Vorratskammer. "Krähen sind faszinierende Kreaturen. Sehr schlau, aber manchmal ganz schön garstig." Vor ein paar Jahren sorgten ein paar Saatkrähen für ein Froschsterben am Friedhof. Damals fand man etliche tote Frösche, denen die Leber rausgefressen worden war. Nach ausführlicher Recherche stand fest: Es waren die Krähen. "Das geschah aber nur ein einziges Mal. Da dürften ganz besondere Feinschmeckerkrähen bei uns gewesen sein. Ansonsten kam das nie vor." Doch Spaß beiseite: Krähen sind nicht nur hochintelligent, sondern auch ein wichtiger Teil unseres Ökosystems und haben sich keinen schlechten Ruf verdient. 

Rotkehlchen trifft Fledermaus

Der Neustifter Friedhof ist in zwei Teile geteilt. Im ersten, älteren Teil gibt es klassische Gräber und Gruften mit teils opulenten Grabmälern und vielen Bäumen. Im zweiten Teil ist alles moderner, offener und mit kleineren Gräbern belegt. Auch die Tierwelt neigt dazu, sich aufzuteilen. Platz dazu gibt es genug. Der Friedhof ist mit 150.851 Quadratmetern und rund 15.000 Grabstellen der achtgrößte in Wien.

Fledermäuse sind sehr sozial, intelligent und ihre Flüge sind an Eleganz nicht zu übertreffen. Den Friedhof Neustift nehmen sie als Nistplatz sehr gut an. © mauritius images/Buiten-Beeld/Karl Van Ginderdeuren

In den vielen Bäumen des älteren Teils findet man reichlich Federvieh, im hinteren neueren Teil gibt es ein Areal, das die Fledermäuse für sich entdecken sollen. "Wir versuchen, die schüchternen Tiere langsam vom Wienerwald herzubringen", erklärt Mansfeld. Mit Erfolg: Die Fledermäuse besiedeln den Friedhof eifrig und sind nachts auf Insektenjagd. Um seine Haarpracht muss deswegen keiner fürchten. "Dass sich Fledermäuse in die Haare krallen, ist und bleibt ein Märchen", beruhigt Mansfeld. Stattdessen kennt man die Tiere als echte Kuscheltiere. In den Häuschen an den Bäumen ist so gut wie kein Platz, und das passt gut. "Die Fledermäuse lieben sehr enge Räume und sind auch sehr sozial." 

Mensch und Natur

Dass aus dem Friedhof ein Umweltfriedhof wurde, war eine Frage der Gestaltungsphilosophie. "Wir dachten darüber nach, wie wir die Bedürfnisse der Natur und jene des Menschen in Einklang bringen können", erinnert sich Mansfeld. Die Voraussetzungen waren seit jeher gut. Bäume, Sträucher, Wiesen und andere Lebensräume gab es im Friedhof schon immer. Dank Nistplätzen, Futtertrögen und dem gezielten Anbau von Bäumen und Sträuchern, die als Nahrungsquelle dienen, fühlt sich die Fauna immer wohler auf der Pötzleinsdorfer Höhe. "Wir versuchen, den Lebensbereich, den die Tiere hier beanspruchen, einfach den Tieren zu überlassen." 

Es kreucht und fleucht

Das zeigt eine Brache im hinteren Teil des Friedhofs, die man den Kriechtieren überlassen hat. Feuersalamander, Blindschleichen, Ringelnattern, Äskulapnattern und sogar Smaragdeidechsen nennen diese wilde Wiese ihr Heim. Geschnitten wird nur ein Mal im Jahr, und zwar nach Ende der Blütezeit, wenn auch die Aufzucht der Jungtiere abgeschlossen ist. Abgesehen davon hat man das Areal gänzlich dem wilden Wien überlassen. Dabei spielte natürlich auch der Gedanke, die Nattern von den Gräbern wegzuhalten, eine Rolle. Felsen zum Sonnen und wildes Gras für die Mäusejagd haben diese Mission erfüllt. "Was wir natürlich schon machen, ist, alte und kranke Sträucher und Bäume durch solche zu ersetzen, die den Tieren die meiste Nahrung bieten." 

Die Vogelhäuschen wurden von 'Jugend am Werk' perfekt auf die Bedürfnisse der Vögel angepasst. Dieses ist ideal für den sogenannten Baumläufer, da dieser Vogel den Baum hochrennt und seitlich einsteigt statt von vorne einzufliegen. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Stark vertreten ist auch das Insektenreich. Schmetterlinge und Bienen werden mit speziellen Sträuchern versorgt und haben eigene kleine Bereiche, die einen idealen Lebensraum bieten. Stolz ist Mansfeld darauf, dass hier auch das Wiener Nachtpfauenauge brütet. Dieses ist mit einer Flügelspannweite von bis zu 16 Zentimetern wahrlich ein Koloss unter den Schmetterlingen. 

Selbst erleben

Wer Lust hat, die Natur im Umweltfriedhof zu genießen und sich den Ausblick auf die Weinberge zu gönnen, hat zwei Optionen. Erstens: Zu den Öffnungszeiten vorbeikommen. "Wenn man sich auf ein Bankerl setzt und sich die Tiere daran gewöhnt haben, dass man da ist, dann kommen sie auch raus", spricht Mansfeld aus Erfahrung. Die zweite Option ist, sich nach einer Führung zu erkundigen. Möglich sind solche nach Absprache, die Anfrage sollte man an die Friedhofskanzlei richten. Die gesammelten Kontaktdaten und Öffnungszeiten finden Sie auf der Homepage des Umweltfriedhof Neustift.

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