Ein großer Erfolg: Die gefährdeten Seeadler brüten seit ein paar Jahren wieder in der Lobau. © Kurt Kracher

Ein Dschungel in der Stadt

Eine Großstadt mit Nationalpark, das ist in Mitteleuropa ein Unikum. Heuer feiert der Nationalpark Donau-Auen seinen 20. Geburtstag. Auf Wiener Stadtgebiet hat sich die Lobau bei den WienerInnen als beliebtes Erholungsgebiet etabliert.

In der Lobau laufen zwar keine Leoparden herum, wie etwa im Nationalpark der indischen Megacity Mumbai, aber dafür Hirsche, Biber und Seeadler. Auf letztere ist Alexander Faltejsek, Leiter der Forstverwaltung Lobau, besonders stolz. "Die Seeadler waren früher nur Wintergäste, seit 2009 brüten sie auch bei uns." Die mächtigen Vögel brauchen ein großes Revier, Ruhe, hohe, frei stehende Bäume zum Brüten und ein gutes Nahrungsangebot, sprich Fische. 

Alexander Faltejsek, Leiter der Forstverwaltung Lobau: „Die Seeadler haben neue Lebensräume gesucht und das Eckerl bei uns hat ihnen gefallen." © MA 49/Novotny

Aber auch Knoblauch-Kröte, Äskulapnatter, Hermelin und Rothirsche, Wachtelkönige und die blitzblauen Eisvögel fühlen sich hier inzwischen pudelwohl. Dank Gewässeranbindungen, Uferrückbauten, Außer-Nutzung-Stellen des Waldes und Gebietsberuhigung.

NaturschützerInnen retteten die Au

Die Geschichte des Nationalparks Donau-Auen reicht weit zurück: Denn dass es so weit kommen konnte, dafür wurde vor mehr als 20 Jahren der Grundstein gelegt. Bis ins 19. Jahrhundert war die Donau ein ungezähmter Fluss, umgeben von Auwäldern. Nach den großen Donauregulierungen und dem Bau von Flusskraftwerken drohte 1984 mit dem geplanten Bau des Kraftwerks Hainburg die Zerstörung einer der letzten frei fließenden Donauabschnitte mit seinen Auwäldern. Nach heftigen Protesten wurde der Schutz der Donau-Auen unterhalb von Wien geplant und die gesamten Donau-Auen östlich von Wien bis zur slowakischen Grenze am 26. Oktober 1996 zum Nationalpark erklärt.

Behutsam schützen

Von den ingesamt 9.300 Hektar entfallen 2.900 Hektar in den Verwaltungsbereich der Stadt Wien: die Lobau. Die MA 49 - Forstamt und Landwirtschaftsbetrieb der Stadt Wien pflegt und bewirtschaftet das Gebiet und lenkt in diesem sensiblen Gebiet die Erholungssuchenden mit insgesamt rund 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern: Försterinnen und Förster, Forstaufseherinnen und -aufseher, Forstfacharbeiterinnen und -arbeiter und zwei Forstgartenfacharbeiterinnen sowie Lehrlinge. Wobei 75 Prozent des Areals sich selbst überlassen und nur 25 Prozent des Nationalparks gemanagt werden. Das Team sorgt etwa dafür, dass schützenswerte Lebensräume und Pflanzen in ihrer jetzigen Form erhalten bleiben. So wie die Orchideen, die auf den Heißländen auf Schotter und Sand wachsen, und die sonst von Sträuchern und Bäumen verdrängt würden. Oder die Schwarzpappel, die auch Pionierstandorte wie Schotterbänke braucht, sonst würden sich Esche, Kirsche, Ahorn und Linde durchsetzen. Eine Besonderheit, weil Rarität, ist auch die Wilde Weinrebe, so der Förster, die große Bäume als Rankhilfe benutzt, um sich ein Plätzchen an der Sonne zu sichern.

Mini-Dinosaurier, Nager und Sonnenanbeterinnen

Äskulapnattern sind an Waldlichtungen anzutreffen. Sie sind für Menschen absolut ungiftig. © Getty Images

Zu den geschützten Tieren gehört auch die europäische Sumpfschildkröte, deren Eiergelege gut behütet werden. "Mit Drahtgeflechten, sonst werden sie von den Füchsen gefressen", erklärt Faltejsek. Und bei der Sanierung des Marchfeldschutzdamms wird in puncto Bauzeit Rücksicht auf die Eierablagen genommen. Beim Spaziergehen sieht man die scheuen Schildkröten noch am ehesten im April oder Mai auf Totholz im Wasser. "Dort nehmen sie gern ein Sonnenbad und sitzen dann aufgefädelt wie auf einer Schnur." In den Bombenkratern vom Zweiten Weltkrieg hingegen kann man mit viel Glück einen seltenen echten Salamander vorbeihuschen sehen: Der streng geschützte Donau-Kammmolch wirkt wie ein kleiner Dinosaurier, mit spitzem Kamm auf dem Rücken, geflecktem Tarn-Look und orangefarbenem Bauch. Temporäre Feuchtgebiete sind ihm am liebsten, in den Flüssen ist er für die Fische ein Leckerbissen. Die Chance, einen Biber beobachten zu können, ist aber eindeutig höher: Am südlichen Ende des Bibergeheges in der Oberen Lobau gibt es dafür eine Aussichtsplattform. Die fleißigen Nager sind schlau: Die Bäume, die sie fällen, dienen ihnen als Vorratskammer. Sie bleiben, im Wasser liegend, lange frisch und die Tiere können sich wochenlang von Rinde und Knospen ernähren.

Beobachten, bewundern und Rücksicht nehmen

Der "fliegende Edelstein" ist noch häufig in den Donau-Auen, die das wichtigste Brutvorkommen des Eisvogels in Österreich beherbergen. © Kurt Kracher

Was Faltejsek ein bisschen Sorge bereitet: Gerade durch die Entwicklung des Umlandes, wie etwa Aspern, sind künftig noch mehr Besucherinnen und Besucher zu erwarten. Damit das Naturjuwel noch lange eines bleibt, sind also auch die Menschen aufgerufen mitzuhelfen und sich an gewisse Regeln zu halten: Etwa, indem sie ihre Hunde immer an die Leine nehmen und ausschließlich die 68 Kilometer an markierten Wanderwegen und 23 Kilometer an ausgewiesenen Radwegen benützen. Sodass sich weiterhin Seeadler und Sumpfschildkröten im Wiener Dschungel so pudelwohl fühlen können wie die Menschen.

Fauna und Flora hautnah erleben

Ausflugstipps:

  • Bis 30. Oktober ist noch das nationalparkhaus wien-lobAU geöffnet, das als erste Anlaufstelle für Erkundungstouren ideal ist. Seit der Eröffnung im Jahr 2007 haben 200.000 Menschen das Umweltbildungs- und Infozentrum des Forstamts der Stadt Wien besucht.
  • Fauna und Flora vom Wasser aus erleben: Nationalpark-Bootsexpeditionen, etwa im Kanu, im Schlauchboot oder auf dem Schiff. Von der Salztorbrücke am Donaukanal startet noch bis 26. Oktober täglich um 9 Uhr das NationalparkBoot zu einem Halbtagesausflug mit Schnupperwanderung in die Lobau.

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