Thomas Podsednik, Betriebsleiter des Weingut Cobenzl, besichtigt die Reben. © Bohmann/Bubu Dujmic

Ein Schluck Wien

Von seinen Anfängen als typischer Schankwein bis zur geschützten Marke hat der Wiener Gemischte Satz DAC seinen Wiener Charakter bewahrt. Thomas Podsednik erzählt bei einer Führung durch das Weingut Cobenzl die Geschichte des edlen Tropfens.

Zwischen der romantischen Höhenstraße und einem Waldstück gedeihen in einem Weingarten bunt gemischte Weißwein-Qualitätsrebsorten. Reife Trauben hängen im saftigen Blattgrün der Weinreben. In allen Abstufungen, von goldgrün bis bernsteinfarben, glänzen die Beeren in der Spätsommersonne. "Ende September werden wir mit der Weinlese beginnen", erklärt Thomas Podsednik, Betriebsleiter des Weingut Cobenzl. Die prallen Trauben werden zum strohgelben Wiener Traditionswein verarbeitet, der unter der geschützten Herkunftsbezeichnung Wiener Gemischter Satz DAC Erfolge feiert. Auf 15 Hektar von den insgesamt 60 Hektar des Weinguts Cobenzl wachsen die Qualitätsrebsorten für den Wiener Gemischten Satz DAC. Der Aufstieg dieser zutiefst wienerischen Spezialität ist eine der bemerkenswertesten Erfolgsgeschichten im Weinbau überhaupt.

Auf rund 15 sonnigen Hektar gedeihen die Trauben für den Wiener Gemischten Satz DAC vom Weingut Cobenzl. © Bohmann/Bubu Dujmic

Typisch Wienerisch

Der Wiener Gemischte Satz hat eine lange und wechselvolle Geschichte, die in den Buschenschanken begonnen hat. In ihnen durften Winzerinnen und Winzer ihre Erzeugnisse seit einer Verordnung von Kaiser Joseph II. im Jahre 1784 ohne besondere Lizenz verkaufen. In der Öffnungsperiode wurde schon damals ein Büschel Zweige, auch "Buschen" genannt, oberhalb des Einganges aufgehängt. Bis heute wird in so ausgezeichneten Buschenschanken nur die eigene Produktion saisonal und vor Ort angeboten. In einem Heurigen können hingegen auch zugekaufte Produkte verkauft werden. Im Grunde darf sich jede Gaststätte "Heuriger" nennen, da weder die Voraussetzungen dafür gesetzlich definiert sind noch der Name geschützt ist. Der Wiener Heurigenboom in den 70er- und 80er-Jahren führte dazu, dass die regionale und saisonale Qualität des Wiener Gemischten Satzes verwässert wurde. Selbst in den Buschenschanken stand der Wein zu dieser Zeit nicht immer an erster Stelle. "Man hat sich mehr auf die Schank konzentriert als auf den Weinbau und die Reben", so Podsednik.

"Fruchtig, frisch und elegant", so beschreibt Podsednik den Wiener Gemischten Satz DAC. © Bohmann/Bubu Dujmic

Mitte des vergangenen Jahrzehnts beschloss eine Handvoll Wiener Qualitätswinzer, den Wein ihrer Heimatstadt aus dem Dornröschenschlaf zu holen. 2006 gründeten sie die Gruppe WienWein, die schnell zu einer hochaktiven Gemeinschaft wurde. Die Weingüter Christ, Edlmoser, Fuhrgassl-Huber, Mayer am Pfarrplatz, Wieninger und Cobenzl machten den Wiener Gemischten Satz zu ihrem Flaggschiff. In nur zehn Jahren wurde der Wiener Gemischte Satz von einer belächelten Kuriosität zu einem international gefragten Weintyp. Die Anbaufläche stieg von 46 Hektar im Jahr 2006 auf knapp 160 Hektar im Jahr 2016. In Wien selber ist er mittlerweile die Rebsorte Nummer 1, die Nachfrage steigt stetig.

Geschützte Marke

"Wir wollten etwas typisch Wienerisches auf eine neue Qualitätsstufe heben und erhalten", erinnert sich Podsednik. Mit den ersten Erfolgen kamen auch die Nachahmerinnen und Nachahmer, die es mit der Regionalität nicht so genau nahmen. "Wir wollten verhindern, dass Produktion aus anderen Bundesländern zugekauft und so der Geschmack verfälscht wird. Deswegen haben wir uns für die Verleihung der Auszeichnung Districtus Austriae Controllatus (DAC) an den Wiener Gemischten Satz eingesetzt", erklärt Podsednik. Die geschützte Ursprungsbezeichnung DAC wird von regionalen Weinkomitees an Qualitätsweine vergeben, die ihre Herkunftsregion in unverkennbarer Weise repräsentieren. Seit 2013 genießt der Wiener Gemischte Satz den DAC-Status. Damit ist gesichert, dass er ausschließlich aus Wien stammt und streng kontrolliert wird.

Geschützte Vielfalt

Nur ein Wein aus einem Wiener Weingarten, in dem mindestens drei Qualitätsweinsorten wachsen, die gemeinsam geerntet, gekeltert und zu Wein vergoren werden, darf die Bezeichnung Wiener Gemischter Satz DAC tragen. Dabei darf die erste Weinsorte nicht über die Hälfte und die dritte nicht unter 15 Prozent des Weines ausmachen. Innerhalb der strikten DAC-Vorgaben blüht die Vielfalt, denn jedes Weingut der WienWein-Gruppe hat eine ganz eigene Zusammensetzung der Reben. Podsednik: "Zwischen uns herrscht eine gesunde Konkurrenz, bei der die gegenseitige Unterstützung nicht zu kurz kommt. Schließlich haben wir alle das gleich Ziel: den Wiener Gemischten Satz DAC auf einem hohen Niveau zu erhalten."

Links der Klassiker, rechts der Lagenwein Wiener Gemischter Satz DAC. © Bohmann/Bubu Dujmic

Am Weingut Cobenzl gibt es den Wiener Gemischten Satz DAC in zwei Linien: den klassischen Wiener Gemischten Satz DAC in der durchscheinenden und den Lagenwein in der dunklen Flasche.

Klassisch und edel

"Leicht und unkompliziert mit Niveau", so beschreibt Thomas Podsednik die klassische Variante des Wiener Gemischten Satz DAC. Vergoren wird er am Weingut Cobenzl aus den Sorten Müller Thurgau, Grüner Veltliner, Gelber Muskateller, Riesling und Weißburgunder. Podsednik schwärmt: "Der Grüne Veltliner macht den Gemischten Satz DAC pfeffrig und würzig. Der Riesling sorgt für einen Hauch Säure. Die Burgundergruppe macht die Süße aus. Der Gelbe Muskateller und der Müller Thurgau sorgen für den unverwechselbaren Geschmack." Der klassische Wein hat 12,5 Prozent Alkoholgehalt und einen typischen, fruchtigen Geschmack. Er kommt meist ab Anfang  Dezember in den Verkauf.

"Zart röstig für die Nase und herzhaft trocken am Gaumen", ist laut Winzer der Lagenwein Wiener Gemischter Satz DAC. Der Lagenwein lässt sich Zeit zum Reifen und erfreut die Geschmacksknospen erst ab März des Folgejahres. Mit 13,5 Prozent Alkoholgehalt ist er etwas kräftiger und vollmundiger. Enthalten sind die Sorten Müller Thurgau, Grüner Veltliner, Chardonnay, Weißburgunder und Traminer. Dem handverlesenen Lagenwein ist eine Grundstücksnummer zugeordnet, die einer Lage entspricht. Er hat auch ein sehr hohes Lagerpotenzial von zehn und mehr Jahren. 

Verkostungen der edlen Tropfen finden standesgerecht an der Bar statt. © Bohmann/Bubu Dujmic

Traditionell und modern

Verkostet kann im hellen und herb duftenden Empfangsraum des Weingut Cobenzl werden. Die lange Holz-Bar ist umgeben von modernen Weinregalen mit glänzenden Weinflaschen. An den Wänden hängen Auszeichnungen. Das Sonnenlicht, das durch ein Dachfenster fällt, funkelt im gefüllten Weinglas. Im Weingut trifft Tradition auf moderne Präsentation und Produktion. Dabei wir im Weingut Cobenzl auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz gesetzt. Bei Führungen können Besucherinnen und Besucher mehr über das moderne Weingut erfahren und das Presshaus, den Weinkeller und die Weingärten besichtigen. Die Führungen finden nur nach Anmeldung und ab 15 Personen statt.

Die funkelnden Stahltanks warten darauf, den Gemischten Satz DAC reifen zu lassen. © Bohmann/Bubu Dujmic

Ein Beispiel für die modernen Fertigungsmethoden findet sich hinter den Kulissen. Der junge Weißwein reift nämlich nicht im Fass, sondern in glänzenden Stahltanks. "Der Eichengeschmack der Fässer ist wichtig für den Rotwein. Ein leichter Weißwein würde durch ihn nur verfälscht werden", erklärt Podsednik. In den Stahltanks herrschen kontrollierte Temperaturverhältnisse, die eine langsame Reifung ermöglichen. Das Ergebnis überrascht jedes Jahr aufs Neue.

Der Wiener Gemischte Satz DAC ist jedes Jahr anders, davon kann man sich am Weingut Cobenzl überzeugen. © Bohmann/Bubu Dujmic

Ein Spiegel der Saison

"Der Wein ist jedes Jahr anders, weil jede Saison anders ist. Der Wein spiegelt nicht nur den Boden, die Lage und das Kleinklima, sondern auch die Vegetationsperiode wider", erklärt Podsednik. Alle Rebsorten haben einen unterschiedlichen Reife- und Wachstumsverlauf, die natürlich auch abhängig vom Wetter sind. Anders als beim Cuvée, bei dem einzelne Weine miteinander im Keller verschnitten werden, kann der Winzer beim Wiener Gemischten Satz nicht eingreifen. Und wie wird er dieses Jahr? Thomas Podsednik ist sehr zuversichtlich: "Für uns war das ein sehr schönes Jahr mit ausreichend Regen- und Sonnentagen. Der Wiener Gemischte Satz DAC wird heuer hervorragend."

Wanderinnen und Wanderer können im Weingarten rasten. © PID/Houdek

Um das Warten auf den heurigen Wiener Gemischten Satz zu verkürzen, lädt die Stadt zum 10. Wiener Weinwandertag. Am ersten und zweiten Oktober locken idyllische Landschaften und eine Auswahl guter Tropfen. Auf drei Routen mit einer Wegstrecke von insgesamt 25 Kilometern kann die Wiener Weinlandschaft erkundet werden.

Wien, Wein und Wandern

Route 1 führt von Neustift am Walde nach Nussdorf. Der romantische Weg zieht sich durch die traditionsreichen Weinberge mit Blick auf Wien. Auf 10,8 Kilometern warten zahlreiche Winzerinnen und Winzer mit Köstlichkeiten aus Küche und Keller auf. Thomas Podsednik vom Weingut Cobenzl verspricht Unterhaltung mit Musik, Schmankerln und hauseigenem Wein.

Route 2 schlängelt sich von Strebersdorf bis Stammersdorf durch den 21. Bezirk. Die Weinlandschaft bietet auf 9,6 Kilometern Genuss für das Auge und leibliches Wohl in zahlreichen Heurigen.

Route 3 ist mit 4,5 Kilometern die kürzeste Strecke und führt von Ottakring bis Neuwaldegg, vom eleganten Schloss Wilhelminenberg über den romantischen Sprengersteig und den herbstlichen Paulinensteig zurück zum Schloss.

Der Wandertag findet auch im Web statt. Mit der Weinwandertag-App können alle Routen am Smartphone abgerufen werden und digitale Stempel an den Stationen gesammelt werden. Die App ist für iOS- und Android-Geräte erhältlich.

Jede und jeder kann mitwandern. Die Wege sind sowohl für Seniorinnen und Senioren als auch für Kinder gut geeignet. Für Familien mit Kinderwagen gibt es speziell gekennzeichnete Wegstrecken. Alternativ zu den Hauptrouten besteht auch die Möglichkeit, auf kleineren Teilstrecken zu wandern. Wer müde wird, kann auf den Heurigenexpress umsteigen. Er fährt auf der Strecke Weingut Cobenzl – Grinzing – Nussdorf und Strebersdorf – Stammersdorf und retour. In diesem Sinne: "Der Weinberg ruft!"

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