Diese dunkelrote Dahlie wurde 2016 extra zum 650-jährigen Bestehen der Universität Wien auf den Namen 'Universität Wien' getauft. © Bohmann/Ulrich Sperl

Pflanzenschätze im Botanischen Garten

Barbara Knickmann ist Sammlungsleiterin im Botanischen Garten der Universität Wien. Sie stellt neun Besonderheiten und einen Stammgast der bekannten Einrichtung vor.

Den Botanischen Garten ließ Kaiserin Maria Theresia bereits 1754 gründen. Die Anlage im dritten Bezirk beherbergt rund 12.000 Pflanzenarten aus sechs Kontinenten. Der Garten dient der wissenschaftlichen Forschung, dem Artenschutz, als innerstädtischer Biotop für heimische Tierarten und als Erholungsoase mitten in der Großstadt.

Die Indische Lotosblume begeistert mit zartrosa Blüten und schirmförmigen Blättern. © Bohmann/Ulrich Sperl

Die Indische Lotosblume gedeiht in einem Wasserbecken. Das existierte bereits, als der Botanische Garten noch eine Barockanlage mit geradlinigen Alleen und verschiedenen Wasserbecken war. Also, so um das Jahr 1842. Diese Blume wächst hier bereits seit mindestens 1983. Sie ist im Wiener Raum nicht winterhart. Daher wird Ende Oktober das Wasser abgelassen. Die Lotosblume überwintert mit Hilfe ihrer Rhizome. Das dicht über dem Boden wachsende Sprossachsensystem wird in der kalten Jahreszeit mit Laub bedeckt. Auf diese dicke Schicht kommen noch Schilfmatten als zusätzlicher Schutz.

In Asien ist die Indische Lotosblume ein Symbol der Reinheit, weil die Blätter aufgrund ihrer extrem dünnen Wachsschicht Wasser abperlen lassen. Dieser so genannte Lotos-Effekt wird heute synthetisch etwa für Duschwände genutzt.

Die Macrobulbon-Orchideen aus der Gattung Bulbophyllum werden jeden Morgen kräftig mit Wasser übergossen. © Bohmann/Ulrich Sperl

An der Wand des Gewächshauses beim Haupteingang des Botanischen Gartens hängen seit 1993 - riesigen "Ohrwascheln" gleich - einige Macrobulbon-Orchideen aus der Gattung Bulbophyllum. Sie wachsen ursprünglich in Papua Neuguinea an Felswänden. Die Riesenorchideen entwickeln bis zu zwei Meter große Blätter. Die Blüten dieser Orchideen riechen unangenehm nach verwesendem Fleisch. Die Pflanzen locken mit dem Geruch Insekten an, die von Aas angezogen werden. Sie bestäuben die großen Gewächse. Manche dieser Macrobulbon-Orchideen blühen nur alle vier bis fünf Jahre.

Der amerikanische Tulpenbaum hat sein Hauptverbreitungsgebiet an der US-Ostküste. © Bohmann/Ulrich Sperl

Der Tulpenbaum ist mit zwei Arten auf der Welt vertreten. Eine ist an der Ostküste der USA zu Hause. Die andere in China. Die amerikanische Art im Botanischen Garten ist mehr als 30 Meter hoch. Die asiatische Art wurde frisch gepflanzt und ist keine zwei Meter. Die Blüte erinnert entfernt an eine Tulpe. Bereits 1521 wurde ein Exemplar als Zierbaum in England gepflanzt. Und dieser Baum steht noch in vollem Saft. Der Wiener Tulpenbaum stammt möglicherweise aus den "Royal Botanic Gardens" in Kew, England, und ist bereits über 150 Jahre alt.

In Chile wird der Stiel des Mammutblatts geschält und wie Rhabarber gegessen. © Bohmann/Ulrich Sperl

Eine eigene Wasserversorgung

Das Mammutblatt kommt ursprünglich aus dem regenreichen Süden von Chile und wird bis zu vier Meter hoch. In Irland genießt es ähnliche Bedingungen. Dort hat sich die beliebte Garten-Pflanze fast epidemieartig ausgebreitet. Es gibt Steilküstenbereiche auf der grünen Insel, wo das Mammutblatt die heimische Vegetation bereits verdrängt hat.

Die Pflanze braucht enorm viel Wasser und hat daher im Botanischen Garten eine eigene Wasserversorgung. Das Wiener Exemplar wird im Winter, in eine Holzkiste gepackt, mit Laub und Strohmatten gegen die Kälte geschützt.

Der Meergrüne Blattbambus ist winterhart und die größte Bambusart in Österreich. © Bohmann/Ulrich Sperl

Der Meergrüne Blattbambus kommt aus China und ist eine Futterpflanze für den Pandabären. In Asien werden mit dem Bambus auch Gerüste für Hochhäuser gebaut. Das fünf Meter hohe Bambuswäldchen im Botanischen Garten besteht aus nur einer einzigen Pflanze, die unterirdisch zusammenhängt. Und die wahrscheinlich bereits 1894 gepflanzt wurde. Im Mai treibt das Gewächs für einige Wochen aus. Abgestorbene Triebe werden im Botanischen Garten rausgesägt. Es gibt einen eigenen Bambussteg, der das Betreten des Wäldchens ermöglicht.

Der Dreilappige Papau ist die einzige Annonenart, die in kühlem Klima gedeiht. © Bohmann/Ulrich Sperl

Aroma der Tropen

Die mehrstämmige Indianerbanane oder Dreilappige Papau kommt aus Nordamerika und blüht im Frühjahr mit kleinen purpurnen, glockenförmigen Blüten. Geschmacklich ist die Früchte mit der Cherimoya vergleichbar. Diese Frucht stammt ursprünglich aus Südamerika, wird heutzutage aber hauptsächlich in den Subtropen als Obstbaum angebaut. Ihr Aroma ist eine Mischung aus Banane, Mango und Vanille, ebenso wie das der "Dreilappigen Papau". Das tropische Obst der Papau kann man in Wien etwa auf dem Naschmarkt kaufen. Das fast cremige Fruchtfleisch wird vor dem Verzehr von den großen Kernen befreit. Die Pflanze im Botanischen Garten ist winterhart.

In Japan ist der Ginkgo-Baum ein Glückssymbol. © Bohmann/Ulrich Sperl

Der Ginkgo-Baum blüht erst nach rund 30 Jahren. Dann kann man auch das Geschlecht des Baums feststellen. Die weiblichen Ginkgos tragen Samen deren fleischiger Teil wenn er reif ist, stark nach Erbrochenem riecht. Die Ginkgo-Samen selbst sind geröstet eine Spezialität in China.

In der Hauptallee steht ein männlicher Ginkgo, dem ein weiblicher Ast aufgepfropft wurde. Insgesamt gibt es fünf große Ginkgos. Hinter dem Institutsgebäude steht ein uraltes Exemplar. Es ist ein Spektakel, wenn sich der Riese im Oktober verfärbt. Seine Blätter leuchten goldgelb, bis sie nach rund zehn Tagen abfallen.

Die Indianer Nordamerikas nutzen die Kermesbeere zum Färben. © Bohmann/Ulrich Sperl

Dunkle, brombeerartige Früchte

Es gibt eine südamerikanische und eine asiatische Kermesbeeren-Art. Kermesbeeren werden vor allem über Vögel verbreitet. Sie fressen die brombeerartigen Früchte, die für den Menschen leicht giftig sind, und scheiden die Samen mit dem Kot wieder aus. Das sorgt für eine flächenmäßig große Verbreitung. In Mitteleuropa zählen sie zu den Neophyten, unter denen es einige "problematische Arten" gibt, da sie die einheimische Flora verdrängen können. In Louisiana, USA, werden die noch jungen Blätter der Kermesbeeren ähnlich wie Spinat zubereitet.

Es gibt weltweit 40.000 Wanzenarten, eine davon ist die Streifenwanze. © Bohmann/Ulrich Sperl

Ein häufiger Gast im Botanischen Garten ist die Streifenwanze (Badehosenwanze). Sie ist weitschichtig verwandt mit den Bettwanzen und war ursprünglich im Mittelmeerraum beheimatet. Sie breitet sich seit Jahren Richtung Norden aus und hat es bereits bis Südschweden geschafft. Ihr dreieckiges Rückenschild überdeckt ihre ganze Rückseite. Sie liebt Doldenblütler und saugt an den reifenden Früchten den Pflanzensaft. Im Botanischen Garten sitzt sie am Bergfenchel, der etwa im Wienerwald auf der Perchtoldsdorfer Heide oder in den Hainburger Bergen vorkommt.

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