Ahoi Wien, ahoi Bratislava: Der neue Twin City Liner ist bereit für Ausflugsgäste. © Jake Sugden

 

Der neue Twin City Liner legt los

Wien-Bratislava ist die charmanteste Städteverbindung Europas. Möglich macht das der Twin City Liner. 2019 löst ein brandneuer Schnellkatamaran den altgedienten Vorgänger ab. CLUB WIEN durfte vor dem Saisonstart am 29. März an Bord.

Bald feiert der neue Twin City Liner seinen großen Saisonstart. Doch schon jetzt hat der Katamaran eine weite Reise hinter sich. Gebaut wurde der Twin City Liner in England. 62.000 Arbeitsstunden, 25 Tonnen Aluminium und 60 Quadratmeter Fensterglas brauchte es, um das sieben Millionen Euro teure Schmuckstück fertigzustellen. Vom Hafen Crowes auf der Isle of Wight ging es über Dover und Rotterdam nach Wien. Die Reise dauerte zweieinhalb Wochen.

 

Noch liegt der Twin City Liner im Hafen Freudenau vor Anker. Vor der offiziellen Jungfernfahrt macht der Katamaran einige Testfahrten nach Bratislava. Die Gäste der heutigen Fahrt sind leicht zu erkennen. In grünen Sicherheitswesten marschieren sie quer über den Hafen bis zur Anlegestelle des Twin City Liners, der dort gleich neben der MS Eisvogel auf seinen Einsatz wartet.

Verdoppelte Kapazität für PassagierInnen

Der optische Unterschied zum Vorgänger ist nicht schwer zu erkennen. Der neue Twin City Liner ist etwas breiter und auch länger. Das Design ist wesentlich moderner, geschwungener und vor allem stromlinienförmiger als beim alten Liner. An Bord wartet Kapitänin Stefanie Oberlechner, um gemeinsam mit ihrer Crew die Gäste zu begrüßen. Auch das ist eine der Aufgaben der Schiffsführerin. Mit dem neuen Katamaran sind alle mehr als zufrieden. "Das Design ist wirklich einzigartig und setzt Maßstäbe in Sachen Binnenschifffahrt", ist sich die versammelte Crew einig.

"Wie man sieht, haben wir die Kapazität für Passagierinnen und Passagiere verdoppelt", sagt die Kapitänin beim Betreten des Hauptdecks. Hier im "Erdgeschoß" befinden sich die meisten der 250 Sitzplätze. Ein paar wenige befinden sich im Oberdeck, dem 1. Stock des Schnellkatamarans, in der ersten Klasse. Im Außenbereich des Hauptdecks gibt es nun auch einige Fahrradständer für Radausflüge nach Bratislava oder umgekehrt.

CLUB WIEN auf Probefahrt

Modernste Technik

Die Technikcrew des Twin City Liners ermöglicht einen Blick in den Motorraum des Schnellkatamarans. Dort ist Zutritt streng verboten, durch eine Luke kann man aber einen Blick auf einen der Motoren werfen. Insgesamt hat der neue Schnellkatamaran vier Stück. Unterstützt werden die von vier Wasserstrahlantrieben, auch Waterjet genannt. So garantiert man nicht nur eine hohe Ausfallsicherheit. Der neue Twin City Liner ist auch sparsamer beim Treibstoffverbrauch und verursacht weniger CO2-Emissionen als die Vorgänger.

Außerdem ist die Drehzahlleistung der Motoren niedriger und die Einsatzzeit länger. Man rechnet mit 20 Jahren. Schon beim Start merkt man die Leistung des Katamarans, der ordentlich wegzieht und schnell ein beachtliches Tempo erreicht. Seine Höchstgeschwindigkeit auf See ist 75 Kilometer pro Stunden, die Strecke Wien-Bratislava fährt er mit 60 Kilometern pro Stunde.

Sowohl am Heck als auch am Bug, also vorne und hinten, befinden sich Radaranlagen, die ununterbrochen im Einsatz sind. Für genügend Strom sorgen zwei Hochleistungsgeneratoren und leistungsstarke Notstrombatterien.

Willkommen auf der Brücke

Der Arbeitsplatz von Stefanie Oberlechner ist die Brücke. Die befindet sich auf dem Oberdeck und von ihrem imposanten Stuhl hat die Kapitänin alles im Blick. Mit dem neuen Twin City Liner zu fahren, macht ihr und ihrem Ersten Offizier sichtlich Spaß. "Das Fahrgefühl ist schon ein anderes. Er ist ja doch breiter und länger und reagiert anders im Wasser. Die vier Motoren und die Waterjets kompensieren das aber sehr gut. In Sachen Wendigkeit ist er dem alten Twin City Liner sogar überlegen", sagt Oberlechner.

Direkt vor ihr befindet sich der Radarbildschirm sowie diverse Anzeigen, mit denen die Motoren, die Klappen und die Düsenstellung überwacht werden. Auch einen Wendekreisanzeiger gibt es. Interessant ist das Tresco-System, das auch grafisch dargestellt wird. Mithilfe von GPS wird die Position des Twin City Liners auf einer Karte dargestellt. Der Katamaran bewegt sich auf der Karte nicht, wie bei einem Radar bewegt sich die Karte darunter. Es ähnelt einem Navigationssystem, hat aber keine festgelegte Route. Auf einen Blick sieht man Kurs, Geschwindigkeit, VHF-Kanäle und mehr.

Die 3-D-Darstellung bietet ein detailgetreues Bild der Route. Das System kann aber auch andere Schiffe erkennen. "Jetzt gerade sehen wir hier zum Beispiel, dass uns ein Schiff namens Nitra entgegenkommt, und wir erfahren auch, dass die mit 5,4 Kilometern pro Stunde unterwegs sind." Im Vergleich zu den muskulösen 60 Kilometern pro Stunde des Twin City Liners ist das Schneckentempo.

Vorbereitungen für die StädtetouristInnen

Die Fahrt nach Bratislava dauert 75 Minuten. Die Burg Bratislava grüßt schon aus einiger Entfernung. Die Fahrt dahin war windig, aber sanft und bequem. Die Anlegestelle des Twin City Liners kommt langsam, aber sicher näher und die Crew in Bewegung. Vorne und hinten werden Leinen vorbereitet. Stefanie Oberlechner übernimmt auch hier das Kommando und springt als Erste ans Ufer. Von hier aus dirigiert sie den Ersten Offizier, bis er die perfekte Distanz zum Pier gefunden hat. Blitzschnell wird der Katamaran festgezurrt.

Mit der Fahrt ist Oberlechner sehr zufrieden. "Alles lief nach Plan, der Twin City Liner ist im Topzustand", lautet ihr Fazit. Die Zeit in Bratislava nutzt die Crew dazu, die Seile abzumessen. "Wir wollen fixe Seile anfertigen lassen, die genau die Länge haben, die wir brauchen. Dann müssen wir nicht jedes Mal aufs Neue probieren, sondern haben genau das Richtige parat." Abgesehen davon gibt es nicht viel zu tun. "Wir optimieren jetzt einfach alle Abläufe, um den Gästen ab 29. März perfekten Service zu bieten."

Schon nach wenigen Minuten gibt Oberlechner das Kommando "Leinen los!" Der Katamaran wendet geschmeidig und tritt die Fahrt nach Wien an. "Hier fahren wir gegen die Strömung oder 'bergauf', wie wir sagen. Das heißt, die Geschwindigkeit ist geringer, knapp über 50 Kilometer pro Stunde, und wir brauchen daher 90 Minuten", sagt Oberlechner.

Die Gäste nehmen an den Fenstern Platz und genießen die Landschaft. Links und rechts fliegen die Möwen ihre Runden, vorne windet sich die blaue Donau ihren Weg. Bei der Ankunft in Wien wird das Anlegemanöver wiederholt und die Crew verabschiedet sich.

Der neue Twin City Liner ist für den Saisonauftakt am 29. März bereit. "Wir freuen uns darauf", sagt Kapitänin Stefanie Oberlechner.