02.APRIL 2019 
Gesundheit
In der NMS Bendagasse wird auf eine ausgewogene Ernährung geachtet. So auch in der Schulküche, wo ausschließlich gesund gekocht wird. © Bohmann/Andrew Rinhky

Gesund jausnen

Eine Schuljause soll nicht nur sättigen, sondern auch gut schmecken, gesund sein und die benötigte Energie liefern. Doch welche Lebensmittel eignen sich dafür? Mit dem Trink- und Jausenführerschein lernen SchülerInnen, wie eine gesunde Ernährung aussieht.

Gesunde Ernährung ist wichtig. Trotzdem wird in der Pause allzu oft anstelle eines Apfels ein Schokoriegel vernascht und an vielen Trinkautomaten warten Süßgetränke wie Cola oder Limonade. Viele Kinder wissen heutzutage gar nicht genau, was eine gesunde Ernährung ist, was wir essen und was wir lieber meiden sollten. Dabei ist ein gesundes Ernährungsverhalten gerade im Kindesalter enorm wichtig. Es unterstützt die Leistungsfähigkeit und Entwicklung der Schülerinnen und Schüler und kann Ernährungsproblemen wie Übergewicht entgegenwirken. In der Kindheit wird ein wichtiger Grundstein für das spätere Essverhalten gelegt und vieles wird oft bis ins Erwachsenenalter beibehalten. Mit dem Trink- und Jausenführerschein sollen Kinder die Vorzüge einer vernünftigen Ernährung nähergebracht werden.

An mehr als 45 Wiener Schulen wird der Trink- und Jausenführerschein angeboten. Dieser wurde vom vorsorgemedizinischen Institut SIPCAN ins Leben gerufen und wurde heuer in Zusammenarbeit mit der Tierschutzombudsstelle Wien und der Wiener Umweltschutzabteilung - MA 22 um ein wichtiges Modul ergänzt. Erstmals wird auch das Thema Umwelt- und Tierschutz beim Essen und Trinken behandelt. Rund 100 Pädagoginnen und Pädagogen an Neuen Mittelschulen und Gymnasien in Wien nutzen den Trink- und Jausenführerschein, um Kindern die Vorzüge einer gesunden Ernährung und Schuljause nahezubringen. CLUB WIEN hat sich mit Manuel Schätzer von SIPCAN und Gabriele Mucha, Vizedirektorin der Neuen Mittelschule Bendagasse, getroffen und mit ihnen über gesunde Ernährung in der Schule gesprochen.

Was ist der Trink- und Jausenführerschein?

Seit über zehn Jahren gibt es den Trink- und Jausenführerschein, der vom vorsorgemedizinischen Institut SIPCAN entwickelt worden ist. SIPCAN setzt sich bundesweit stark für das Betreiben von ernährungsbezogener Prävention in Schulen ein. "Wir bieten einerseits Programme, bei denen es darum geht, dass die schulischen Angebote wie das Schulbuffet, der Mittagstisch, die Kantinen oder auch Getränkeautomaten verbessert werden. Andererseits entwickeln wir Programme direkt für den Unterricht", so Schätzer von SIPCAN. Eines davon ist der Trink- und Jausenführerschein. "Das Programm ist ein kostenloses Unterrichtspaket für den Biologieunterricht der 5. Schulstufe, also 1. Klasse in der Neuen Mittelschule und im Gymnasium. Die Pädagoginnen und Pädagogen können die Unterlagen direkt im Unterricht einsetzen." Der Schwerpunkt des Programms liegt in der erlebnis- und praxisorientierten Vermittlung von Ernährungswissen. Seit 2019 gibt es für alle Pädagoginnen und Pädagogen in Wien ein Zusatzmodul zum Thema Umwelt- und Tierschutz. Doch wie genau läuft der Trink- und Jausenführerschein ab?

So funktioniert der Trink- und Jausenführerschein

Der Trink- und Jausenführerschein ist aufgeteilt in fünf Module: "Ernährungspyramide", "Richtig trinken", "Fünf am Tag, weil ich es mag", "Das ist unsere Stärke" und "Die Auflage als Draufgabe". Jedes Modul dauert eine Unterrichtseinheit. Der Fokus liegt auf dem Thema Schuljause. So werden im Modul "Das ist unsere Stärke" kohlenhydrathaltige Produkte wie Semmel oder Vollkornbrot durchgenommen und im Modul "Fünf am Tag, weil ich es mag" die Menge an Gemüse und Obst besprochen. Die Inhalte können jederzeit individuell erweitert werden. Am Ende des Programms müssen die Schülerinnen und Schüler einen Single-Choice-Test absolvieren. Hier wird alles gefragt, was sie im Laufe der letzten fünf Wochen gelernt haben. "Wichtig ist, dass niemand beim Test durchfällt. Wenn jemand nicht genügend Punkte erreicht hat, kann sie oder er eine Nachprüfung machen. Aber es ist wichtig, dass das Thema positiv verstärkt wird", so Schätzer. Anschließend erhalten alle teilnehmenden Schülerinnen und Schüler ihren Trink- und Jausenführerschein. "Wenn das Programm zu Ende ist, wird den Kindern vom Klassenvorstand der Jausenführerschein übergeben. Die Kinder sind ganz stolz auf ihren Jausenführerschein und zeigen ihre Leistungsnachweise sehr gerne her", so Gabriele Mucha, Vizedirektorin der Neuen Mittelschule Bendagasse. "Es ist für die Kinder wirklich ein positiver Verstärker, sich mit gesunder Ernährung auseinanderzusetzen."

Learning by doing

Ganz nach dem Motto "Learning by doing" wird den Schülerinnen und Schülern das Thema gesunde Ernährung mittels praktischer Übungen nähergebracht. Ziel ist, den Schülerinnen und Schülern den Stellenwert einer gesunden Ernährung und Schuljause aufzuzeigen.

Denn eine gesundheitsfördernde Jause wirkt sich durch eine Erhöhung der Leistungs-, Aufnahme- und Konzentrationsfähigkeit positiv auf den Unterricht aus. "Es ist von Lehrperson zu Lehrperson verschieden, wie der Lernstoff vermittelt wird. Wir legen jedoch sehr viel Wert darauf, dass wir mit vielen praktischen Beispielen arbeiten. Denn unsere Kinder lernen am besten, wenn sie etwas vor sich haben und das auch angreifen, sehen, begreifen und kosten können", so die Vizedirektorin. Während des Unterrichts werden deshalb auch viele alltägliche Lebensmittel, die die Kinder mit in die Schule nehmen, besprochen. "Wir nehmen die Getränke her, die die Schülerinnen und Schüler dabei haben, und besprechen den Zuckergehalt. Wie viel Zucker enthält das Getränk? Welchen Zucker gibt es? ? Fruchtzucker, Milchzucker, Traubenzucker. So werden auch schnell aus einem Modul mehrere Unterrichtseinheiten", erklärt Mucha.

Umwelt- und Tierschutz in der Schule

Im neuen Zusatzmodul werden die Themen Fleischproduktion und Tierhaltung, Regionalität und Saisonalität sowie Mindesthaltbarkeitsdatum und Lebensmittelverschwendung behandelt. Den Kindern soll so ein Bewusstsein für Umwelt- und Tierschutz vermittelt werden. "Umwelt und Tierschutz sind untrennbar mit Essen verbunden. Daher freut es uns sehr, dass die Schülerinnen und Schüler auf so spannende und lebensnahe Weise für das Thema sensibilisiert werden", so Eva Persy, Leiterin der Tierschutzombudsstelle Wien (TOW). So wird in den Unterrichtsstunden darüber gesprochen, was das Mindesthaltbarkeitsdatum auf den Lebensmitteln bedeutet und wie lange nach diesem Datum man beispielsweise ein Joghurt noch essen kann, aber auch warum so viele Masttiere gehalten werden, wie sie gehalten werden und welche Alternativen zu Fleisch es gibt. "Denn wenn alleine nur die Größe der Fleischportionen reduziert wird oder häufiger mal eine vegetarische Alternative auf den Tisch kommt, dann ist das schon ein guter erster Schritt für Gesundheit, Tier und Umwelt", betont Eva Persy.

Jausentagebuch

Während die Schülerinnen und Schüler im Unterricht Wissenswertes über ihre Ernährung erfahren, führen sie ein Jausentagebuch. Vier Wochen lang wird in einfacher Art und Weise notiert, was die Kinder trinken und essen. "Beim Jausentagebuch geht es darum, dass ab dem Modul 'Richtig trinken' das eigene Verhalten beobachtet werden soll und so positiv verstärkt wird. Dadurch wird einerseits das Lernen durch Selbsterfahrung verstärkt gefördert, andererseits kann so das Ernährungsverhalten positiv verändert werden", so Manuel Schätzer.

Sichtbare Erfolge

Dass der Trink- und Jausenführerschein eine positive Wirkung auf die Schülerinnen und Schüler hat, bestätigt auch die Vizedirektorin Gabriele Mucha. "Man merkt, dass die Kinder aufmerksamer sind, was sie essen und welche Getränke sie mit in die Schule nehmen. Häufig hört man auch 'Warum trinkst du das? Da ist doch viel zu viel Zucker drin.' Es ist eine positive Umstellung spürbar." Für Frau Mucha ist es jedoch auch wichtig, dass ihre Schülerinnen und Schüler wissen, dass gesunde Ernährung nichts damit zu tun hat, dass man sich komplett von allem abwendet, sondern dass man alles mit Maß und Ziel genießen soll. "Natürlich wollen wir nicht, dass die Kinder auf alles gänzlich verzichten und wir wissen auch, dass sie am Nachmittag die ein oder andere Limonade trinken. Ausnahmen sind in der Regel auch erlaubt. Unser großes Ziel ist, dass sie selbst die Wahl haben, ihre Ernährung positiv zu verändern und gesund zu leben."

Die gesunde NMS Bendagasse

Seit über zehn Jahren nimmt die Neue Mittelschule Bendagasse an den Programmen von SIPCAN teil. Die Schule achtet gezielt auf eine gesunde Ernährung. So sind während des Schulbetriebs stark zuckerhaltige Getränke gänzlich verboten, in den Pausen sind Fruchtsäfte erlaubt und während des Unterrichts dürfen die Kinder nur Wasser trinken. Auch in den Übungsküchen wird ausschließlich mit gesunden Produkten gekocht. "Es ist uns sehr wichtig, dass Kinder bereits im frühen Alter lernen, welche Lebensmittel gut für sie sind und wie sie diese verarbeiten können. Viele lernen das erst bei uns im Unterricht", so Mucha.

Gütesiegel des Wiener Netzwerks Gesundheitsfördernde Schulen

Dass sich die NMS Bendagasse in Sachen gesunder Ernährung beweist, zeigt auch das Gütesiegel des Wiener Netzwerks Gesundheitsfördernde Schulen. Die Schule erhielt das Gütesiegel, weil sie ihre Schwerpunkte in den Bereichen psychische, physische und soziale Gesundheit gesetzt hat. Es gibt hier Unterricht zum Thema "Soziales Lernen/Kompetenztraining". Angeboten wird auch eine Ausbildung zur Konfliktlotsin und zum Konfliktlotsen. Diese können dann als Peer-Mediatorinnen und -Mediatoren bei Konflikten eingesetzt werden. Darüber hinaus werden gewaltpräventive Maßnahmen durchgeführt, interkulturelle Kompetenzen gefördert, zuckerreduzierte Getränke angeboten und ein Schulbuffet mit gesunden Lebensmitteln organisiert. "Es kommen mittlerweile Eltern zu uns, die ihre Kinder bewusst bei uns anmelden, weil ihnen eine gesunde Ernährung sehr wichtig ist. Bei uns wird viel Wert darauf gelegt, dass sich die Kinder gesund ernähren, viel Wasser trinken und sich bewegen. Genau das ist unser Grundkonzept - wir sind eine gesundheitsfördernde Schule auf allen Ebenen", so die Direktorin.