Tierschutzombudsfrau Eva Persy erklärt, wie man Tiere vor Hitze schützen kann, vom Kaninchen bis zum Hund. © Bohmann/Andrew Rinkhy

 

Tiere vor der Hitze schützen

Die häufiger werdenden sommerlichen Hitzewellen sind nicht nur für Menschen eine Belastung. Auch Tiere leiden unter den Temperaturen. Tierschutzombudsfrau Eva Persy hat CLUB WIEN verraten, wie man den Vierbeinern im Sommer helfen kann.

Das TierQuarTier Wien ist eines der modernsten Tierschutz-Kompetenz-Zentren Europas und bietet Hunden, Katzen und diversen Kleintieren ein schönes Zuhause, bis sie vermittelt werden können. Die Profis wissen ganz genau, wie man sich im Sommer um die vierbeinigen Schützlinge kümmern muss. Das ist leider nicht überall so, wie Tierschutzombudsfrau Eva Persy aus eigener Erfahrung weiß.

Gut gemeint ist nicht immer gut

Dass man Hunde nicht im in der Sonne geparkten Auto eingesperrt sitzen lassen sollte, müsste mittlerweile allen klar sein. "Das kann schon ab 20 Grad tödlich enden und kommt leider immer wieder vor", sagt Persy. Doch auch nicht ganz so offensichtliche Fehler passieren immer wieder und auch da können die Konsequenzen unangenehm sein. "Ich habe schon davon gehört, dass Leute überhitzte Hunde mit ganz kaltem Wasser abspritzen oder ihn ins eiskalte Wasser setzen. Von ganz heiß auf ganz kalt ist für alle Tiere eine extreme körperliche Belastung."

Stattdessen sollte man den überhitzten Hund sofort in den Schatten bringen und seinen Körper mit handwarmem oder leicht kühlem Wasser abkühlen. Auch das dringend notwendige Trinkwasser darf nicht eiskalt sein. Ist der Hund mobil, kann man ihm ein feuchtes Tuch anbieten auf das er sich legen kann, wenn er denn möchte. Anschließend muss das Tier zu einer Tierärztin oder einem Tierarzt - auch wenn sich sein Zustand scheinbar verbessert. "Die Leute meinen es gut, das ist klar, aber mit falschen Erste-Hilfe-Maßnahmen tut man keinem Tier einen Gefallen", sagt Persy. Ausreichend Wasser muss immer vorhanden sein, auch bei Kleintieren. "Hier empfehle ich gerne, eine zweite Trinkflasche anzubieten. Wenn eine ausfällt, ist das schlimm für die durstigen Meerschweinchen, Kaninchen und Co." Wasser sollte man auch regelmäßig wechseln, in abgestandenem Wasser vermehren sich Bakterien.

 

Katzen lieben feuchte Hände

Ein Profitipp für Hunde, die zu wenig trinken, ist, das Futter in Wasser suppenartig unterzumischen. Große Mahlzeiten sollte man auf mehrere kleine Mahlzeiten aufteilen, um die Hunde nicht zu belasten. Bei Katzen ist es ähnlich. Die unabhängigen Tiere können im Sommer schon einmal zu wenig Flüssigkeit zu sich nehmen. In dem Fall könnte es helfen, mehrere Trinkstellen anzubieten und auch ein Trinkbrunnen könnte eine lohnende Investition sein. "Es gibt Katzen, die sehr gut darauf ansprechen, wenn sie Zugang zu sich bewegendem Wasser haben", so Persy. Die Tierschutzombudsfrau hat noch einen Tipp für Katzenhalterinnen und -halter: "Viele Katzen mögen es, wenn man sie an heißen Tagen mit feuchten Händen streichelt." Und: Da im Sommer gerne gelüftet wird, sollte man noch einmal daran denken, eine Absturzsicherung installiert zu haben. Das ist Pflicht und auch dringend nötig, denn immer wieder kommt es zu Unfällen.

Neben dem Wasser ist der Schatten das zweite kritische Element. "Egal welches Haustier Sie haben, ein Schattenplatz ist Pflicht", sagt Persy. Das gilt etwa für Aquarien, in denen im schlimmsten Fall das ganze System kippen kann. Auch Käfige sollten vor der Sonne geschützt werden. In die Kategorie "Gut gemeint, schlecht gemacht" fällt leider, dass viele Menschen Käfige in die Zugluft stellen. Dass die Tiere sich darüber freuen, ist ein Irrglaube, vielmehr ist es eine starke Belastung für den Organismus.

Schatten ist das A und O

Auch Hunde und Katzen brauchen Schatten. Spaziergänge sollte man in den frühen Morgenstunden und am späten Abend machen. Falls der Vierbeiner zwischendurch raus muss, reicht ein kurzer Abstecher an die frische Luft. Ganz wichtig: Hören Sie auf Ihr Tier. "Wenn der Hund genug hat, gibt er das auch zu erkennen. Achten Sie auf seine Signale." Gerade Hunde mit flachen Schnauzen, wie Möpse oder Bulldoggen, leiden im Sommer besonders, da sie nicht viel Luft bekommen. Diese Rassen gilt es besonders zu schonen, denn starke Hitze bedeutet für sie Lebensgefahr.

Nicht ganz überzeugt ist Persy von der Flut an Zubehör, die heutzutage vertrieben wird. "Dinge wie Kühljacken für Hunde sind sehr kritisch zu hinterfragen. Schließlich kann sich das Tier ja dagegen nicht wehren, wenn es ihm total unangenehm ist. Kühlmatten machen da schon mehr Sinn", so Persy.

Wie erkennt man aber eine Überhitzung und was kann man dann tun? "Immer wieder kommt es leider bei Hunden vor. Das fängt mit starkem Hecheln bzw. nervösem Verhalten an. Wenn dann das Hecheln extrem, die Zunge dunkel wird, der Hund taumelt oder erbricht, muss man sofort zu einer Tierärztin oder einem Tierarzt. Auch wenn es so aussieht, als würde sich die Situation nach Erste-Hilfe-Maßnahmen (siehe oben) von selbst beruhigen, rate ich nach so einem Vorfall dringendst zu einem Besuch einer Tierärztin oder eines Tierarztes."

Wenn man diese grundlegenden Dinge beherzigt, sorgt man auf jeden Fall dafür, dass auch die vierbeinigen Lebensgefährten einen schönen Sommer haben.