Die Erdkröte fühlt sich in den Laichgewässern pudelwohl. Der Weg dahin kann aber gefährlich sein. © Manfred Pendl/MA 22

 

Sicheres Wandern für die Kröten

Im Frühling begeben sich quer durch Wien Tausende Amphibien auf Wanderschaft. Ihr Ziel: die Laichgewässer. Der Verkehr stellt dabei eine potenziell tödliche Hürde dar. Die MA 22 (Umweltschutz in Wien) unterstützt Kröten und Co auf deren Weg.

Große Steine, tote Baumstämme, welkes Laub: Die kalte Jahreszeit haben die Kröten, wie auch andere Amphibien, gut versteckt im Winterquartier verbracht. Im Frühling zieht es sie Richtung Laichgebiet und so kommt es zu den großen Wanderungen. Nicht das einzige Mal im Jahr: Nach der Eiablage ziehen sie zu den Sommerquartieren weiter. Die Jungtiere folgen ab Juni. Im Spätherbst wandern die Amphibien zurück in ihre Winterquartiere.

"Unsere Kröten leben nur zur Paarung und Eiablage im Gewässer, den Großteil ihres Lebens verbringen sie an Land, sie überwintern auch an Land. Sie fressen Würmer, Schnecken, Insekten, Spinnen, die sie sich ins Maul stopfen können. Krötenweibchen legen mehrere Tausend Eier in sogenannten Laichschnüren ab", sagt Harald Gross, Experte der MA 22 (Umweltschutz in Wien). Vor allem ihr Fressverhalten hat auch Vorteile für den Menschen. Kröten verzehren Ungeziefer und reduzieren die Anzahl der Stechmücken.

MA 22 schafft sichere Routen

Die Wanderlust der Kröten ist gleichzeitig auch eine der größten Gefahren für das Tier. Schon der Luftzug eines vorbeifahrenden Automobils kann tödlich enden. Die mitunter spektakulären Massenwanderungen spielen sich vor allem bei feuchtem Wetter und milden Temperaturen ab. Die meistfrequentierten Amphibienwanderstrecken in Wien finden sich um 2., 14., 17. und 21. Bezirk. Die MA 22 hat bei vielen bekannten Routen Leitsysteme und Krötentunnel errichtet, die auch von anderen Tieren genutzt werden, etwa Igeln und Füchsen.

 

"An den wichtigsten Wanderrouten wurden permanente Amphibienschutzanlagen in die Straßen eingebaut: Prater, Rosentalgasse, Schottenhof, Exelbergstraße und Senderstraße am Bisamberg", sagt Gross. "Die Amphibien können in Tunnelanlagen unter der Straße dem Verkehr ausweichen. An einigen Stellen sind freiwillige Helferinnen und Helfer unterwegs und bringen die Tiere über die Straße." Außerdem wurden und werden im Rahmen des Wiener Arten- und Lebensraumschutzprogramms NetzwerkNatur Tümpel als Laichgewässer für Amphibien angelegt.

Wien bietet Lebensräume

Die Amphibienleitsysteme werden laufend kontrolliert und optimiert. Reinigung und das Entfernen von blockierenden Sträuchern stehen regelmäßig auf dem Arbeitsplan. Zuletzt wurde die in die Jahre gekommene Kröten-Leithilfe im Rosental mit Unterstützung des Wiener Land- und Forstwirtschaftsbetriebs der Stadt Wien (MA 49) und der Abteilung für Straßenverwaltung und Straßenbau (MA 28) einer Runderneuerung unterzogen. 

Die Stadt Wien setzt sich für artgerechte Lebensräume ein. "In Wien leben 17 verschiedene Amphibienarten, die angelegten Tümpel kommen natürlich auch ihnen zugute. Für die in Anhang II der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU gelisteten Arten Gelbbauch- und Rotbauchunke, Alpen- und Donaukammmolch gibt es ein regelmäßiges, wissenschaftliches Untersuchungsprogramm", sagt Gross. Rund 30 Prozent der Fläche Wiens ist Schutzgebiet nach Wiener Naturschutzgesetz, diese Fläche bietet Amphibien einen idealen Lebensraum.

Alle können beim Artenschutz helfen

Den Kröten können aber auch Sie und jede andere Einzelperson unter die Arme greifen, und das ohne viel Aufwand. "Zur Zeit der Amphibienwanderung Straßen, die von Amphibien überquert werden, möglichst nicht mit dem Auto befahren. Starke Amphibienwanderung ist im Frühjahr immer bei warmen, feuchten Nächten", sagt Gross. Ein wenig Umsicht kann viele Krötenleben retten. Außerdem empfiehlt der Experte, im Garten wilde Ecken zu lassen und sich dafür einzusetzen, dass auf vielen Flächen wilde Ecken wachsen dürfen. So hilft es nicht nur den Kröten, sondern der gesamten Wiener Natur, wenn man Totholz und Laubhaufen belässt.

Weitere Tipps für Hobbynatuschützerinnen und -schützer: keine Pestizide verwenden, bei Schwimmbecken Ausstiegshilfen anbieten, keine Fische oder Schildkröten in Gartenteichen halten und keine Fische in öffentlich zugänglichen Teichen aussetzen.

Falls Sie mehr zu dem Thema erfahren möchten: Der Folder "Amphibien in Wien. Ein Leitfaden" kann bei der Wiener Umweltschutzabteilung kostenlos bezogen werden, entweder als Download unter umweltschutz.gv.wien.at oder als Broschüre unter 01/4000-73420.