04.AUGUST 2020 
Freizeit
Die Tennisplätze im Donaupark stehen allen offen. © Bohmann

Tennis im Donaupark

Die Wiener Parks sind echte Alleskönner. Naherholungsgebiet, Picknickareal, Sonnenstudio und Open-Air-Tennishalle. Moment, Tennishalle? Ganze genau. Im Donaupark zum Beispiel locken kostenlos bespielbare Tennisplätze. CLUB WIEN hat geschnuppert.

Schwer zu finden sind die Tennisplätze im Donaupark nicht. Schon als wir mit dem Rad den Donauturm umkreisen, hören wir das leise Ploppgeräusch, das entsteht, wenn der Schläger den Ball trifft. Es ist Freitag, kurz vor neun Uhr morgens und die Wiener Tennisfreundinnen und -freunde sind schon längst auf den Beinen. Die Gratisplätze im Donaupark sind unglaublich beliebt und auch jetzt sind schon fast alle Plätze belegt. Statt auf dem bekannten roten Sand spielt man hier übrigens auf Asphalt.

Als wir näher kommen, sehen wir, wie bunt gemischt die Partien sind. Da spielt ein Opa mit seinem Enkel, auf dem nächsten Platz spielt eine Damenrunde eine lockere Doppelpartie, ganz hinten hämmern sich zwei Fortgeschrittene die Bälle nur so um die Ohren. Vom absoluten Neuling bis zum Halbprofi: Der Park vereint alle Klassen. Auf dem letzten freien Platz wartet auch schon Stefan Weber auf uns. Der Tennistrainer, der beim Wiener Tennisverband für die Kids zuständig ist, wird uns einen Crashkurs in Sachen Tennis geben.

Aufwärmen ist essenziell

Dass Tennis nicht nur Spaß macht, sondern auch gesund ist, weiß Weber natürlich genau. „Das Schöne am Tennis ist, dass man sich nicht nur viel bewegt. Man verbessert gleichzeitig die Ausdauer und aktiviert sämtliche Muskelgruppen des Körpers“, sagt Weber. Dementsprechend umfassend muss auch das Aufwärmen sein. Zuerst beginnen wir mit dem Einlaufen. Ein paar Runden um den Platz reichen aus, dazwischen wechseln wir immer wieder in den Kreuzschritt, da beim Tennis auch die horizontale Bewegung eine große Rolle spielt. Zum Abschluss kreisen wir noch ausgiebig mit den Armen, vor allem die Schultern sollen mobilisiert und warmgemacht werden.

Tennis ist ein simples Spiel: Der Ball muss über das Netz auf die andere Seite und darf nur einmal im eigenen Feld aufkommen. Im Einzel gelten die inneren Seitenoutlinien, schießt man den Ball jenseits dieser, ist der Punkt verloren. Die äußeren Seitenoutlinien gelten für Doppelspielerinnen und -spieler. Doch auch wenn der Sport an sich leicht nachzuvollziehen ist, empfiehlt es sich, am Anfang ein paar Stunden zu nehmen. „Wenn man schön spielen will, muss man die Grundlagen beherrschen. Vorhand, Rückhand und Aufschlag sind die drei Schläge, die man einfach kennen muss. Die richtige Technik ist da sehr wichtig, allerdings kann man meiner Meinung nach schon nach zehn bis 20 Stunden gute Partien spielen“, sagt Weber.

Grundlagen sind beim Tennis unersetzbar

Bevor wir uns an die Schläge machen, muss erstmal der Griff sitzen. Im Tennis wird die Hand in einer leichten V-Form um den Schläger gelegt. Das gibt die nötige Flexibilität und man kann, ohne die Hand zu wechseln, zwischen Vor- und Rückhand alternieren. Als zweiten Schritt werfen wir einfach den Ball mit der Hand hin und her. Sieht nicht supercool aus, ist aber eine wichtige Übung. Beim Tennis spielt die Hand-Augen-Koordination eine sehr große Rolle und gerade Neulinge tun gut daran, dem etwas Extraaufmerksamkeit zu widmen.

Nachdem Weber mit der Koordination zufrieden ist, starten wir mit der Vorhand. Die wird, im Gegensatz zur Rückhand, meist einhändig ausgeführt. Der Schlag beginnt hinter dem Körper. Der Schläger wird von unten neben der Hüfte diagonal nach oben geführt und kommt erst hinter der gegenüberliegenden Schulter zum Stehen. „Den Schlag muss man immer ganz durchziehen, nur so lernt man, die Vorhand ideal zu kontrollieren“, sagt Weber. Den Ball trifft man idealerweise direkt neben dem Körper. Rechtshänderinnen und Rechtshänder setzen dabei den linken Fuß nach vorne, nach dem Schlag werden die Beine wieder parallel gestellt.

Die gute Nachricht: Das Treffen des Balls fällt uns relativ leicht. Die schlechte Nachricht: Der Ball fliegt irgendwohin, nur nicht dahin, wo er soll. Es ist ein feiner Bewegungsablauf und man braucht definitiv einige Stunden, um Hand und Auge in Einklang zu bringen. Anders bei der Rückhand. Die führen wir seitenverkehrt zur Vorhand, mit beiden Händen am Schläger. Geht auch einhändig, mit beiden ist es aber leichter. Das Ziel ist eindeutig besser eingestellt, wir haben eine gute Kontrolle über die Flugbahn. Ob es an der Tatsache liegt, dass zwei Hände mehr Stabilität geben, oder ob wir, wie Weber vermutet, irrtümlich rechts- statt linkshändig erzogen wurden, wird ein Rätsel bleiben.

Wiens schönste „Tennishalle“?

Bleibt noch Grundschlag Nummer drei: der Aufschlag. Den kann man am Anfang jederzeit unterhändig ausführen, der Überkopfaufschlag, wie man das von Wimbledon und Co kennt, sieht aber eindeutig besser aus. Der erste Schritt, um den zu erlernen, ist, einfach den Ball in die Luft zu werfen, bis wir es schaffen, diesen konstant gerade nach oben zu befördern. Eine schiefe Flugbahn ist klarerweise fatal. Klingt leichter, als es ist. Trotz völliger Windstille driftet der Ball immer wieder ab. Nach ein paar Minuten wird es aber besser und wir nehmen den Schläger dazu. Während der Ball hochsteigt, ziehen wir den Schläger Richtung Nacken und versuchen dann, den Ball am Höhepunkt der Flugbahn mit Schwung zu treffen. Die Bewegung sieht schwerer aus, als sie ist, auch das Zielen fällt leichter als mit unserer katastrophalen Vorhand.

Theoretisch könnten wir jetzt also ein Match spielen. Praktisch gesehen brauchen unsere Schläge natürlich noch Übung. „Ein paar Stunden üben und einem Match hier im Park steht nichts mehr im Weg“, sagt Weber zum Abschluss. Das werden wir sicher auch in Angriff nehmen. Die Möglichkeit, kostenlos in einem der schönsten Parks der Stadt zu spielen, wollen wir uns auf keinen Fall entgehen lassen.