Man sagt: "Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde". Das finden auch Marie und Magdalena und ihre Schützlinge. © PID/Ismail Gökmen

 

Marie und Magdalena zaubern mit Herz und Pferden ein Lächeln in Kindergesichter

Wien im Studi-Check: Marie 20, Medizin-Studentin und Magdalena 21, Psychologie-Studentin

CLUB WIEN lässt die Wiener Studentinnen und Studenten zu Wort kommen. Für die Serie "Studieren in Wien" zeigen Marie und Magdalena, wie soziales Engagement und Studium unter einen Hut passen. Die 20- und 21-Jährigen sprechen mit dem CLUB WIEN über ihre Arbeit im Verein "e.motion - Lichtblickhof" und erklären, wie der Einsatz für Kinder und Jugendliche in schwierigen Lebenssituationen auch ihre Studien-Wahl bestimmt hat.

 

Ein "Lichtblick"-Hof mitten in Wien

Ein Idyll mitten in Wien. Am Areal des Otto-Wagner-Spitals im Westen der Stadt betreibt der Verein "e.motion" einen Pferdehof mit 19 Therapie-Pferden, Schafen, Meerschweinchen und Hasen. Der Lichtblickhof wurde von Roswitha Zink im Jahr 2003 gegründet. Derzeit geben zwölf Therapeutinnen und Therapeuten, darunter Psychologinnen und Psychologen, Sozialarbeiterinnen und -arbeiter, Psychotherapeutinnen und -therapeuten, sowie freiwillige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – wie Marie und Magdalena – mehr als 350 Kindern und Jugendlichen mit lebensverkürzenden Erkrankungen, Traumata, geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen ein Stück Glück und Hoffnung im Alltag zurück.

Arbeit mit Tieren stärkt das Selbstvertrauen

Marie studiert im dritten Semester Medizin an der MedUni Wien. Ihre Freundin Magdalena ist angehende Psychologin. Wenn die beiden Wienerinnen nicht in Vorlesungen und Übungen sitzen, arbeiten sie am Lichtblickhof und betreuen Tiere und die "Helfer-Kids". Das sind Kinder und Jugendliche zwischen 14 und 27 Jahren,  die im Rahmen ihrer Therapie am Hof mithelfen. "Neben Verantwortung für andere Lebewesen lernen die Kinder, die oft Ausschluss oder Anderssein erlebt haben, Vertrauen in ihre Fähigkeiten. Durch die gemeinsame Arbeit entsteht ein Miteinander – die Einzelnen werden in der Gruppe angenommen und schaffen gemeinsam etwas", sagt Marie. Heute werden Marie und Magdalena mit ihren "Helfer-Kids" die Pferde striegeln und für ihren Einsatz bei der Equotherapie (therapeutisches Arbeiten mit Pferden) vorbereiten. Anschließend werden sie den Schafstall am Gelände ausmisten. Zuerst besprechen Magdalena und Marie mit der Gruppe, was heute zu tun ist. Dann geht es mit Rechen, Schaufel und Mistgabel in den Stall und alle packen mit an.

Felicita und Farah als Therapeutinnen auf vier Hufen

Jede und jeder Freiwillige kümmert sich um eines der zwölf Therapie-Pferde. Tinker-Stute Farah und die Criollo-Stute Felicita sind die Pferde von Magdalena und Marie, die mit ihren "Helfer-Kids" für die Therapie-Stunde vorbereitet werden. Die Kinder und Jugendlichen lernen, die Tiere zu führen und auf ihre Körpersprache zu achten. "Pferde bauen Beziehungen auf – zu ihren Pflegerinnen  und Pflegern und zu den Kindern und Jugendlichen, mit denen sie arbeiten", sagt Magdalena. Die Pferde-Therapie hilft bei körperlichen Beeinträchtigungen, tut aber auch der Seele gut: Durch diese Verbindung lernen Kinder und Jugendliche mit Emotionen umzugehen. Pferde lesen vor allem Körpersprache. So üben Kinder auch nonverbale Kommunikation und das Eingehen auf die Bedürfnisse anderer – Tiere wie Menschen. Die Pferde am Lichtblickhof sind speziell trainiert. Drei Jahre dauert ihre Ausbildung. Über ihr Interesse und ihre Liebe zu Pferden sind auch Magdalena und Marie zum Verein und dadurch zu ihrer Studien-Wahl gekommen.

Von der Liebe zu Pferden zum Einsatz für den Menschen

"Wir waren schon als Schülerinnen pferdebegeistert. Durch den Lichtblickhof haben wir die Pferdetherapie kennengelernt und gesehen, wie sich unsere Leidenschaft mit sozialem Engagement verbinden lässt. Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen am Lichtblickhof war auch der Grund, warum wir uns für Medizin und Psychologie entschieden haben." Magdalena und Marie wollen auch als Ärztin und Psychologin weiterhin im Sozialbereich arbeiten.

Freiwillige vor

Wer wie Magdalena und Marie am Lichtblickhof mithelfen möchte, ist herzlich willkommen. Vorkenntnisse sind nicht notwendig, im Idealfall kann man einen Tag pro Woche mithelfen. Allerdings werden auch freiwillige Helferinnen und Helfer für unterschiedliche Projekte und Feste gesucht.