28.SEPTEMBER 2020 
Lifestyle
Der Herbst ist eine stressige Jahreszeit. Meditation kann helfen. Die Wiener Volkshochschulen vermitteln das nötige Know-how. © Getty Images

So wird Ihr Herbst stressfrei

Kinder müssen wieder in die Schule. Der Sommer ist Geschichte. Der Weihnachtsrummel rückt näher. Der Herbst kann eine Herausforderung sein und erhöht den Stresslevel. Der VHS-Kurs „Stressfrei und achtsam durch den Herbst“ zeigt, wie man dem entgegenwirkt.

Stress, Angst, Ruhelosigkeit: Für viele Menschen sind diese negativen Gefühle stetige Begleiter. Gerade im Herbst kann das ein Problem werden. Die Unbeschwertheit des Sommers ist passé, von Schule bis Job wird alles wieder ernst, und auch die nahende Weihnachtszeit belastet viele psychisch. Gerade in einer Welt, in der alles immer schneller gehen muss, bleibt oft keine Zeit, sich seelisch und mental zu erholen und zu entspannen.

Der VHS-Kurs „Stressfrei und achtsam durch den Herbst“ zeigt, wie man dem drohenden Burn-out keine Chance lässt. Mit Meditation und Achtsamkeitsübungen lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, wie man innere Ruhe finden kann. CLUB WIEN hat vorab mit Kursleiter Alexander Przyborski gesprochen. Die nächsten Termine finden Sie auf der Homepage der Wiener Volkshochschulen.

Beim Kurs wird auf die Einhaltung der geltenden Corona-Maßnahmen geachtet.

CLUB WIEN: Könnten Sie uns etwas über sich erzählen? Seit wann unterrichten Sie an den Wiener Volkshochschulen?

Alexander Przyborski: Ich bin in Wien geboren und habe nach meinem schulischen Abschluss an der HTL als Ingenieur den Beruf Flugzeugelektroniker ausgeübt. Mit 52 Jahren veränderte ein tiefgreifender innerer Wandel meinen Lebensverlauf. In den folgenden Jahren widmete ich mich der Meditation und der Kultivierung der Achtsamkeit. Nach meiner Ausbildung zum diplomierten Meditations- und Achtsamkeitslehrer am WIFI begannen 2017 meine Meditations- und Achtsamkeitskurse an den Wiener Volkshochschulen.

Stress, Burn-out und Angst sind gesellschaftliche Probleme. Was sind dafür die Hauptgründe und ist der Herbst besonders stressig?

Vor Kurzem kamen Ereignisse in unser aller Leben, die viele Menschen in Angstzustände und Stresszustände versetzt haben. Für viele Menschen war es eine Art erzwungene Stille, aber man erkannte, durch ein großes Unglück entsteht auch eine Chance. Der Hauptgrund für Stress, Burn-out und Angst ist eine extrem hohe Geschwindigkeit, immer höher, immer schneller, immer mehr, der wir in der heutigen Zeit ausgesetzt sind. Wo freilich der Herbst mit einem sehr hohen Stresslevel sehr belastend ist. Eine kollektive Entschleunigung ist maßgebend wichtig für unser weiteres Wohlbefinden.

Was bedeutet für Sie der Begriff Achtsamkeit und inwiefern hilft uns das, Stress zu meiden?

Für mich bedeutet der Begriff Achtsamkeit eine bestimmte Form der Achtsamkeit, die absichtsvoll ist und die sich auf den gegenwärtigen Moment bezieht. Weiters ist darauf zu achten, ohne Beurteilungen und Bewertungen achtsam eine innere Haltung zu kultivieren. Achtsamkeit hilft uns gegen Stress, indem wir durch Achtsamkeit die Kontrolle über den Geist bekommen und wir sind unserem Geist dann nicht mehr ausgeliefert. Wir beobachten dann, wie in unserem Geist Gedanken entstehen, gute oder schlechte Gedanken.

Was sind Achtsamkeitsübungen?

Bei den Achtsamkeitsübungen kann man ganz in den Körperwahrnehmungen verweilen und den Atem bewusst wahrnehmen und beobachten. Mithilfe unserer fünf Sinne, Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen, können wir tief in die eigene Achtsamkeit eintauchen.

Warum ist Meditation für Sie der ideale Stresskiller?

Unser unruhiger Geist ist die Ursache unserer Stressprobleme. Mit Meditation können wir unseren Geist zur Ruhe bringen und wir können auch wieder in Verbindung mit uns selbst treten und wahrhaftig innere Ruhe erlangen und spüren.

Ist Meditation für alle geeignet? Warum fällt es manchen Menschen schwer, sich darauf einzulassen?

Alle können meditieren, unabhängig von Glauben, Religion oder Nationalität; Kinder, Erwachsene oder ältere Leute. Meditation ist für alle geeignet. Jede und jeder kann ihren beziehungsweise seinen Geist weiterentwickeln. Manchen Menschen fällt es schwer zu meditieren, weil der Geist ununterbrochen denkt und der Geist von einem zum anderen Gedanken springt.

Könnten Sie uns schildern, wie der Kurs ablaufen wird? Worauf legen Sie im Unterricht besonderen Wert?

Wir praktizieren im Kurs abwechslungsreiche Meditationsformen. Dynamische und ruhige Meditationen im Liegen, Sitzen oder Gehen. Konzentrationsübungen und Atemmeditationen. Bodyscan-Anleitungen sowie Übungen für Körperwahrnehmung.

Im Unterricht ist für mich sehr wichtig, dass ich als Lehrer ein Zeichen für Demut, Einfachheit, Liebenswürdigkeit, Mitgefühl und Friede setze. Ich habe auch keinen Wunsch, andere zu kontrollieren, und deshalb habe ich auch kein Interesse an Zwang oder Überredung. Ich versuche auch nicht, Wissen zurückzuhalten oder es anderen aufzudrücken. Das Wissen habe ich frei empfangen und ich möchte es frei weitergeben.

Hätten Sie vielleicht ein paar Tipps, wie man im Alltag etwas mehr innere Ruhe erreichen kann?

Bekanntes neu entdecken: Wählen Sie eine alltägliche Situation, die für Sie zur Routine zählt. Das kann das Waschritual am Morgen, die Fahrt zum Arbeitsplatz oder die Zubereitung einer Mahlzeit sein. Sammeln Sie möglichst viele Eindrücke und achten Sie bewusst auf Kleinigkeiten. Es fallen Ihnen sicherlich Dinge auf, die Sie bislang unbeachtet ließen. Wie ist der Stiel der Zahnbürste beschaffen? Die Oberfläche des Waschbeckens? Welche Form hat der Griff der Duscharmatur? Achten Sie einfach während der gewohnten Tätigkeit auf Dinge, denen Sie sonst keine Beachtung schenken.

Achtsames Atmen: Unsere Atmung läuft automatisch ab. Wir atmen schneller und flacher, wenn wir angespannt, aufgeregt, ängstlich oder nervös sind und wenn wir im Stress sind. Wir atmen langsamer und tiefer, wenn wir entspannt sind, uns wohlfühlen, schlafen. Sie können die Atmung bewusst steuern. Bewusstes Atmen ist achtsames Atmen, und das können Sie überall und jederzeit üben, sogar unbemerkt, sodass es Ihr unmittelbares Umfeld gar nicht mitbekommt.