Straßennamen müssen festgelegte Kriterien erfüllen. Dazu gehören Erkennbarkeit, Kürze und Wien-Bezug. © PID/Schaub-Walzer

 

So kommen die Straßen zu ihren Namen

2.784 Kilometer Straßen gibt es in Wien. Und alle tragen einen eindeutigen Namen. Die Straßennamen dienen nicht nur zur Orientierung, sondern erzählen auch die Geschichte der Stadt. CLUB WIEN kennt die Hintergründe.

Die endgültige Entscheidung darüber, wie eine neue Verkehrsfläche benannt wird, trifft der Gemeinderatsausschuss für Kultur und Wissenschaft. Alle Wienerinnen und Wiener können aber Vorschläge für neue Straßennamen in der zuständigen Bezirksvorstehung einbringen. Dort muss der Vorschlag eine Mehrheit in der Kulturkommission des Bezirks finden, dann prüft die MA 7, Kulturabteilung.

Keine eigene Gasse zu Lebzeiten

Straßennamen müssen festgelegte Kriterien wie Erkennbarkeit, Unterscheidbarkeit, Kürze und Wien-Bezug erfüllen. Soll eine Gasse, ein Platz oder Park nach einer Person benannt werden, muss sie mindestens ein Jahr vor der Benennung verstorben sein. Eine Ausnahme gab es hier nicht einmal beim beliebten Bürgermeister Helmut Zilk. Er bekam "seinen" Platz bei der Albertina genau zum ersten Todestag 2009.

Auch für Straßennamen gilt die neue Rechtschreibung

Ist ein Straßenname gefunden, regelt die "Wiener Nomenklaturkommission" die richtige Schreibweise. Mit Bindestrich, getrennt geschrieben oder doch zusammen: Die Grundsätze für eine einheitliche Schreibweise der Gassen, Straßen und Plätze wurden erstmals 1907 festgelegt und laufend aktualisiert. Für Straßennamen gilt übrigens die Neue Rechtschreibung. Wird eine Straßentafel neu angebracht, kommt die geltende Schreibweise zur Anwendung.

NS-Straßennamen verschwinden aus dem Stadtbild

In der unmittelbaren Nachkriegszeit wurden Umbenennungen aus der NS-Zeit rückgängig gemacht. 2013 erstellte eine Historikerinnen- und Historiker-Kommission im Auftrag der Stadt einen Bericht zu Wiener Straßennamen. Annähernd 170 Namen wurden von den Expertinnen und Experten als "historisch kritisch" eingestuft. Belastete Straßennamen werden durch erklärende Tafeln ergänzt.

 

Eine Ausnahme war 2012 die Umbenennung des Dr.-Karl-Lueger-Rings in Universitätsring. Der aufgrund seiner antisemitischen Haltung umstrittene Bürgermeister verschwand dadurch nicht vom Stadtplan. Nach dem 1910 verstorbenen Lueger sind nach wie vor ein Platz mit einem Denkmal und eine Kirche auf dem Zentralfriedhof benannt. Bei neuen Benennungen prüft die Stadt die Biografie der Namensgeberinnen und Namensgeber.

Mehr als 400 MusikerInnen auf dem Stadtplan

Die größte Gruppe der Namensgeberinnen und Namensgeber für Straßen sind aber ohnehin nicht Politikerinnen und Politiker. Mehr als 400 der über 4.000 nach Personen benannten Straßen, Gassen und Plätze haben Musikerinnen und Musiker, Künstlerinnen und Künstler oder Schauspielerinnen und Schauspieler als Namensgeberinnen oder Namensgeber. Die Bandbreite reicht von der Schubertgasse am Alsergrund über den Joe-Zawinul-Park im Bezirk Landstraße bis zur Falco-Stiege beim Naschmarkt. Aber auch Sissi-Star Romy Schneider hat eine Gasse in Liesing.

Gewachsene Straßennamen und G'riss um die beste Adresse

Während im Mittelalter Gassen noch ganz pragmatisch nach den angesiedelten Gewerben oder ihren Bewohnerinnen und Bewohnern benannt wurden, zum Beispiel die Bäckergasse oder der Judenplatz und die Herrengasse in der City, ging man in der Neuzeit dazu über, berühmte und wichtige Persönlichkeiten der Stadtgeschichte mit einem Straßennamen zu ehren. Und das geht nicht immer ohne Konkurrenz: In der Geschichte der Straßennamen gab es durchaus schon Matches darum, welcher Bezirk sich besonders begehrte Promis auf den Stadtplan schreiben kann. Ein Beispiel war Peter Alexander. Mehrere Bezirke bemühten sich darum, den 2011 verstorbenen Entertainer mit einer nach ihm benannten Verkehrsfläche zu ehren. Am Ende setzte sich Alexanders Wohnbezirk Döbling durch.