Die Pressburger Elektrische verband Wien und Bratislava. Im Technischen Museum kann man einen Originalwaggon betreten. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Eine Geschichte von zwei Städten

Wien und Bratislava, Freundschaft für immer: Die Ausstellung "Stadtverbindungen. Wien-Bratislava" im Technischen Museum Wien widmet sich historischen Zugverbindungen in und zwischen den Zwillingsstädten. Heute sind sich die Metropolen näher denn je.

Nur 55 Kilometer Luftlinie trennen Wien und Bratislava. Kein Wunder also, dass das Band zwischen den beiden Städten ein besonders enges ist. Der Verkehr zwischen den Zwillingsstädten wurde vor allem Anfang des 20. Jahrhunderts revolutioniert. Wie genau das vor sich ging, zeigt die Ausstellung "Stadtverbindungen. Wien-Bratislava" im Technischen Museum Wien.

Die Ausstellung ist zweigeteilt. Der erste Teil widmet sich der Wiener Stadtbahn, einem Prunkstück der Wiener Architektur und eines der Meisterwerke von Otto Wagner. Die Stadtbahn feiert im Jahr 2018, in dem sich auch der Todestag von Otto Wagner zum 100. Mal jährt, ihr 120-Jahre-Jubiläum und Wien begeht das Jahr der Wiener Moderne.

Originalwaggon im Museum

"Unser Ausstellungsteil besteht aus acht Themenvitrinen, unter anderem zur Eröffnung und zu den einzelnen Linien der Stadtbahn wie der Gürtellinie", sagt Bettina Jernej, Archivarin im Technischen Museum. "Außerdem gibt es zwei Medienstationen, bei denen historisches Bildmaterial aktuellem Bildmaterial gegenübersteht und die Besucherinnen und Besucher so sehen können, wie sich alles entwickelt hat." Highlight der Schau ist ein Originalwaggon der Stadtbahn.

Bettina Jernej ist Archivarin im Technischen Museum. Sie demonstriert wie die Multimediabildschirme der Ausstellung funktionieren. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Die Stadtbahn war für Wien ein Meilenstein in Sachen Stadtplanung. Der öffentliche Verkehr war durch die neuen Linien so kompakt wie noch nie, es entstanden Stationen quer durch die Stadt und man schaffte es, Personen- und Güterverkehr unter einen Hut zu bringen. Davon abgesehen sind die Stationen waschechte Wiener Ikonen und aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken. "Mein Lieblingsstück der Ausstellung ist ein Foto von den Bauarbeiten der Gürtellinie", sagt Jernej. "Man sieht darauf sehr gut, wie sich aus den Viadukten die fertigen Bögen entwickelten." Die Stadtbahnbögen waren Teil der Gürtellinie, in denen heute diverser Lokale und Geschäfte untergebracht sind.

Ein historisches Bauprojekt

Spannend ist auch ein Foto der Bauarbeiten, das zeigt, dass schon damals Frauen als Mörtelmischerinnen mittendrin statt nur dabei waren. Am aufwendigsten war übrigens die sogenannte Vorortelinie. "Die verlief zwischen Penzing und Heiligenstadt und wurde von 1894 bis 1898 gebaut. Dafür wurde Tunnelbau betrieben, unter anderem durch den Türkenschanzpark. Italienische Bergmänner kamen extra dafür nach Wien", sagt Jernej. Auf einem der historischen Fotos sieht man den Kaiser, der gerade den Tunnelbau besichtigt.

Der Kaiser war auch Stargast bei der großen Eröffnung am 9. Mai 1898. "Die Eröffnung fand in Michelbeuern statt. Das war zwar nur ein Frachtenbahnhof, allerdings lag er sehr zentral und bot reichlich Platz für die große Feier, der Tausende Menschen beiwohnten", sagt Jernej. Auch Originaleinladungskarten sind Teil der Ausstellung.

Originalfahrkarten der Stadtbahn sind ein Highlight der Ausstellung. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Elektrisch gen Pressburg

Im zweiten Teil der Ausstellung wird der Brückenschlag nach Pressburg behandelt. Eine Station der Stadtbahn, das Hauptzollamt, war Ausganspunkt für die Fahrt nach Bratislava. Heute befindet sich dort die Station Wien Mitte. Man schrieb das Jahr 1914, als die "Pressburger Elektrische" ihre Jungfernfahrt feierte. Im Gegensatz zur Wiener Stadtbahn, die dampfbetrieben war, wurde diese Strecke nach Bratislava rein elektrisch gebaut. "Das war eine der allerersten elektrischen Bahnen in Österreich, echte Pionierarbeit", sagt Thomas Winkler, Kustus für Schienenverkehr im Technischen Museum Wien.

Die Strecke war damals dreigeteilt. In Wien fuhr die Bahn in einem Netz, das den Straßenbahnen entsprach. 30 Kilometer pro Stunde waren das Maximum. In Schwecht wechselte der Zug auf eine Überlandlokomotive und brauste doppelt so schnell bis zur Grenze. Dort übernahm wiederum eine Straßenbahnlok. Insgesamt dauerte die Strecke rund zwei Stunden und fünfzehn Minuten. Für die damaligen Verhältnisse war das ein Quantensprung.

Der Originalwaggon der Stadtbahn darf im Gegensatz zu jenem der Pressburger Elektrischen nicht betreten werden. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Der Star der Ausstellung

Kronjuwel der Schau ist übrigens ein Originalwaggon, der 1913 von der Firma Ringhofer gebaut worden war. Den Waggon dürfen die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung sogar betreten. Innen hat man noch den Charme der alten Holzklasse. Wenn man sich hinsetzt, die Augen schließt und den Holzduft einatmet, kann man sich fast ins Jahr 1914 versetzen.

"Die Beziehung zwischen den zwei Städten wurde durch die 'Pressburger Elektrische' enger", sagt Winkler. "Es gab zwar schon vorher eine Bahnverbindung, die aber von den Hauptbahnhöfen wegging. Die lagen vor der Jahrhundertwende allerdings weit außerhalb der Städte. Die Elektrische fuhr von der heutigen Station Wien Mitte weg und ging direkt ins Pressburger Zentrum", sagt Winkler.

Von da an war die "Pressburger Elektrische" ein Spiegelbild der europäischen Geschichte. Erbaut 1914 in der k. u. k. Monarchie, änderte sich gegen Ende des Ersten Weltkriegs alles. Plötzlich gab es eine österreichische Außengrenze und ein ganz neues Land: die Tschechoslowakei. Sogar der Name unserer Partnerstadt änderte sich: Aus dem ungarischen Pozsony wurde Bratislava. Erst 1919 gab es wieder Zugverkehr, nun aber mit Reisepass-Kontrollen.

Thomas Winkler, Kustus für Schienenverkehr im Technischen Museum Wien, im Waggon der Pressburger Elektrischen. Museumsgäste dürfen hier auch Platz nehmen. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Bewegte Geschichte

1936 war damit wieder Schluss. Grund waren unterschiedliche Gleissysteme, die nicht mehr zueinanderpassten, und der Aufwand, sie anzugleichen, war den Ländern zu groß. Während der deutschen Besatzung gab es sogar nur mehr Autobusverkehr über die Grenze. Erst 1942 wurde der Betrieb von der Grenzstadt Berg bis zum heutigen Stadtteil Petržalka wiederhergestellt. Grund dafür waren Rüstungslieferungen.

1945 war dann mit dem Kriegsende wieder Schluss und mit dem Eisernen Vorhang war die Grenze dicht. Die neuen ÖBB stellten sogar den Betrieb zwischen Wolfsthal und der Grenze ein und bauten gar die Gleise ab. Bis heute wurde diese Verbindung nicht wiederhergestellt. Lange Zeit gab es gar keine Verbindung mehr.

Wien-Bratislava: schneller als je zuvor

Das ist heute Geschichte, und die Partnerschaft zwischen Wien und Bratislava ist eng wie nie zuvor. Die ÖBB fahren wieder, wenn auch nicht auf der alten Strecke, und jeden Tag fahren Dutzende Busse zwischen den beiden Städten hin und her. Doch die schönste und beliebteste Art, zwischen den beiden Metropolen zu reisen, ist der Twin City Liner der DDSG Blue Danube. Fünf Mal täglich schippert der Twin City Liner über die Donau und beglückt seine Gäste mit malerischen Landschaftsbildern und der kurzen Fahrzeit von nur einer Stunde.

Und es wird noch flotter: Die ÖBB erneuern bis 2023 die Zugstrecke nördlich der Donau komplett und machen die Strecke teilweise zweigleisig. Die Fahrzeit verringert sich damit von 65 auf nur mehr 40 Minuten. Davon hätten 1914 wohl auch die größten Optimistinnen und Optimisten nicht einmal zu träumen gewagt.

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