Der 16-jährige Patrik Wintersberger, hier mit Zellbiologin Marianne Raith, besucht zwei Vorlesungen pro Woche. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Talente entdecken und fördern

Schon in den ersten Schuljahren werden hochbegabte Kinder in Wien gefördert. Ausschlaggebend ist nicht nur der IQ, sondern Neugierde und die Freude am Lernen.

"Da kratzt und zischt etwas!", rufen die Kinder aufgeregt. Vor ihnen liegt ein Erdapfel, in dem eine Kupfermünze und ein Zinknagel stecken. Legt man an beide gleichzeitig den Stecker eines Kopfhörerkabels, ertönen Geräusche. Damit ist die Frage beantwortet, ob man Strom hören kann. "Das Spannende an Physik ist, dass es so myste­riöse Sachen gibt", sagt Maximilian. Das macht neugierig und spornt an. Genau darum geht es bei den Science-Workshops. Jungwissenschafterinnen und Jungwissenschafter der Initiative Science Pool kommen in den Unterricht und experimentieren mit den Kindern. "Das Projekt ist gut geeignet, um Schülerinnen und Schülern möglichst früh Wissenschaft und Forschung nahezubringen", sagt Andreas Gruber, Direktor der Neuen Mittelschule im Sonnwendviertel. "Gleichzeitig entdecken sie, wo ihre Interessen und Talente liegen." Die Workshops sind nur eine von vielen Möglichkeiten, wie in Wiener Schulen Begabungen gefördert werden.

Bei den Experimenten entdecken die Kinder, wo ihre Interessen liegen. "Das Spannende an Physik ist, dass es so mysteriöse Sachen gibt", so Maximilian. © PID/Martin Votava

Fruchtbare Maßnahmen

Je vielfältiger die Anregungen, desto früher werden Anlagen erkannt. 13 Grundschulen in Wien erhielten für ihr dies­bezügliches Engagement vom Wiener Stadtschulrat das "Begabungssiegel". Der Unterricht zielt darauf ab, Stärken zu erkennen und zu fördern. Gelehrt wird in Kleingruppen, es gibt Talente-Tage, Kreativwettbewerbe und es werden externe Expertinnen und Experten zugezogen. Ein Verfechter dieses Konzepts ist Peter Pany. Er unterrichtet Biologie und ­Chemie am Wiedner Gymnasium und ist überzeugt: "Wenn die Ausrichtung in puncto Förderung klar ist und alle an ­einem Strang ziehen, sind das die besten Rahmenbedingungen für den Unterricht." Dass es sich beim Wiedner ­Gymnasium um einen etwas anderen Schulunterricht handelt, zeigt auch das Fehlen einer Schulglocke. "Damit bekommt man die Kasernenhof-Atmosphäre raus", sagt Pany schmunzelnd. Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer richten sich nach der Uhr. Gelernt wird frei­willig. Der Unterricht wird großteils in Doppelstunden abgehalten. Das ermöglicht Themenvertiefung und nimmt Hektik raus.

Sushi und Schnecken

Neben dem regulären Stundenplan gibt es Freiarbeitsphasen, in denen die Schülerinnen und Schüler eigenverantwortlich an einem Thema arbeiten, und Atelierstage, an ­denen Themen außerhalb des Lehrstoffs ohne Beurteilung unterrichtet werden. "Um die Bandbreite zu erhöhen und Freiräume zu ermöglichen", erklärt Pany. Auf dem Programm stehen dann ein Sushi-Kurs ebenso wie eine Vogelkunde-Exkursion an die Alte Donau und Achatschneckenversorgen im Biologie-Saal. Das kommt an. "Kürzlich sagte eine Schülerin zu mir: Seit ich hier bin, gab es keinen Tag, an dem ich nicht in die Schule wollte."

Ob ein Kind eine besondere Begabung hat, erkennt man oft nicht auf den ersten Blick. "Einige spielen sich mit den Aufgaben und schaffen sie in der Hälfte der Zeit. Andere tarnen ihre Talente, um nur ja nicht aufzufallen und eventuell zum Außenseiter zu werden“, weiß Pany aus der Praxis. Gewissheit bringt eine gezielte Überprüfung der Fähigkeiten und Fertigkeiten. Der müssen sich Schülerinnen und Schüler stellen, die in die Sir Karl Popper Schule wechseln wollen. Dieser Oberstufen-Schulversuch ist im selben Gebäude untergebracht wie das Wiedner Gymnasium. Um ­aufgenommen zu werden, müssen die Bewerberinnen und Bewerber einen international erprobten psycho­logischen Test bestehen. Daraus wird dann ein differenziertes Intelligenzprofil erstellt.

Chiara Zwirner, hier mit ihrem Lehrer Peter Pany, fand durch ein wissenschaftliches Projekt Gefallen an Medizin. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Chiara Zwirner bestand ihn vor vier Jahren. Gute Noten zu bekommen, fiel der 17-Jährigen schon immer leicht. "Ich fand auch alles spannend, besonders aber Biologie", erzählt sie. Durch Vorwahl­fächer wie Mikrobiologie und medizinische Chemie wurde ihr Interesse auf Medizin gelenkt. Ein Sparkling-Science-Projekt in Kooperation mit der Uni­versität für Bodenkultur brachte dann Gewissheit. Dabei ging es um ein ­Wiederbewaldungsprojekt in Costa Rica unter der Begleitung von Peter Pany.
"Es war die Bestätigung für mich, dass ich künftig wissenschaftlich arbeiten möchte. Mich hat fasziniert, wie Forschung in der Praxis funktioniert."

Freude am Lernen erhalten

Für eine frühzeitige Förderung plädiert auch Brigitta Srncik von der schul­psychologischen Abteilung des Wiener Stadtschulrats. "Jedes Kind hat Stärken, manche Kinder haben besondere Begabungen. Diese zu erkennen, kann helfen, eine optimale Förderung zu ermöglichen", sagt sie. "In erster Linie geht es darum, dem Kind die Freude am Lernen zu erhalten und das Entstehen von ­Verhaltensauffälligkeiten als Folge von Unterforderung zu verhindern." Mögliche Merkmale einer Hochbegabung können sein: intensives Frageverhalten, Neugier, Wissensdurst, altersunüblicher Wortschatz, rasche Auffassung, gute ­Gedächtnisleistung, hohes Detailwissen, Langeweile bei Routineaufgaben, frühes Interesse am Lesen, Schreiben und Rechnen, Bevorzugung älterer Kinder als Freundinnen und Freunde.

Studium neben Schule

Einer von ihnen ist Patrik Wintersberger. Dank eines Tipps seiner Biologie-Lehrerin am Gymnasium Piaristengasse in Krems ­besucht der 16-Jährige bereits jetzt Vorlesungen an der FH Campus Wien. Die engagierte Pädagogin machte ihn auf das Programm "Schülerinnen und Schüler an die Hochschulen" aufmerksam. Der damals 14-Jährige fuhr daraufhin mit seinem Großvater nach Wien und traf auf Bea Kuen-Krismer, die Studiengangsleiterin Molekulare Biotechnologie und Departmentleiterin Applied Life Sciences.

Neben der Schule besucht Patrik Wintersberger, im Bild mit Zellbiologin Marianne Raith, wöchentlich zwei Vorlesungen an der FH Campus Wien. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Sie stellte mit ihm einen Stundenplan zusammen. Eine Woche später fing er an, ein bis zwei Vorlesungen pro Woche zu besuchen. Kuen-Krismer: "Das Programm bietet die Chance, junge Menschen speziell zu fördern – mit ­Fokus auf ihre Talente und Begabungen, nicht auf ihre Schwächen. Es braucht überdurchschnittliches Interesse und auch Motivation, um über einen längeren Zeitraum parallel zur Schule Lehrveranstaltungen zu besuchen und die Freizeit zu reduzieren. Beim Stundenplan ist uns wichtig, dass Freude und Motivation nicht durch Überforderung verloren gehen."

Bereicherung für beide Seiten

Diese Gefahr ist bei Patrik Wintersberger nicht gegeben. Er hat inzwischen acht Prüfungen abgelegt. "Vier davon mit Sehr gut", sagt er stolz. Die Prüfungen werden ihm später im Studium angerechnet. Molekulare Biotechnologie wird es werden. Der Grund dafür: "Sie bietet unendliche Einsatzmöglichkeiten." Sein Ziel hat er klar vor Augen. Er will in die medizinische Forschung und ein eigenes Pharmaunternehmen gründen. Betriebswirtschaft findet er nämlich ebenfalls sehr spannend.

Nächstes Jahr wird er bei der Wirtschaftskammer den Unternehmensführerschein ablegen. "Dann ist einmal der Grundstein gelegt", sagt er. Kuen-Krismer freut das: "Mich überrascht, dass diese Menschen so jung und gleichzeitig so hochmotiviert und zielstrebig sind. Sie erhöhen mit ihrem Wissen, ihren ­Fähigkeiten und ihrem Engagement das Niveau der Ausbildung. Mit ihnen zu arbeiten, macht Spaß und motiviert uns zusätzlich."

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