Karmen Kreidl engagiert sich ehrenamtlich bei der Wasserrettung Wien und ist stellvertretende Landeseinsatzleiterin. © PID/Christian Fürthner

 

Wien kümmert's: Wir machen Wiens Gewässer sicherer

Freiwillige HelferInnen und Ehrenamtliche machen Wien besonders lebenswert. Karmen Kreidl ist eine von ihnen und sorgt mit ihren KollegInnen von der Wasserrettung Wien für Sicherheit. Menschen in Not zu helfen, ist für sie eine Selbstverständlichkeit.

Am Anfang war die Liebe zum Wasser. Schon als Kind war Karmen Kreidl eine echte Wasserratte. Dass sie später die Ausbildung zur Rettungsschwimmerin begann, war für sie irgendwie logisch. "Für mich gehörte Grundwissen über Rettungstechniken fast schon zur Allgemeinbildung, es stand nie infrage, dass ich das machen will", sagt Karmen. Heute ist die Biologin stellvertretende Landeseinsatzleiterin und Pressesprecherin bei der Wasserrettung Wien.

Wie sämtliche Kolleginnen und Kollegen im Landesverband Wien ist Karmen ehrenamtlich im Einsatz. Die Österreichische Wasserrettung ist ein gemeinnütziger Verein zur Erhöhung der Sicherheit im und am Wasser. In Wien hat der Verein 700 Mitglieder, davon sind 100 aktive Einsatzkräfte. Alljährlich verzeichnet man rund 3.000 Einsatzstunden und hält 3.500 Ausbildungsstunden ab.

Ein Haupteinsatzgebiet der Wasserrettung ist die Überwachung von wassersportlichen Veranstaltungen. Dazu zählen Triathlons und Bootrennen, aber auch Schulwettbewerbe und Teambuilding-Events. Auch bei Film- und Fernsehdrehs ist die Wasserrettung zur Absicherung mit dabei. "Wir waren zum Beispiel kürzlich bei 'Vorstadtweiber'. Auch mit 'SOKO Donau' haben wir öfter gearbeitet", sagt Karmen. Dazu kommen diverse andere Events, etwa die Album-Release-Party von Rapper RAF Camora am Donaukanal. Weitere Einsatzgebiete sind die Bäderüberwachung, Unterwassersuch- und Bergeeinsätze sowie Unterstützung im Katastropheneinsatz.

 

Rettungsgriffe müssen sitzen

Eine zweite Schiene der Wasserrettung ist die Durchführung von Schwimm- und Rettungsschwimmkursen. Auch intern wird laufend nachgeschult. Heute sind die Taucherinnen und Taucher dran, die einen Auffrischungskurs in Sachen Rettungsschwimmen machen. Im Universitätssportzentrum auf der Schmelz stehen die diversen Rettungsgriffe ebenso auf dem Programm wie der Einsatz von Rettungsausrüstung und Wiederbelebungsmaßnahmen.

Zuerst üben die Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer Achsel- und Kopfgriff. Wie die Namen schon andeuten, werden die Ertrinkenden unter den Achseln beziehungsweise am Nacken gestützt. Dann wird der Fesselgriff geübt. Dabei stützt eine Hand den Rücken, die andere ruht am Kinn. Die Rettungsschwimmlehrerinnen und -lehrer schauen sich die Griffe an und geben Feedback. "Die Stirn halten, nicht am Kinn", wird ein Kopfgriff korrigiert. So bringen die Rettenden Menschen in Not ans Ufer. Jemanden aus dem Wasser zu bringen, ist je nach Situation eine große Herausforderung. "Das ist schwieriger, als die Leute meist denken, und alleine kaum zu bewerkstelligen. Darum sind wir im Einsatz immer mindestens zu zweit", sagt Karmen.

Die diversen Griffe müssen die Wasserretterinnen und Wasserretter zum Glück nur selten einsetzen, aber es kommt doch immer wieder vor. "Der jüngste Rettungseinsatz war im Sommer bei einem Sportevent in der Neuen Donau. Da hatte ein Schwimmer nahe der Steinspornbrücke starke Krämpfe und signalisierte uns, dass er Hilfe braucht." Daraufhin sprang einer der Rettungsschwimmer vom Boot, holte den Sportler mit dem Gurtretter, einem Brust-Schulter-Gurt samt Schaumstoff-Auftriebskörper zum Festhalten, aus der Menge der Schwimmenden heraus und brachte ihn mithilfe des zweiten Rettungsschwimmers an Bord. Dann steuerte der Schiffsführer den vereinbarten Übergabepunkt an, wo die Rettungskräfte an Land die weitere Versorgung übernahmen.

"In brenzligen Situationen muss man sicher und zügig agieren, spätestens da merkt man, dass sich das Training auszahlt. Auch Erfahrung ist von unschätzbarem Wert, deshalb spannen wir erfahrene und neue Einsatzkräfte im Team zusammen." Niemand wird alleine gelassen, der Zusammenhalt ist eine starke Säule im Rettungswesen.

Ein Anliegen ist Karmen auch das Erhöhen des Frauenanteils im Verein. "Im Einsatzreferat haben wir ein Drittel Frauen, das wäre jetzt nicht so schlecht, aber wenn es um Führungsaufgaben geht, muss ich unsere weiblichen Rettungsschwimmer schon deutlich mehr motivieren. Da wünschte ich mir manchmal mehr Mut und Entschlossenheit von meinen Geschlechtsgenossinnen. Zum Glück kann man bei uns auch diese Fähigkeiten trainieren!"

Ein offenes Auge kann Leben retten

Generell wünscht sich Karmen, dass mehr Menschen die Ausbildung zur Helferin oder zum Helfer und vielleicht auch weiter zur Retterin oder zum Retter machen. "Erstens wird man dadurch selbst sicherer im Wasser. Zweitens profitieren alle davon, denn die Chance, dass jemand im Freibad ist, der helfen kann, steigt", sagt Karmen. Eines möchte sie besonders ans Herz legen. "Wenn jemand untergeht und von den unmittelbar Anwesenden niemand helfen kann, ist wichtig, dass man sich die Stelle genau merkt und die Rettungskette einleitet. Die Berufsfeuerwehr ist in Wien sehr schnell am Einsatzort und eine exakte Angabe des Unfallorts kann den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen."

Der häufigste Grund für Ertrinken ist Selbstüberschätzung. "Kinder können sich nicht einschätzen und Erwachsene kennen manchmal ihre Grenzen nicht. Leider ist auch immer wieder Alkohol im Spiel", sagt Karmen. Seniorinnen und Senioren sind vor allem durch Kreislaufprobleme gefährdet. Ein geschultes Auge ist essenziell. "Sichere Schwimmerinnen und Schwimmer liegen sehr flach im Wasser. Bei Ertrinkenden wird die Schwimmlage aufrechter, der Kopf geht zurück. Dann deuten sich Probleme an." Schnelles Eingreifen zählt, denn Ertrinken ist lautlos. "Die Person ist viel zu sehr mit Luftholen beschäftigt. Da gibt es keine Chance, um Hilfe zu rufen."

Interessierte sind willkommen

Zum Abschluss übt das Team mit dem Gurtretter. Der besteht aus einem Brust-Schulter-Gurt, einer schwimmfähigen Verbindungsleine mit Ösen und einem Auftriebskörper aus Schaumstoff. Die oder der Verunfallte kann sich festhalten und wird zum Ufer gezogen. Bei Bewusstlosigkeit kann der Gurtretter um die Brust gebunden werden. "Das ist ein nützliches Einsatzwerkzeug und kann verhindern, dass sich die Verunfallten an uns klammern und so ihre Retterin oder ihren Retter gefährden." Rettungsschwimmerinnen und -schwimmer müssen sehr gut darin sein, Situationen einzuschätzen. Es gilt immer: Selbstschutz vor Fremdschutz. "Wenn man meint, mit einer Rettung überfordert zu sein, dann sollte man besser Hilfe rufen."

Ehrenamtliche Arbeit ist für die Wasserretterin selbstverständlich. "Es ist ein gutes Gefühl, füreinander da zu sein, man kann der Gesellschaft auf diese Art etwas zurückgeben. Und die Arbeit sowie das Training ist für mich ein idealer Ausgleich zum Job. Ich kann das nur empfehlen", sagt Karmen. Möglichkeiten, bei der Wasserrettung mitzumachen, gibt es viele. "Wir freuen uns immer über neue Mitglieder!"